Er ist 19 Jahre alt und Österreichs größtes Eishockey-Talent. In der Nacht auf Mittwoch erfährt Marco Rossi, für wen er in der kommenden Saison auf dem Eis stehen wird. Beim Draft für die nordamerikanische Hockey-Liga NHL wird der Vorarlberger an einer der Top-Positionen gehandelt. Und das nicht ohne Grund: Als einer von nur bisher zwei europäischen Import-Spielern wurde er in der kanadischen Junioren-Hockey-Liga mit der "Red-Tilson-Trophy" für den besten Spieler ausgezeichnet, er war damit in der Corona-bedingt unterbrochenen Liga offiziell der beste Spieler der Saison. Die Experten lobten ihn als "cleverstern Spieler", als "besten Spielmacher" und "Nummer eins im Penaltyschießen".

Die Lobeshymnen kommen nicht von ungefahr: Rossi war schon von Jugend an mit dem Eishockey-Sport konfrontiert, sein Vater Michael selbst Profi. Heute sagt dieser, er selbst sei "von einem gesunden Ehrgeiz" getrieben gewesen, sein Sohn aber von einem "verrückten Ehrgeiz".

Dieser hat Marco Rossi nun zu einem NHL-Kandidaten gemacht, und seine beiden Schwestern können dies kaum glauben. Schließlich ist Rossi in der Familie kein Selbstdarsteller, sondern jemand, der "Bitte" und "Danke" sagen gelernt hat, wie sein Vater in einem Beitrag für den "Standard" betont. James Boyd, General Manager seines bisherigen Vereins Ottawa 67s, weiß wahre Wunderdinge von Rossi zu berichten: "Er ist ein phänomenaler Spieler. Einfach phänomenal. Vielleicht bin ich voreingenommen, aber für mich ist er der beste Spieler der Liga. Er ist davon besessen, besser zu werden. Andere sind auch interessiert daran, aber er ist besessen davon", wurde Boyd auf theathletic.com zitiert.

Boyd vergleicht Rossi nicht nur mit Thomas Vanek, Österreichs Eishockey-Pionier, der heuer seine Karriere für beendet erklärt hat, sondern mit anderen, noch größeren Größen des Sports: "Wenn ich ihm sage, er soll ein Pfund Sonnenblumenkerne essen, weil es ihm in die NHL hilft, würde er es tun. Man hat solche Dinge von Sid Crosby und Shea Weber gehört, als sie Junioren waren. Ich sehe diese Dinge genauso bei Marco. Nichts wird ihn stoppen."

Das will Rossi nun in der stärksten Liga der Welt unter Beweis stellen. Er ist der erste Österreicher nach Michael Grabner und Andreas Nödl, der gedraftet wird. Thomas Vaneks Fußspuren sind freilich groß für ihn. Doch derweil scheint es, als wären die Fußstapfen kein Hemmschuh für einen der talentiertesten Eishockey-Spieler Österreichs.