Fünftes Spiel, fünfter ungefährdeter Sieg. Und das bei nur einem einzigen abgegebenen Satz. Dass Dominic Thiem bei den US Open das Halbfinale erreichen würde, war angesichts der (auf dem Papier) schwächeren Gegner bisher nicht einmal so unwahrscheinlich. Allerdings wartet auf den Österreicher mit Vorjahresfinalist Daniil Medwedew aus Russland am Freitag (Servus-TV) in Flushing Meadows ein ordentlich harter Brocken. Auch er wurde bis dato nicht so richtig gefordert, steht gar ohne Satzverlust in der Vorschlussrunde. Hatte Thiem gegen den 20-jährigen Felix Auger-Aliassime (Achtelfinale) und den 21-jährigen Viertelfinal-Gegner Alex de Minaur noch die größere Erfahrung geholfen, so wartet mit dem ebenfalls erst 24-jährigen Medwedew ein Gegner, der immerhin bei den US Open schon vor dem Titel gestanden ist.

Und Thiem weiß das natürlich. Für ihn sind Auger-Aliassime und de Minaur "unglaubliche Spieler", die "aber noch richtig jung sind und wahrscheinlich noch ein Jahr oder so brauchen, bis sie dieses Toplevel über drei, vier, fünf Sätze halten können", erklärte die Nummer drei der Welt am Donnerstag in einer Pressekonferenz. "Medwedew fehlt das überhaupt nicht, der spielt richtig gut und zweitens spielt der seinen Höchstlevel, solange das Match dauert." Hinzu kommt, dass der Russe bis dato keine großen Leistungsschwankungen gezeigt habe. "Er hat fast einen Nadal nach 0:2-Sätzen letztes Jahr im Finale besiegt", erinnerte Thiem. Dabei hatte auch er selbst dem spanischen Superstar 2018 im Viertelfinale eines seiner besten Matches im US-Open-Viertelfinale geliefert. Dasselbe gelte somit auch für ihn, gab er zu: "Ich kann natürlich vier, fünf Stunden absolutes Toplevel spielen. Meine Aufgabe wird sein, genau das abzurufen und wenn das passiert, wird es sicherlich ein supergeiles Match", prophezeit Thiem.

"Supergeil" heißt in diesem Zusammenhang, dass es zumindest ein wesentlich besseres Spiel werden soll, als die zwei vorangegangenen Duelle mit dem Russen. Thiem führt im Head-to-Head mit 2:1, aber der Finalsieg in Barcelona (6:4 und 6:0) und die Viertelfinal-Niederlage in Kanada (3:6 und 1:6), beide im Vorjahr, dienen ihm nicht als Referenz. "In Barcelona war er komplett hin im Finale und ist weggebrochen, in Montreal war ich nicht anwesend, da bin ich damals aus Kitzbühel gekommen", so Thiem. "Freitag, wenn nicht irgendwer krank wird, wird es ganz anders werden. Wir spielen beide gut und ich denke, dass wir zwei schon mit Sascha (Zverev) und (Stefanos) Tsitsipas am nächsten dran sind an den großen Drei. Was unser Level anbelangt, aber auch dieses Level in einem Grand-Slam-Match ganz lang zu spielen. Ich hoffe, dass mir das gelingt, das ist meine Aufgabe. Gut spielen, ohne große Löcher."

Das ist ihm auch gegen de Minaur beim 6:1,6:2,6:4-Erfolg gelungen, bis auf einen kurzen Hänger im dritten Satz. "Ich habe mir die gesamte Zeit gesagt, dass ich aufpassen und auf der Hut sein muss. Im dritten Satz ist es noch mal kurz eng geworden. Wenn ich diesen Satz verliere, schaut alles ganz anders aus." Mit seinem Mix aus Offensive und Defensive war Thiem ebenso zufrieden wie mit seinem Slice. "Der wird wichtig im Hinblick auf die nächste Partie, dass ich dem Medwedew verschiedene Treffpunkte gebe, weil in einer gewissen Höhe macht er keinen Fehler, vor allem auf der Rückhand."

Medwedew mit Schmerzen

Medwedew macht indessen seine Schulter, die er im Finish seines Spiels gegen Andrej Rublew (Rus) beleidigte, zu schaffen. Aber auch wenn er betont, dass er nur wenig Schmerzen (etwa Krämpfe) habe, so hat ihn doch der 7:6,6:3,7:6-Erfolg über seinen Landsmann physisch gefordert. Seine Ansicht von Thiem musste der Weltranglisten-Fünfte allerdings korrigieren. "Dominic ist ein harter Gegner, besonders natürlich auf Sand. Das habe ich letztes Jahr im Finale von Barcelona zu spüren bekommen. Auf Hartplatz ist es ein bisschen leichter, aber wenn ich leichter sage: Er war ja gerade im Finale der Australian Open."

In die Annalen ist Thiem aber so schon eingegangen, indem er als erster Österreicher ins Halbfinale der US Open eingezogen ist. Thomas Muster war 1993, 1994 und 1996 jeweils im Viertelfinale ausgeschieden.(rel/apa)