Es war der 10. März, als die Bundesregierung vor die Presse trat und erste Corona-Maßnahmen ankündigte, die die Bevölkerung schon auf den wenige Tage später vollzogenen Lockdown des Landes einstimmten. Doch während viele das Ausmaß der bevorstehenden Änderungen des täglichen Lebens noch nicht wahrhaben wollten, zog die Eishockey-Liga als erste Sportart die Reißleine: Saison mitten im Viertelfinale beendet, Spiele ohne - oder mit der damaligen Beschränkung von 100 - Zuschauern undenkbar, hieß es. "Wir sehen es als unsere Pflicht, einen Beitrag zu leisten, um schnellstmöglich zur Normalität zurückkehren zu können", erklärte Liga-Geschäftsführer Christian Feichtinger damals.

Schritte zur Normalität gab es seither ebenso wie neuerliche Regierungspressekonferenzen einige. Doch dass Schritte nach vorne oft auch mit Schritten zurück verbunden sind, erlebt ganz Österreich angesichts wieder steigender Zahlen und neuer Maßnahmen aktuell. Und ausgerechnet in dieser Phase soll die Liga nun in die nächste Saison starten. Am Freitag stehen die Spiele der ersten Runde in der nunmehr den etwas sperrigen Namen tragenden bet-at-Home-Ice-Hockey-League (ICE) auf dem Programm. Doch dass der ICE ungebremst ins Fahren kommt, glauben derzeit nicht alle. Selbst Jochen Pildner-Steinburg, im Jänner gewählter und im Juli ins Amt gekommener Präsident der Liga, sagt unumwunden, dass es bei einem "Worst-Case-Szenario" gut sein könne, dass "der eine oder andere Verein die Patsch’n streckt und wir ihn verlieren". Der Worst Case, das wäre beispielsweise ein gänzliches Verbot von Zuschauern, deren Zahl derzeit vorbehaltlich der Genehmigung durch lokale Behörden auf maximal 1.500 begrenzt ist. Auch ein neuerlicher vorzeitiger Abbruch der Meisterschaft würde einigen Vereinen die Existenzgrundlage entziehen.

Dreigleisige Planung vonnöten

Dazu kommt die Unsicherheit durch eine mögliche Verschärfung der Reisebestimmungen, da die Liga mit acht Vereinen aus Österreich sowie je einem aus Italien (Bozen), aus Ungarn (Fehérvár) beziehungsweise der Slowakei (Bratislava) eine grenzüberschreitende ist. Die Slowaken ersetzen Znojmo, das wegen der Pandemie gleich ganz auf ein Antreten verzichtet. Man sei dabei in der Planung dreigleisig vorgegangen, wie Pildner-Steinburg erklärt: "Ein Szenario ist, wir spielen ab 25. September eine internationale Meisterschaft durch. Parallel wird überlegt, was passiert, wenn die Ausländer ausfallen, dann müssen wir zurückgehen und eine österreichische Liga spielen. Dann wurde ein Konzept aufgesetzt, was passiert, wenn das eine oder andere Spiel nicht gespielt werden kann, was haben wir für Ersatztermine? Und wir müssen natürlich planen - was wir natürlich überhaupt nicht wollen -, wenn überhaupt nicht gespielt werden kann?", sagt er im Gespräch mit der Austria Presse-Agentur.

Jochen Pildner-Steinburg kennt die Probleme. - © apa/H. Neubauer
Jochen Pildner-Steinburg kennt die Probleme. - © apa/H. Neubauer

Parallel arbeite man an Streaming-Lösungen, um Fans, die zu Hause bleiben müssen, mit möglichst viel Live-Eishockey zu versorgen. Im frei empfangbaren Fernsehen wird jedenfalls zumindest ein Live-Spiel pro Woche vom neuen Partner Puls 4 beziehungsweise Puls 24 übertragen, auf Sky gibt es ebenfalls Eishockey zu sehen. Die Einnahmenverluste werden allerdings auch mit neuem Medienpaket sowie neuem Hauptsponsor - bet-at-Home ersetzt nach 17 Jahren die Erste Bank - nicht zu kompensieren sein, Pildner-Steinburg rechnet mit 15 bis 30 Prozent. Wenn man der Krise etwas Positives abgewinnen kann, dann freilich, dass die Vereine gezwungenermaßen mehr auf den eigenen Nachwuchs setzen und dem Beispiel etwa der Vienna Capitals - die schon zuletzt von ihren lange praktizierten Usancen, mit möglichst vielen Legionären zu spielen, abgewichen sind - und des KAC folgen. Die Kärntner haben mit fünf Transferkartenspielern die wenigsten im Kader und beim Vorbereitungsturnier Red Bull Salute am Wochenende mit dem Sieg aufgetrumpft.

Weitreichende organisatorische und strukturelle Änderungen in der Liga, die sich Pildner-Steinburg noch im Jänner vorgenommen hat, sind derzeit aufgrund der sich seit jenem 10. März überschlagenden Ereignisse aber nicht in Sicht, räumt er ein. "Relativ wenig" sei vorerst von den Plänen übrig geblieben, vielmehr sei es um ein Konzept gegangen, die Liga überhaupt "ins Fahren zu bringen". Doch diese ICE-Fahrt wird wohl so oder so eine ins Ungewisse werden.