Hollywood lässt grüßen. Als der gerade noch 21-jährige Tadej Pogacar nach seinem historischen Tour-de-France-Sieg vor der Weltpresse Stellung nahm und diesen mit den Worten: "Das ist alles zu groß für mich. Ich bin nur ein Kind aus Slowenien, habe zwei Schwestern und einen Bruder. Was soll ich sagen?", kommentierte, da fühlten sich wohl viele Zuseher ins Jahr 1999 zurückversetzt. Denn als der designierte Tour-de-France-Triumphator gerade einmal ein Jahr alt war, lief in den Kinos gerade der Kultfilm "Notting Hill" an. Ähnlich schüchtern und zurückhaltend wie Pogacar stand in dem Hollywood-Streifen auch Julia Roberts vor Hugh Grant und erklärte diesem "Ich bin doch nur ein Mädchen, das vor einem Jungen steht und ihn bittet, es zu lieben". Und genauso wie der Erfolgsfilm könnte auch die Geschichte Pogacars eine der Marke "Hollywood" sein.

Bis in die zweite Tour-de-France-Woche lediglich als Talent des Radsports abgestempelt, sorgte der Tour-Neuling mit seinem vollen Erfolg für eine große Überraschung. Kein Wunder, vermochte zu Beginn der traditionsreichen Rundfahrt durch Frankreich doch noch niemand an einen Gesamtsieger Tadej Pogacar zu denken. Geschweige denn davon sprechen. Doch der von vielen als Anführer einer neuen Generation bezeichnete Slowene strafte seine Kritiker Lügen und holte mit famosen Leistungen den ersten Tour-de-France-Sieg für das kleine Slowenien. Das an Dramatik kaum zu überbietende Finale, bei dem das neue Wunderkind des Radsports seinem Landsmann Primoz Roglic noch das sicher geglaubte gelbe Trikot entriss, könnte ebenfalls aus der Feder eines großen Hollywood-Produzenten stammen.

Fahrt ins Geschichtsbuch

Mit exakt 21 Jahren und 365 Tagen krönte sich Tadej Pogacar nicht nur zum zweitjüngsten Sieger in der 107-jährigen Geschichte der Tour de France, sondern sicherte sich neben dem Gesamtsieg auch die Bergwertung sowie das weiße Trikot für den stärksten Jungprofi. Das gelang vor ihm noch keinem anderen Radfahrer. Nicht nur deshalb verneigen sich nun nacheinander die Größen des Radsports vor dem jungen Mann aus der 6.000-Einwohner-Gemeinde Komenda. "Das ist die Geburt eines großen, großen Champions", sagte etwa der US-Amerikaner Greg LeMond der französischen "L’Equipe", und auch der fünffache Tour-de-France-Sieger Eddy Merckx fand nur lobende Worte für den neuen Stern am Radsport-Himmel: "Ich wusste schon nach der Vuelta, dass er ein Großer ist. So eine Nummer macht man nicht, wenn man kein Talent hat."

Dieses Talent zeigte sich bei Pogacar bereits in frühen Jahren, als der Sohn einer Hochschulprofessorin und eines Designers die älteren Jahrgänge reihenweise hinter sich ließ. Mit neun Jahren zum Radsport gekommen, war der Slowene seiner Zeit schon immer voraus. Dies führte im Laufe seiner noch jungen Karriere zu der ein oder anderen witzigen Geschichte. Als Tadej Pogacar beispielsweise die Kalifornien-Rundfahrt 2019 als Sieger beendete, stellte er die Organisatoren vor eine kleine Herausforderung. Denn da der damals 20-Jährige noch zu jung für den sonst üblichen Preis, eine Champagner-Flasche, war, musste das Protokoll der Siegerehrung kurzerhand umgeschrieben werden. Statt des Schampus gab es für Tadej Pogacar dann - einen Teddybären. Geschichte: Marke Hollywood.