Dreimal hat er es probiert, dreimal ist nichts passiert - doch beim vierten Mal hat es für Jurij Rodionov Boom gemacht. Der 21-jährige Niederösterreicher hat sich erfolgreich durch die Qualifikation gekämpft und steht wie US-Open-Sieger Dominic Thiem und Dennis Novak im Herren-Hauptbewerb der French Open in Paris. Leidtragender war ein weiterer Österreicher: Sebastian Ofner musste sich seinem Landsmann in der letzten Runde der Qualifikation mit 4:6, 6:3, 3:6 geschlagen geben. Ausgerechnet Ofner könnte Rodionov nun als Vorbild dienen: Vor drei Jahren hat er bei seinem Grand-Slam-Debüt in Wimbledon überraschend die dritte Runde erreicht.

So weit wollte Rodionov am Freitag freilich noch nicht denken, für ihn gilt es zunächst erst einmal, das Geschehene zu verarbeiten. Vor allem das letzte Game habe ihn Nerven gekostet, gestand er. "Ich hatte ungefähr einen Puls von 220 die ganze Zeit", sagte der Mann. Doch mit der Verwandlung des ersten Matchballs bewies er, dass er nicht zu Unrecht den Ruf genießt, eben keine schwachen Nerven zu haben.

Denn Rodionovs Aufstieg kommt nicht von ungefähr. Schon in den vergangenen Jahren galt er als großes Talent und harter Arbeiter. In der jüngeren Vergangenheit einer von nur wenigen Österreichern, die regelmäßig bei Junioren-Grand-Slam-Turnieren im Einsatz war, auch Erfahrung im Daviscup hat er bereits gesammelt. Und seit er mit dem argentinischen Coach Javier Frana arbeitet, zu dem Wolfgang Thiem den Kontakt hergestellt hat, seien "viele Dinge in die richtige Schiene gelaufen". Nun gilt es, das auch eine Stufe weiter oben unter Beweis zu stellen. Der Gegner ist freilich ein äußerst schwieriger, Rodionov bekommt es mit dem erfahrenen Franzosen Jeremy Chardy zu tun. Doch schon bevor der Gegner feststand, meinte Rodionov: "Je besser der Gegner, desto stärker werde auch ich spielen."

Thiem: "Schlechter hätte es kaum sein können"

Auch Österreichs Aushängeschild Dominic Thiem hatte bei der Auslosung nicht unbedingt Glück. Er bekommt es schon in der ersten Runde mit dem Kroaten Marin Cilic zu tun. "Schlechter hätte es kaum kommen können", meinte der Weltranglistendritte, der dennoch freilich Favorit ist. Das jüngste Aufeinandertreffen der beiden endete zwar in New York mit einem Sieg des Österreichers in vier Sätzen, "aber da sind wir nur knapp an einem fünften vorbeigeschrammt", sagte er. Immerhin war es eine Etappe auf dem Weg zu seinem ersten Grand-Slam-Sieg. Auch er hat dafür vier Anläufe gebraucht - allerdings nach jenen in Paris in den beiden Vorjahren und heuer in Australien vier Finalanläufe.(art)