Corona-Pandemie hin, Wirtschaftskrise und Präsidentschaftswahl-Chaos her: Am Sonntagabend leuchtete der Himmel über Los Angeles in allen Farben, und das schon das zweite Mal binnen einer Woche. Am 11. Tag des Monats hatten die Basketballer von den Lakers unter der Führung von Veteran LeBron James den ersten NBA-Titel seit zehn Jahren eingefahren. Als Dank gingen über der südkalifornischen Metropole die Feuerwerke auf und nieder, und das Rathaus in Downtown strahlte die nächsten paar Tage in den Klubfarben Lila und Gelb. Dem Glück nicht genug, schafften es genau eine Woche später ihre Kollegen vom Baseball quasi am letzten Abdruck in die Endspielserie der nordamerikanischen Baseball-Weltmeisterschaft.

In einem dramatischen Aufeinandertreffen bogen die Dodgers im Rahmen von Game 7 die Atlanta Braves im Kampf um die National League Championship (NLCS, 4:3) und machten damit den Einzug in die World Series 2020 fix. Angesichts der Tatsache, dass sie nach Siegen schon 1:3 hinten waren, alles andere als eine Kleinigkeit. Verschnaufpause bekommen sie trotzdem keine. Bereits in der Nacht auf Mittwoch steigt in Arlington, Texas, das erste von maximal sieben Endspielen.

Der neue Gegner der Dodgers kommt vom anderen Ende des Kontinents, namentlich aus Florida. Die Tampa Bay Rays hatten es trotz eines zeitweiligen 3:0-Vorsprungs an Siegen am Ende auch nur mit Ach und Krach in die Endspielserie geschafft. Wie die Braves hatten sich auch die Houston Astros erst im siebenten Spiel geschlagen gegeben. Inwiefern sich die Tatsache, dass die heurige World Series Corona-bedingt an einem neutralen Austragungsort - ansonsten tummeln sich am Globe Life Field die Texas Rangers - und mit nur einer begrenzten Zahl an Zuschauern stattfindet, auf die Leistungen ihrer Protagonisten auswirken wird, steht in den Sternen.

Lange Durststrecke der Dodgers

Das letzte Mal, dass alle Spiele einer Baseball-Finalserie in einem Stadion stattfanden, ereignete sich anno 1944, und das nicht, wie man angesichts der Jahreszahl meinen könnte, kriegsbedingt. Der Umstand, dass man seinerzeit ebenfalls mit nur einer Spielstätte auskam, ergab sich aus der simplen Tatsache, dass sich damals mit den (bis heute unter diesem Namen bestehenden) St. Louis Cardinals und den (heute nicht mehr existierenden) St. Louis Browns zwei Mannschaften aus der gleichen Stadt qualifiziert hatten, die sich das gleiche Stadion teilten.

In puncto Erfahrung mit Endspielen sind die Dodgers an und für sich klar im Vorteil. Sie finden sich jetzt zum dritten Mal in den vergangenen vier Jahren eben darin wieder und zum 21. Mal überhaupt, seit es die Major League Baseball (MLB) in der heutigen Form gibt. Garantie für den Erfolg ist das trotzdem keine. Auf den ganz großen, der das Rathaus wieder in Dodgers-Blau erstrahlen lassen soll, wartet die Stadt der Engel mittlerweile seit sage und schreibe 1988. Vor drei Jahren machte ihr die Houston Astros einen Strich durch die Rechnung (wiewohl dieser Titel für die Texaner in Wahrheit nicht gilt, weil sie in besagter Saison ausreichend betrogen haben, Stichwort "Sign-Stealing"-Skandal). 2018 scheiterten die Dodgers an den Boston Red Sox.

Die ungleich weniger erfolg- wie traditionsreichen Rays - nicht wirklich ihre Schuld, sie wurden erst Mitte der Neunzigerjahre als Devil Rays gegründet - stehen dagegen erst zum zweiten Mal nach 2008 in der World Series. Verloren sie bei ihrem ersten Antreten relativ sang- und klanglos gegen die Philadelphia Phillies, versprechen sie ihren heutigen Kontrahenten deutlich mehr Schwierigkeiten zu machen. Während der regulären Saison gewann in der American League niemand so viele Spiele wie sie (40:20), und bis zu ihrem Zusammentreffen mit den Astros hatten sie auch ihre Play-off-Aufgaben allesamt mit Bravour erledigt. Eine bemerkenswerte Leistung eingedenk des Faktums, dass Tampa laut dem Fachblatt "Sporting News" mit 70 Millionen Dollar in der Gehalts-Rangliste nur an 28. Stelle aller 30 MLB-Teams steht. Zum Vergleich: Die Dodgers, die hinter den New York Yankees über das zweithöchste Teambudget verfügen, zahlen den Spielern im Kader von Dave Roberts insgesamt dreimal so viel. Entsprechend ist die Arbeit seines Gegenübers Kevin Cash nicht hoch genug einzuschätzen.

Der erst 42 Jahre alte Chefcoach und ehemalige Catcher (unter anderem Red Sox und Yankees) hat die Rays in den sechs Jahren, seit denen er in Florida das Ruder übernommen hat, zu einem World-Series-Team geformt - ein wahres Kunststück angesichts der Hürden, die eine Mannschaft aus einem vergleichsweise kleinen Markt wie Tampa jede Saison aufs Neue nehmen muss. Sollte sich die Sache in die Länge ziehen und ein siebenten Spiel nötig machen, ist nämliches für den 28. Oktober anberaumt.