Der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic hat sich nach seiner Disqualifikation bei den US Open in den sozialen Netzwerken zerknirscht gezeigt und für den Vorfall entschuldigt. "Diese ganze Situation lässt mich wirklich traurig und leer zurück", hieß es in einem in der Nacht zum Montag veröffentlichten Instagram-Eintrag des 33 Jahre alten Serben. Er wolle sein Fehlverhalten auf dem Platz und die darauf folgende Disqualifikation als "Lektion" nehmen. Djokovic hatte in seinem Achtelfinale in New York am Sonntag gegen den Spanier Pablo Carreno Busta nach einem verlorenen Aufschlagspiel im ersten Satz beim Stand von 5:6 wütend einen Ball weggeschlagen und dabei eine Linienrichterin getroffen. Zwar hatte Djokovic den Ball nicht mit Absicht in Richtung der Linienrichterin geschlagen, sie ging aber - am Kehlkopf getroffen - zu Boden und hatte danach sichtlich Probleme mit der Atmung.

"Es tut mir extrem leid, dass ich ihr solch einen Stress bereitet habe. So unbeabsichtigt. So falsch", hieß es in der Stellungnahme Djokovics. Er habe sich bei den Turnier-Veranstaltern erkundigt, die Linienrichterin fühle sich okay. Zur üblichen Pressekonferenz war der Topfavorit nach seinem Aus nicht erschienen.

Zuvor hatte der topgesetzte Titelfavorit noch vergeblich versucht, die auf dem Platz zusammengekommenen Referees umzustimmen. Allerdings hatten diese laut Regelwerk und den bisher in ähnlichen Fällen gefällten Urteilen gar keine Wahl und mussten derart hart entscheiden. Schon kurz zuvor hatte Djokovic in der Achtelfinal-Partie einen Ball wild in Richtung Bande weggeschossen, da war aber nichts passiert.

Ein neues Siegergesicht

Damit schlüpfte der als Nummer zwei gesetzte Niederösterreicher Dominic Thiem, der sein Achtelfinale gegen den Kanadier Felix Auger-Aliassime am Montagabend bestreitet (20.10 Uhr/Servus-TV), automatisch in die Favoritenrolle dieses Major-Turniers. Bei den Australian Open vor der Corona-Pause war Thiem dem Serbien knapp in fünf Sätzen unterlegen gewesen.

Jedenfalls wird es nach einer Serie von 13 Triumphen von Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer am Sonntag in New York einen anderen Grand-Slam-Siegernamen geben. Nachdem der Spanier Nadal und der Schweizer Federer Corona-bedingt bei den US Open gleich gar nicht angetreten waren, hat sich nun der Serbe selbst aus dem Bewerb genommen. Der diesmal auch nicht in die USA gereiste Stan Wawrinka ist der bisher letzte Major-Sieger abseits der Big Three. Der Schweizer holte vor vier Jahren den US-Open-Titel, nachdem er 2014 bei den Australian Open und 2015 bei den French Open triumphiert hatte. Zurück bis ins Jahr 2006 findet man sonst nur drei weitere Namen mit gesamt fünf Major-Titeln in den Siegerlisten: Andy Murray (GBR/Wimbledon 2013, 2016; US Open 2012), Marin Cilic (CRO/US Open 2014) und Juan Martin del Potro (ARG/US Open 2009).

Die US Open waren also über die vergangenen eineinhalb Jahrzehnte schon vor Corona jener Grand Slam mit den meisten Alternativ-Siegern, nämlich vier von seither insgesamt acht. In den vergangenen 60 Grand Slams hieß der Sieger 52-mal Djokovic, Nadal oder Federer. Diesmal wird es auf jeden Fall ein neues Siegergesicht auf dieser Ebene geben, denn für die vor den Montag-Achtelfinali noch im Bewerb befindlichen Spieler hat es bisher maximal zu Finaleinzügen gereicht.

Zverev um Halbfinal-Einzug

Am besten steht Dominic Thiem mit drei Endspielen da (French Open 2018, 2019; Australian Open 2020). Der Russe Daniil Medwedew stand vor einem Jahr gegen Nadal im New Yorker Finale, sonst haben es noch Carreno Busta (US Open 2017), Matteo Berrettini (ITA/US Open 2019) und Alexander Zverev zumindest in ein Halbfinale geschafft.

Dem Deutschen gelang das heuer in Melbourne, nachdem es für ihn auf Grand-Slam-Ebene lange Zeit überhaupt nicht gelaufen war. Nun ist er in der oberen Hälfte des Tableaus der Favorit auf den Finaleinzug. Er selbst bestreitet sein Viertelfinale als Nummer fünf am Dienstag gegen den Kroaten Borna Coric (27).