Gut ist es gegangen, auch wenn viel geschehen ist; zu viel, selbst nach den Geschmäckern der eingefleischtesten aller eingefleischten Fans des Basketballsports. Um Punkt sechs Uhr Nachmittag Ortszeit (elf Uhr abends MESZ) treffen sich morgen, Mittwoch, in Orlando, Florida, die Los Angeles Lakers mit der Miami Heat, im ersten von maximal sieben Spielen um den nordamerikanischen Weltmeistertitel. Die Paarung bringt gleich mehrere Premieren mit sich, nicht alle davon stellen sich Coronavirus-bedingt dar.

Davon abgesehen, dass sich diese Mannschaften in den NBA- Finalspielen bisher noch nie zuvor gegenüberstanden, haben die Lakers die Chance, einen historischen Rekord einzustellen: den jener Mannschaft mit den meisten Titeln überhaupt. Namentlich sind das jene 17, die die Boston Celtics seit der Liga-Gründung 1946 errangen. Laut den Buchmachern in Las Vegas gehen die Männer aus Südkalifornien dieses Unternehmen als Favoriten an, die Heat gelten als Außenseiter. Zu verdanken haben die Lakers diesen Status zuvorderst LeBron James, weil wem sonst.

Der 35-jährige Power Forward aus Akron, Ohio, steht persönlich zum sage und schreibe zehnten Mal in der Endspielserie. Vor ihm haben das nur Legenden wie Kareem Abdul-Jabbar (ebenfalls zehn Teilnahmen), Sam Jones (elf) und Bill Russell (zwölf) geschafft. Wobei die Zahlen diesbezüglich nicht die ganze Wahrheit erzählen, spielten letztere zwei doch in einer nicht wirklich vergleichbaren Ära - in den Fünfziger- und Sechzigerjahren - und immer fürs gleiche Team, die Celtics. James hingegen gelang das Kunststück nunmehr mit drei verschiedenen Mannschaften, die geographisch wie politisch quasi nicht weiter voneinander entfernt sein könnten: den Cleveland Cavaliers (mit denen er 2016 gewann), der Heat (Erfolge 2012, 2013) und jetzt eben mit den Lakers. Die Umstände, unter denen sein zehnter Finalauftritt stattfindet, hätten sich indes er wie seine Teamkameraden und Gegner beim Saisonstart im Oktober vergangenen Jahres wahrscheinlich nicht im Traum vorstellen können.

In der "Disney-Bubble" von Orlando

Wenn die Serie am Dienstag kommender Woche in ihr viertes Spiel geht, werden sie alle genau drei Monate an einem Ort verbracht haben: der in Orlando beheimateten, sogenannten "NBA Bubble", die ob ihres genauen Standorts auch "Disney Bubble" geheißen wird. Nämliche ist eine schwer bewachte, für die Öffentlichkeit unzugängliche Zone inmitten des Vergnügungsparks Disneyworld, die unter anderem den ESPN Wide World of Sports Complex beherbergt. Nachdem die reguläre Saison Anfang März Virus-bedingt pausieren musste und die Frage im Raum stand, ob sie überhaupt zu Ende gespielt werden kann, hatten sich NBA-Commissioner Adam Silver und die Teambesitzer zu einem radikalen Schritt entschlossen, der ein Investment von 170 Millionen Dollar erforderte: der Einrichtung besagter Bubble, innerhalb derer ab Mitte August der Wettbewerb wieder den Normalbetrieb aufnahm.

Normal war freilich schon damals nichts mehr. Von den insgesamt 30 NBA-Teams wurden nur jene 22 eingeladen, die entweder die Play-offs bereits gebucht oder zumindest noch Chancen auf die Teilnahme daran hatten. Die Spieler wurden seitdem kaserniert und quasi im Tagestakt auf Sars-CoV-2 getestet; eine Sonderstellung, die so wirklich nur in den USA vorstellbar ist. Während in Florida, einem republikanisch von Donald-Trump-Fan Ron DeSantis regierten Bundesstaat, bisher zehntausende Menschen an den Folgen einer Ansteckung erkrankten und starben, ging die NBA-Show in der Bubble unberührt weiter.

Die Spieler gänzlich von dem abzuschotten, was vor der Haustür von Disneyworld passierte, gelang den NBA-Managern trotzdem nicht. Als die Black-Lives-Matter-Bewegung Ende August wegen der Ereignisse von Kenosha, Wisconsin, wo Polizisten einem unbewaffneten Afroamerikaner namens Jacob Blake siebenmal in den Rücken schossen, neuen Auftrieb erfuhr, entschloss sich die Mehrheit der Spieler zum Streik. Erst nach der Konsultation von Ex-Präsident Barack Obama, selber ausgewiesener Basketballfan, durch eine von LeBron James angeführte Spieler-Abordnung kehrte in der Bubble wieder Ruhe ein. Als Ergebnis spielt James nun gegen das Team jenes Coaches, der ihm seine erste Meisterschaft 2012 ermöglichte.

Erik Spoelstra, dessen Trainer-Karriere einst beim damaligen deutschen Zweitligisten TuS Herten in Nordrhein-Westfalen ihren Ausgang nahm, gilt als einer der besten seiner Zunft und wird seine Stellung im amerikanischen Sport-Olymp auch dann nicht verlieren, wenn seine Heat die heurigen Endspiele vergeigt. Der 49-Jährige ist der erste Head Coach mit asiatischen Wurzeln - seine Familie kam einst von den Philippinen in die USA -, der in einer der vier großen US-Sportligen (neben Basketball Football, Baseball und Eishockey) einen Titel gewann. Sollte sich die Angelegenheit nicht binnen sechs Spielen erledigt haben, wird Game Seven am 13. Oktober stattfinden.