Österreichs Sportstadien werden in den nächsten Wochen noch leerer sein. Die Bundesregierung hat bei ihrer Pressekonferenz am Montag die erlaubten Besucherzahlen bei Veranstaltungen drastisch zurückgestutzt. Ab Freitag dürfen maximal 1.500 (zuvor 3.000) Zuschauer etwa zu Outdoor-Sportevents mit fixem Sitzplatz, in geschlossenen Räumen sind höchstens 1.000 Besucher (statt 1.500) erlaubt.

Die Vereine der Fußball-Bundesliga und der Eishockey-Liga sind davon hierzulande besonders betroffen. Auch die Planungen des ab dem Wochenende stattfindenden Tennisturniers in der Wiener Stadthalle werden unmittelbar über den Haufen geworfen. Das Angebot vor Ort wird spartanisch: Speisen und Getränke dürfen nicht mehr ausgegeben werden, zudem gilt für die gesamte Veranstaltungsdauer die Maskenpflicht - auch auf dem zugewiesenen Platz.

Europacup-Woche noch nicht betroffen

Die Verschärfung trifft noch nicht das Champions-League-Spiel zwischen Salzburg und Lok Moskau am Mittwoch sowie das Europa-League-Spiel zwischen Rapid Wien und Arsenal am Donnerstag. Das große Highlight von Fußball-Meister Salzburg, das Heimspiel in der Champions League gegen Titelverteidiger Bayern München, findet am 3. November allerdings vor höchstens 1.500 Fans statt.

Im Amateurbereich soll in puncto Sportausübung vorerst Corona-"Business as usual" gelten. Die für die Sportart notwendige Teilnehmerzahl - im Fußball etwa 11 plus 11 plus Reservespieler und notwendiges Personal (Trainer, Betreuer, Schiedsrichter etc.) - ist erlaubt. "Der aktive Sport soll weiter aufrecht bleiben", betonte der zuständige Fachminister Werner Kogler (Grüne).

Das gilt weiter auch für Profi-Sportveranstaltungen mit einem entsprechenden Präventionskonzept. Hier sind in geschlossenen Räumen mit bis zu 100 und im Freiluftbereich mit bis zu 200 Sportlern zuzüglich der Trainer, Betreuer und sonstigen Personen, die für die Durchführung der Veranstaltung erforderlich sind, zugelassen.

Niessl sieht Verschärfung skeptisch

Sport-Austria-Präsident Hans Niessl betonte in einer Aussendung, er sehe andere Möglichkeiten, als Zuschauer- und Teilnehmerzahlen zu limitieren, verwies etwa auf die Weiterentwicklung von Präventionskonzepten und rief alle Beteiligten zur Disziplin auf. Offene Kritik an der Verschärfung der Maßnahmen äußerte er nicht, hakte aber bei bestimmten Punkten ein. "Maßnahmen, die es den Vereinen immer schwieriger machen, der Bevölkerung Sport anzubieten, führen in weiterer Folge zu Bewegungsmangel. Das kann nicht das Ziel der Bundesregierung sein", erklärte der frühere SPÖ-Politiker.

 

Sport-Austria-Präsident Hans Niessl sieht andere Möglichkeiten als die Limitierung von Zuschauer- und Teilnehmerzahlen. Offene Kritik gab es aber nicht. - © APAweb / Herbert Pfarrhofer
Sport-Austria-Präsident Hans Niessl sieht andere Möglichkeiten als die Limitierung von Zuschauer- und Teilnehmerzahlen. Offene Kritik gab es aber nicht. - © APAweb / Herbert Pfarrhofer

"Maßnahmen, die Menschen mehr und mehr in den privaten Wohnbereich zurückdrängen, können ebenso kontraproduktiv sein. Dann schauen sich die Menschen Sport eben in Gruppen im Fernsehen an: unkontrolliert in engen, geschlossenen Räumen statt auf Sportstätten, wo sie präventiven Regeln unterliegen und wo vor allem outdoor nur ein sehr geringes Ansteckungsrisiko vorhanden ist."

Niessl forderte daher, die "Präventionskonzepte unter wissenschaftlicher Begleitung laufend zu adaptieren, anstatt TeilnehmerInnen- und ZuseherInnenzahlen immer stärker zu limitieren". Dies geschehe laut den jüngsten Beschlüssen noch dazu ohne Relation zum jeweiligen Fassungsvermögen. (apa/red)