Einen seiner bisher größten Siege hat Lewis Hamilton mit seinen Liebsten zelebriert. "Mein Vater ist hier, was toll ist, meine Stiefmutter Linda ist da, und auch Roscoe (Bulldogge, Anm.). Ich fühle mich wirklich gesegnet", sagte der Brite nach seinem 92. Formel-1-Erfolg in Portimao. Hamilton war sich der Dimension des Ereignisses sehr wohl bewusst, doch im Moment verharren mochte er nicht. Die Zukunft verdrängte in seinen Gedanken bald einmal Vergangenheit und Gegenwart.

"Ich hatte damals keine Kristallkugel, als ich dieses Team ausgewählt habe und mich diesen großartigen Menschen angeschlossen habe. Was ich sagen kann, ist, dass ich versuche, das Beste aus jedem einzelnen Tag zu machen", sinnierte Hamilton über seinen Rennstall Mercedes und seine Grundmotivation. "Bei allem, was wir machen, ziehen wir an einem Strang. Nur deshalb gibt es den Erfolg, den wir haben."

Am Ende seiner Mission sieht sich Hamilton aber noch lange nicht. "Ich habe immer noch das Gefühl, mich steigern zu können", sagte der 35-Jährige, der seit seiner Machtdemonstration am Sonntag in Portugal alleiniger Formel-1-Rekordhalter ist, was die Anzahl der Siege betrifft. Noch-Rekordchampion Michael Schumacher brachte es auf dem Weg zu sieben WM-Titeln auf 91 Siege.

Mercedes wird seinen Star über das laufende Jahr hinaus den roten Teppich ausrollen. Die Motor-Weiterentwicklung steht zunächst bis Ende 2021 weitgehend still, auch für die Zeit danach ist ein Einfrieren des aktuellen Reglements im Gespräch. Falls es tatsächlich so kommt, wäre der Boden für viele weitere Mercedes-Siege bereitet, da die Silbernen die beste Power Unit in der Branche haben. Ein solcher "Engine Freeze" könnte übrigens auch Red Bull ermöglichen, weiter auf die derzeit benutzten Honda-Motoren zu setzen und nicht in Abhängigkeit eines der Konkurrenten Renault, Ferrari und Mercedes zu geraten.

"Es ist eine Ehre für mich, Teil dieser Truppe zu sein, und ich bin dankbar für all die magischen Momente, die ich mit ihr erleben durfte", meinte Hamilton. Die Verlängerung des am Ende der Saison auslaufenden Vertrages betrachten der Brite und seine Vorgesetzten als Formsache. Er selbst nennt als Grund für die noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen die volle Konzentration auf seine Arbeit. "Ich möchte meinen Job so gut wie möglich erledigen. Alles andere muss warten. Wenn die Zeit gekommen ist, werden wir uns zusammensetzen und die Sache besprechen."

Teamchef Toto Wolff, Hamiltons engste Bezugsperson bei seinem Arbeitgeber, hebt als Erklärung für das Zuwarten auch vermehrt die schwierige Situation wegen der Covid-19-Pandemie hervor. "Jeder lebt zur Zeit in seiner eigenen Blase. Das macht Gespräche nicht einfach", sagte der Wiener. Ein von Hamilton vorgeschlagenes Treffen in der vergangenen Woche in Monte Carlo schlug Wolff mit dem Hinweis auf die gegebenen Umstände aus.

Das nächste große Ziel ist für Hamilton jetzt der WM-Titel, der bereits zum Greifen nahe ist. Als Führender in der Gesamtwertung baute er seinen Vorsprung auf seinen zweitplatzierten Stallrivalen Valtteri Bottas, den Fahrer im Auto mit der Nummer 77, bei fünf ausstehenden Grands Prix auf 77 Punkte aus. Zweifel über den Gewinn des siebenten WM-Titels und die Einstellung des anderen prestigeträchtigen Rekords Schumachers gibt es keine mehr.

Setzt sich beim WM-Spitzenreiter und Bottas jeweils der Punkteschnitt der vergangenen Wochen fort, würde Hamiltons Krönung am wahrscheinlichsten bei einem der Rennen im Königreich Bahrain erfolgen. Das erste findet in Sachir am 29. November statt, das zweite am 6. Dezember. Wie auch immer, der nächste magische Moment für Hamilton und Mercedes ist nur noch eine Frage der Zeit. (apa,sda,reuters)