Manchmal ist es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn keine Zuseher in der Halle sind. Dieses "Manchmal" war für Österreichs der Weltrangliste nach beste Tennisspielerin, Barbara Haas, am Mittwoch gekommen. Mit 0:6, 0:6 musste sich die Oberösterreicherin beim Damen-Tennis-Turnier in Linz ihrer Gegnerin, der Russin Veronika Kudermetowa, geschlagen geben. Damit ist in Linz keine einzige Lokalmatadorin mehr vertreten, nachdem Julia Grabher in der ersten Runde wegen einer Knöchelverletzung aufgeben musste und es auch im Doppel kein Erfolgserlebnis gab.

Während Österreichs Herren-Tennis vorwiegend durch Dominic Thiem, aber auch durch aufstrebende Spieler wie Jurij Rodionov heuer positive Schlagzeilen schrieb, traten die Frauen heuer wieder einmal auf der Stelle. Haas ist als Nummer 146 der Weltrangliste die unangefochtene Nummer eins, Grabher folgt ihr auf Nummer 225 - danach herrscht bis nach Nummer 500 Flaute. Überbewerten will man diese Tatsache aber nicht, immerhin konnte Haas heuer auch Achtungserfolge erzielen, war im Hauptbewerb der US Open und der French Open vertreten. Auch ihr Aus in Linz nahm die Lokalmatadorin zwar "enttäuscht", aber realistisch zur Kenntnis. "Es gibt Schlimmeres im Leben, da muss man schon auch die Kirche im Dorf lassen", sagte die 24-Jährige, die sich nun voll auf die kommende Saison konzentrieren will. Weitere Grand-Slam-Teilnahmen sind das Ziel, eine Verbesserung in der Weltrangliste - verbunden damit, bei größeren Turnieren nicht immer durch die Qualifikationsmühlen zu müssen - gehört ebenso dazu.

Einer, der schon längst über diesen Status hinaus ist, ist Dominic Thiem. Und während für Haas die Saison nun enttäuschend endete ("Es war ein rabenschwarzer Tag"), steht der Nummer eins bei den heimischen Herren der abschließende Jahres-Höhepunkt noch bevor. Beim World-Tour-Finale in London misst er sich schon zum fünften Mal hintereinander mit den Allerbesten der Szene, zu denen er längst auch dazu gehört.

Am Donnerstag (nach Redaktionsschluss) erfuhr Thiem seine Auslosung für die Gruppenphase, einen großen Unterschied mache das aber nicht aus, haben er und sein Manager Herwig Straka bereits im Vorfeld betont. "Einer ist mehr Favorit als die anderen", sagt Straka angesichts des Feldes, das vom fünffachen Sieger Novak Djokovic - ein Titel fehlt noch auf den Rekord von Roger Federer -, vom 20-fachen Grand-Slam-Triumphator Rafael Nadal (wiewohl er noch nie beim Tour-Finale gewonnen hat) angeführt wird und auch sonst Spitzenathleten wie Daniil Medwedew, Wien-Sieger Andrej Rublew, Sascha Zverev oder eben auch Thiem im Feld hat. Letzterer hatte in Wien mit einer Fußsohlenverletzung - quasi die Achillesferse Thiems - zu kämpfen, ist aber vor dem letzten saisonalen Höhepunkt wieder topfit und nach seiner Ehrung als Österreichs Sportler des Jahres bis in die Haarspitzen motiviert. Im Vorjahr erreichte er in London immerhin das Finale, das er haarscharf gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas verlor. Die Erfahrung habe Thiem aber stärker gemacht, ist Straka überzeugt - und noch ein weiterer Faktor könnte zur Motivation beitragen: Denn auch Jürgen Melzer, lange Zeit Thiems Vorgänger als bester österreichischer Tennisspieler, hat zum Ausklang seiner Karriere gute Chancen, noch einmal beim Abschlussturnier dabeizusein. Gemeinsam mit Edouard Roger-Vasselin kämpft er am Freitag um das letzte Ticket im Doppelbewerb. Es wäre Melzers drittes Antreten. Es muss schließlich nicht alles rabenschwarz sein in Österreichs Tennis.(art)