Es war ein wahrer Zauberschlag, der die Ouvertüre zum Golf-Masters in Augusta gab, und insofern passt es auch ganz gut. Denn ein Hauch von Magie ist das, was nicht nur, aber halt auch der Sport in Zeiten wie diesen dringend benötigt. Am Donnerstag beginnt in Augusta das prestigeträchtigste der Major-Turniere, das aufgrund der Pandemie von April verschoben werden musste. Doch nicht nur der Termin ist neu, ungewohnt für die Elite des Golfsports ist vor allem, dass sich weder Reich, Schön, noch Otto-Normal-Golf-Fan an der Magnolia Lane einfinden darf. "Normalerweise tummeln sich hier schon an Trainingstagen 50.000 Zuschauer", sagt Bernd Wiesberger, Österreichs einziger Beitrag bei dem mit 11,5 Millionen Dollar dotierten Turnier.

Doch weil die Zuseher nicht hier sein können, sind sie es zumindest im Internet. Und da bekamen sie schon am Mittwoch einen ersten Vorgeschmack auf das, was die besten Golfer dieser Zeit in den kommenden Tagen auf dem Augusta National in Georgia abliefern wollen. Denn Spaniens Jungstar Jon Rahm, zwischenzeitlich auch die Nummer eins der Weltrangliste, hat schon vor dem offiziellen Start der 84. Auflage einen Paukenschlag und Hit im Netz gleichermaßen geliefert. Der Weltranglisten-Zweite ließ im Training seinen Ball mit dreimaligem Aufsetzen über den Teich an der 16. Spielbahn tanzen, dann hüpfte die kleine weiße Kugel auf das Grün und rollte anschließend wie von Zauberhand ins Loch.
Es war ein besonderes Ass - und das an Rahms 26. Geburtstag. "Zweites Hole in one in zwei Tagen - Alles Gute zum Geburtstag für mich!", schrieb der Spanier über den Clip auf Twitter.

Auch das Masters-Turnier teilte die Szene, die dort binnen weniger Stunden mehr als elf Millionen Mal angeschaut wurde. Vor dem Masters-Turnier gehört es für die Spieler zum Ritual, den Ball im Training über den See hüpfen zu lassen.

Im Turnier freilich wird das Rahm wenig nützen, die Karten werden wieder völlig neu gemischt. Auch Titelverteidiger Tiger Woods, der im Vorjahr sein vielbeachtetes Comeback mit dem Gewinn des Green Jacketts für den Augusta-Sieger krönte, zählt nicht unbedingt zu den Top-Favoriten. Doch in einer Saison, die ohnehin anders als alle bisherigen verläuft, zählen Prognosen freilich noch weniger als sonst.

Das will sich auch Wiesberger zunutze machen, der als bestes Augusta-Ergebnis - das Masters ist das einzige Major-Turnier, das stets an derselben Stelle ausgespielt wird - einen 22. Platz von seinem Debüt im Jahr 2015 vorzuweisen hat. Das Abschneiden in den Jahren darauf war durchwachsen, im Vorjahr konnte er aufgrund der Folgen einer Handgelenks-Operation nicht teilnehmen. "Ich fühle mich sehr wohl am Augusta National und habe das Gefühl, dass mir der Platz gut liegt. Ich glaube auch, dass mein Spiel in den letzten Jahren hier besser war, als die Ergebnisse zeigen", sagt der 35-Jährige, der auch für das Debüt eines Österreichers überhaupt bei dem Turnier gesorgt hatte.

Bei seinem fünften Antreten kann er schon auf etwas Erfahrung zurückgreifen und weiß, worauf es ankommen wird: "Hier ist es besonders wichtig, die Ondulierungen des Platzes zu kennen und die richtigen Distanzen zu treffen. Ein guter Schlag, aber ein Meter zu weit, zu kurz, links oder rechts, kann dich schon in Schwierigkeiten bringen", sagt der Burgenländer. Sollte das in den kommenden Tagen nicht passieren, ist trotz einer nicht allzu guten Saison auch für ihn einiges möglich - und das wäre dann wohl auch für Österreichs Golfsport ein kleines bisschen magisch.(art/apa)