In Texas wurde gespielt, doch mehr als 1700 Kilometer Luftlinie weiter westlich hing in dieser Nacht der Himmel voller Geigen, oder besser: Engelsharfen. Denn Los Angeles feierte mit den Dodgers den Titel in der Major League Baseball. Im sechsten Spiel der World Series setzte sich die Mannschaft auf dem Globe Life Field in Arlington gegen die Tampa Bay Rays mit 3:1 durch und gewann die Best-of-Seven-Serie damit mit 4:2.

Einziger Wermutstropfen war, dass der Third Baseman Justin Turner nicht mit dem Team feiern konnte. Er hatte einen positiven Sars-CoV-2-Test abgegeben. Es sei "bittersüß", dass die Saison so enden musste, stellte Major-League-Baseball-Commissioner Rob Manfred danach fest – doch es illustriert auch gut die Achterbahnfahrt der Gefühle, die die Liga heuer durchmachte: Zunächst musste der Saisonstart aufgrund der Pandemie lange verschoben werden, dann wurde über die Aufteilung der empfindlich geschmälerten Finanzen gestritten, und als es dann endlich losging, hätten positive Coronavirus-Tests im Sommer beinahe zu einem Abbruch geführt.

Gefeiert wurde freilich auch auf dem Globe Life Field in Arlington. - © APAweb / USA Today Sports, Kevin Jairai
Gefeiert wurde freilich auch auf dem Globe Life Field in Arlington. - © APAweb / USA Today Sports, Kevin Jairai

Nun musste die komplette World-Series in der Blase von Arlington vor einer limitierten Anzahl von Zusehern und ohne Heimfans ausgetragen werden. Doch auch unter diesen Umständen wurden die Dodgers ihrem Favoritenstatus gerecht, wenngleich der letzte Schritt zum Gewinn der Serie ein hartes Stück Arbeit war. Tampa Bay unterstrich zu Beginn seine Comeback-Qualitäten. Randy Arozarena baute mit seinem zehnten Play-off-Homerun seinen Rookie-Rekord aus und besorgte so die frühe Führung für die Rays. Doch im siebenten Inning drehten die Dodgers innerhalb weniger Minuten die Partie. Für die Entscheidung sorgte Mookie Betts mit einem Homerun im achten Inning. Betts war vor dieser Saison von den Boston Red Sox, mit denen er vor zwei Jahren im Finale die Dodgers bezwungen hatte, nach Los Angeles gewechselt.


Los Angeles feierte heuer doppelt

Dort war den Menschen trotz der Entfernung zum Feiern zumute. Binnen weniger Wochen hat nun nach den Lakers im Basketball schon die zweite Sportmannschaft einen bedeutenden Titel in die Stadt der Engel geholt. Und wie bei den Lakers, die mit der 17. NBA-Meisterschaft einen Rekord egalisierten, war es ein besonderer. Denn seit 1988 haben die Dodgers, die es zuletzt acht Mal in die Play-offs und zum dritten Mal binnen vier Jahren in die World Series schafften, nun schon auf diesen Moment gewartet. Nun wurde es der insgesamt siebente Streich für die Dodgers, der sechste seit ihrer Übersiedelung nach Los Angeles im Jahr 1958. "Wir haben viel durchgemacht. Jetzt ist es ein unglaubliches Gefühl, mit diesen Burschen zu feiern", sagte Outfielder Cody Bellinger. "Dieser Sieg ist für unsere Fans. Vielen Dank Los Angeles, vielen Dank an die Dodgers-Fans überall. Es ist 32 lange Jahre her, dass wir das letzte Mal als Meister gefeiert wurden. Diese Trophäe ist für die größten Fans in der Major League Baseball", unterstrich Team-Eigentümer Mark Walter.

Damit haben nun die Major League Baseball, die National Basketball Association und die National Hockey League – wo der Titel wiederum an Tampa Bay Lightning ging – ihre Spielzeiten doch noch mit Ach und Krach über die Bühne gebracht, in der National Football League sowie der Major League Soccer ist die Saison noch im Gang. Dennoch rechnet der US-Sport mit einem Verlust in Milliardenhöhe, der auch für die kommenden Jahre noch zu Differenzen zwischen Teameignern, Ligen und Spielervertretern führen könnte. In dieser Dienstagnacht spielte all das freilich keine Rolle. Gefeiert wurde trotzdem – zumindest in Los Angeles.