Nicht nur US-Präsident Donald Trump ist ein leidenschaftlicher Twitterant, viele seiner Anhänger sind da ähnlich – einem jungen Radsportler wurde dies nun zum Verhängnis. Weil sich Quinn Simmons, seines Zeichens Junioren-Weltmeister, auf der Plattform als Trump-Anhänger geoutet und eine Kritikerin des US-Präsidenten in den Augen seines Rennstalls Trek-Segafredo verhöhnt und beleidigt hat, wurde der 19-jährige US-Amerikaner nun bis auf weiteres suspendiert.

Konkreter Stein des Anstoßes war ein Trump-kritischer Tweet der niederländischen Rad-Journalistin Jose Been, der damit geendet hatte, dass Been mögliche Trump-Unterstützer nicht als Follower brauche. "Ihr könnt gehen." Dies beantwortete Simmons mit "Bye" und einem dunkelbraunen Wink-Emoji. Der Rennstall erklärte danach, dass man zwar hinter Meinungsvielfalt stehe, dass Simmons' Online-Äußerungen aber nicht mit den Werten des Teams übereinstimmen würden. Vielmehr seien sie "spalterisch, aufrührerisch und schädigend".

Im Internet gehen nun die Wogen hoch. Während einige den Rennstall ob der konsequenten Haltung bewundern, geht die Suspendierung vielen zu weit, auch der Journalistin selbst. Sie habe kaum schlafen können und fühle sich schrecklich, weil Simmons nun "seine geliebten Klassiker verpasse", schrieb Been zunächst auf Twitter. Nach wüsten Beschimpfungen und Drohungen von Simmons- und Trump-Fans sah sie sich aber gezwungen, ihren offiziellen Account offline zu stellen.

Nibali und die Jagd nach dem rosa Trikot

Die Diskussion kommt für Trek-Segafredo jedenfalls zum ungünstigsten Zeitpunkt. Am Samstag beginnt der Giro d’Italia und also der nächste große Höhepunkt des nach der Corona-Pause dicht gedrängten Radsport-Kalenders. Simmons war zwar ohnehin nicht nominiert, wird aber freilich auch zwischen Sizilien und Mailand Thema sein. Dabei wollte sich Trek-Segafredo eigentlich auf die Jagd auf das begehrte rosa Trikot konzentrieren.

Die Mannschaft wurde auf den Topstar Vincenzo Nibali maßgeschneidert, dessen erklärtes Ziel der dritte Gesamtsieg nach 2013 und 2016 ist. Verhindern will dies unter anderem Ex-Tour-de-France-Sieger Thomas Geraint, der von seinem Ineos-Team bei der Tour de France noch geschont worden war, um in Italien in Topform zu sein.

Österreich ist auf dem Berg- und Talkurs durch Patrick Konrad, Patrick Gamper (beide Bora), Matthias Brändle (Team Israel) und Hermann Pernsteiner (Bahrain-McLaren) vertreten.