Der Zeitpunkt für die Testphase konnte nicht günstiger sein: Mitten in der österreichischen Lockdown-Zeit aus "bleibzuhause"-Aufrufen, Home-Office und eingeschränkten Outdoor-Aktivitäten, wurde das Bike geliefert. Es kam in einem riesigen Karton an, in dem einige Teile (Lenkrad, Pedale, Katzenaugen) zunächst montiert werden mussten.

Das sportliche Bike "Curt" überzeugte im Test und bietet Fahrspaß auf hohem Niveau - in der Stadt und auf Touren. - © Ampler
Das sportliche Bike "Curt" überzeugte im Test und bietet Fahrspaß auf hohem Niveau - in der Stadt und auf Touren. - © Ampler

Ich habe das Modell "Curt" gewählt, da es ein sehr sportliches Rad ist, zusätzlich zur Singlespeed-Variante gibt es das Curt auch als 10-Gang-Modell. Das Singlespeed weist einen Riemenantrieb auf, mit dem es für ein E-Bike mit 13,5 Kilogramm relativ leicht ist. Das geringe Gewicht erreicht das Curt außerdem durch die Carbongabel und Laufräder. Riemen statt Kettenantrieb bedeutet auch, dass es weniger wartungsintensiv und sauberer ist.


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Der Button für Motor und Lichter leuchtet grün bei voller Ladung, darunter der Stecker für das Ladegerät. - © Ampler
Der Button für Motor und Lichter leuchtet grün bei voller Ladung, darunter der Stecker für das Ladegerät. - © Ampler

Design und Ausstattung

Einen Gepäckträger gibt es zwar nicht, dafür sind schmale Kotflügel montiert und sehr helle B&M-Lichter, die übrigens fix angebracht sind und nicht abgenommen werden müssen – ein sehr praktisches Detail für VielradlerInnen. Die Rücklichter sind in der Stange integriert – très chic. "Sportlich" ist auch die Sitzhaltung, man sitzt also eher gebückt und nicht aufrecht. Wer auf komfortables Sitzen und Gepäcktransport nicht verzichten möchte, ist mit dem Curt nicht gut beraten. Beides findet sich etwa auf dem Citybike Stellar, das jedoch auch mit 17,2 Kilogramm deutlich mehr Gewicht auf die Waage bringt.

Das Curt wird von Ampler als "Straßenflitzer" und "urbanes Design-E-Bike" vermarktet, und genau das ist es auch. Es hat schmale Reifen und lässt sich in engem Straßenverkehr sehr agil lenken. Für die City gilt ja: "Das beste Profil ist kein Profil", was zumindest dafür sorgt, dass man schneller durch die Stadt flitzt. Trotzdem ist man auch außerhalb der Stadt - etwa auf längeren Radtouren oder abseits von Asphaltstraßen gut mit dem Bike unterwegs. Eine herausfordernde Testfahrt über einen Wiener Stadtwanderweg (sehr steil mit 350 m Anstieg, Waldstrecke, Kieselwege) hat das Curt überraschend gut gemeistert, obwohl die Reifen dafür keineswegs gemacht sind.

Ein Detail, so hochwertig verarbeitet wie das gesamte Rad: die im Sattelrohr integrierten LED-Lichter. - © Ampler
Ein Detail, so hochwertig verarbeitet wie das gesamte Rad: die im Sattelrohr integrierten LED-Lichter. - © Ampler

Technik, die sich abhebt

Ein technisches Plus ist das sogenannte "dynamische Antriebssystem" der Amplerbikes. Ein sogenannter Drehmomentsensor im Tretlager misst, wie stark man tritt und bietet entsprechende Unterstützung mit dem Motor. Normalerweise haben Elektroräder mehrere Unterstützungsstufen des Motors (leicht, mittel, stark) - die findet man im Curt nicht. Fährt man auf flachen Strecken, unterstützt der Motor nur leicht, geht es bergauf, strengt sich auch der Motor mehr an. Der Vorteil davon ist definitiv das bessere Fahrgefühl, denn man hat eben immer das Gefühl, die Bewegung nicht komplett an den Elektromotor abzugeben. Was für RadlerInnen wie mich toll ist. Ich mag den Push, möchte aber das Sportgefühl nicht vermissen.

