Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton startet am Sonntag (14.10 Uhr MEZ/live ORF 1, RTL und Sky) in Portimao von der Pole Position in den Grand Prix von Portugal. Der Mercedes-Star erzielte am Samstag in 1:16,652 Minuten zum bereits 97. Mal in seiner Karriere Bestzeit im Qualifying. Dahinter folgte sein Teamkollege Valtteri Bottas (+0,102 Sek.) auf Platz zwei, Max Verstappen (+0,252) wurde im Red Bull Dritter. Rätsel gaben dabei vor allem die Reifen auf.

Denn im Gegensatz zum Spitzenduo, das im Pole-Kampf überraschend auf die gelben Medium-Pneus setzte, war der Niederländer auf der weicheren und eigentlich schnelleren roten Gummimischung unterwegs. "Wir haben uns am Ende für den Medium entschieden, weil der etwas schneller als der Soft sein dürfte", erklärte Bottas noch im ersten Interview auf der Rennstrecke.

Im Gegensatz zu Hamilton entschied sich der Finne allerdings im Finish nur für eine schnelle Runde, obwohl mit der gelben Mischung sogar zwei hintereinander möglich waren. "Die Entscheidung von Lewis, eine Runde mehr zu fahren, war besser", gestand Bottas, der bis dahin Bestzeit in allen Trainings sowie in den ersten beiden Quali-Abschnitten erzielt hatte.

Weniger Spritmenge

Durch die Extrarunde wurde bei Hamilton nicht nur die Reifentemperatur besser, sondern auch die Spritmenge in seinem Auto weniger. Und somit fuhr der WM-Leader, der bereits 69 Punkte Vorsprung auf Bottas hat, noch in letzter Sekunde auf Platz eins. "Es war sehr hart heute. Wir haben natürlich ein gutes Auto, aber du musst erst einmal das Beste aus diesem rausholen. Und dazu war Valtteri so stark", betonte Hamilton.

"Ich habe alles probiert, damit ich diese fehlenden Hundertstelsekunden auf ihn finde. Dass ich am Ende eine Runde mehr gefahren bin, hat es ausgemacht, denn ich bin mit jeder Runde besser geworden", erklärte der sechsfache Champion, für den die 4,653 Kilometer lange Strecke an der Algarve "Hardcore" ist. "Du sieht oft nicht, wo du hinfährst, du fährst blinde Kurven. Dazu ist es schwierig, die Bremspunkte zu finden. Das ist eine der herausforderndsten Strecken, die ich gefahren bin."

Dazu komme auch noch der Asphalt, der auch "ganz anders" als auf bisherigen Strecken in dieser Saison sei, nämlich "sehr sanft", so Hamilton. "Da brauchen die Reifen länger, damit sie richtig arbeiten. Und das macht es so schwierig. Oft ist der Vorderreifen im richtigen Temperaturfenster, aber der Hinterreifen nicht - und umgekehrt. Und manchmal funktionieren die Reifen überhaupt nicht."

Auch Verstappen, der als WM-Dritter bereits 83 Punkte hinter Hamilton liegt, rätselte. "Es ist schwierig, hier die Vorder- und Hinterreifen auf dieselbe Temperatur zu bringen. Aber ich hoffe, dass wir morgen nahe dran sein werden", meinte der 23-Jährige. "Wir haben jedoch wenig Informationen, wie sich die Reifen im Longrun verhalten werden."

Das Qualifying hatte erst mit halbstündiger Verspätung begonnen. Grund für die Verzögerung waren Reparaturarbeiten in Kurve 14 auf dem Autodromo Internacional do Algarve. In dieser hatte der Ferrari von Sebastian Vettel im dritten freien Training einen Kanaldeckel aus der Verankerung am Streckenrand gelöst. Deshalb wurde diese Abflussabdeckung kurzerhand zubetoniert, um weitere Gefahrensituationen und Verzögerungen zu vermeiden.

Während Verstappen erneut als einziger Pilot mit den beiden Mercedes-Piloten mithalten konnte, musste sich Alexander Albon im zweiten Red Bull mit Rang sechs begnügen. Mehr als eine halbe Sekunde fehlte ihm auf den Teamkollegen. Red-Bull-Teamchef Christian Horner hatte dem Thailänder aber schon zuvor wieder einmal die Rute ins Fenster gestellt.

Albon, der als WM-Siebenter bisher nur 64 Punkte und eine einzige Podestplatzierung mit Rang drei in Mugello erreicht hat, müsse bis Saisonende "rechtfertigen, dass keine andere Alternative als Alex" für das zweite Cockpit neben Verstappen beim österreichisch-britischen Rennstall für 2021 infrage komme. "Wir brauchen zwei Auto näher beieinander, um gegen Mercedes zu kämpfen", forderte Horner.

Einen neuerlichen Fahrerwechsel zwischen den Schwesternteams Red Bull und AlphaTauri schloss der Engländer dezidiert aus, obwohl sich Pierre Gasly Anfang September mit seinem Sieg in Monza klar empfohlen hatte. Der Franzose war erst im Vorjahr im Tausch mit Albon "degradiert" worden. "Wir bevorzugen natürlich Alex, aber wenn wir eine andere Lösung finden müssen, müssten wir klarerweise außerhalb des Red-Bull-Pools von Fahrern nach dieser suchen." Somit könnten etwa auch der Deutsche Nico Hülkenberg oder der Mexikaner Sergio Perez im nächsten Jahr für Red Bull die WM bestreiten. (apa)