Akkuleistung

Alle Fahrräder im Ampler-Sortiment sind E-Bikes, in denen der Akku im Unterrohr des Rahmens verbaut ist. Geladen wird es von außen, weshalb man dem Rad kaum ansieht, dass es einen Motor hat. Man schließt dafür das Ladegerät über den Magnetstecker an der Buchse an. Wer im Fahrradraum eine Steckdose hat, lädt es am besten gleich dort auf. Ansonsten muss man das Rad in die Wohnung mitnehmen – kleines Minus in dem Fall. Wie häufig muss das Rad aufgeladen werden? Die Reichweite beträgt durchschnittlich 70 Kilometer, je nach Einsatz der Motorleistung zwischen 50 und 100 Kilometern.

Im Test zeigte sich: Bei täglicher Nutzung des Rades mit Motor in der Stadt (Arbeitsweg und kleine Besorgungen, etwa 20 km täglich) musste ich das Curt nur ca. alle 3 Tage an den Strom anschließen. Der Ladevorgang dauert drei Stunden. Das Licht am Ladepunkt zeigt über "Ampelfarben" den Batteriestatus an - bei voller Ladung ist der Kreis grün und geht über gelb schließlich zu rot. Einschalten kann man die Lichter entweder über die App oder direkt über den Button im Rahmen.

Die Lebenszeit der Batterie wird mit 700 Ladezyklen oder 30.000 Kilometern angegeben. Bei kälteren Temperaturen hat das Rad entsprechend geringere Kapazitäten, heißt es von den Radproduzenten.

Einstellungen via App

Eine Besonderheit gegenüber anderen E-Bikes bieten die Amplerbikes mit der eigenen App "Ampler" (für Android und iOS). Um das Fahrrad mit der App, muss es sich in der Nähe befinden. Danach erfolgt ein kurzer Login entweder über E-Mail-Adresse oder Facebook-Account. Mehrere Punkte lassen sich via App einstellen: Licht, Elektromotorleistung (1 = "normal" = 25 km/h, 250 W, 100 % oder 2 = "stark" = 25 km/h, 250 W, 150 %) sowie eine Fahrtenaufzeichnung mit Dauer, Distanz, Geschwindigkeiten sowie Höhenmeter.

Leider stürzte die App im Testbetrieb (iPhone 11 Pro) immer wieder ab und nahm Aufzeichnungen nicht vor bzw. konnte man die Fahrten am Ende nicht speichern.

Fazit:

Pro: Geringes Gewicht für ein E-Bike, individuelle Motorunterstützung, tolles Design und großes Fahrvergnügen.
Contra: Eigentlich keine. Wenn man etwas finden will: Der Akku kann nur vom Händler getauscht werden und der Ladevorgang ist nur direkt am Rad möglich.

Last, but not least: Preislich schlägt es mit 2.890 EUR relativ teuer zu Buche und dürfte für viele nicht leistbar sein. Eine Ratenzahlung ist allerdings möglich. Alles in allem ein wunderbares Fahrrad, das im Hinblick auf seine Hochwertigkeit durchaus sein Geld wert ist.

Ampler Curt: Technische Details und Zubehör:

Reichweite Stadt (Tour) 35 km (68 km)
Preis 2890 EUR
Gewicht 13,5 kg
Rahmengrößen 50, 54, 58 cm
Bremsen Shimano M6000 Scheibenbremsen, Belege: Shimano G02S
Lichtanlage v/h: B&M IQ2 Eyc / LED in Sattelstütze
Schaltung Singlespeed (1 Gang), Riemenantrieb
Rahmen Aluminium Alloy 6061, zweifach konifiziert (double butted)