Dass Dominic Thiem gerade im Tiebreak seine größte Stärke beweisen kann, ist nicht erst seit den US Open allgemein bekannt. Diese Stärke vermochte er nun auch bei seinem zweiten Spiel bei den ATP-Finals am Dienstag in London gegen den großen Rafael Nadal (Sp) auszuspielen. Der Österreicher rang Nadal nach 2:26 Stunden mit 7:6 und 7:6 nieder und steht damit im Halbfinale. In der Parallelpartie in der Gruppe unterlag nämlich der Russe Andrej Rublew dem griechischen Titelverteidiger Stefanos Tsitsipas 1:6,4:6,6:7(6) und machte damit den Weg frei für Thiem. Während US-Open-Champion Thiem damit nicht mehr von den ersten beiden Plätzen verdrängt werden kann und zum Abschluss der Gruppe "London 2020" am Donnerstag gegen Rublew keinen Druck mehr hat, benötigt Nadal ebenfalls am Donnerstag gegen Tsitsipas einen Sieg, um ins Halbfinale vorzustoßen. Für Thiem war es im 15. Duell mit der spanischen Tennis-Legende der sechste Sieg. Es war das erste Aufeinandertreffen der beiden Top-Drei-Spieler in der Halle überhaupt. 

Auftaktsieg für Djokovic

Einen gelungenen Auftakt bei den ATP-Finals haben indes auch Novak Djokovic und Daniil Medwedew hingelegt. Der Weltranglistenerste aus Serbien setzte sich am Montagabend gegen den Argentinier Diego Schwartzman mit 6:3, 6:2 durch. Anschließend behielt der als Nummer vier gesetzte Russe gegen den Deutschen Alexander Zverev mit 6:3, 6:4 die Oberhand. Schwartzman, der sich zum ersten Mal für das Saisonfinale der besten Acht qualifiziert hat, konnte nur in den ersten Minuten mit Djokovic mithalten. Er ging im ersten Satz sogar mit Break in Führung, musste aber sogleich selber seinen Aufschlag abgeben. Nach dem 2:2 gewann er aber nur noch drei Games.

Djokovic strebt beim Saisonfinalturnier in London naturgemäß seinen sechsten Titel an. Viermal (2012, 2013, 2014, 2015) hat er in London, einmal in Shanghai (2008) gewonnen. Im Vorjahr scheiterte er nach Niederlagen gegen Thiem und dem heuer fehlenden Roger Federer bereits in der Gruppenphase. Im zweiten Match der Tokio-Gruppe war Medwedew gegen Zverev der klar bessere Mann. Der Russe, der gegen den Deutschen unlängst schon das Finale in Paris-Bercy für sich entschieden hatte, kam nach der sehr umkämpften Startphase noch zu einem sicheren Erfolg. Am Mittwoch spielt nun Medwedew gegen Djokovic, während Zverev gegen Schwartzman antritt.

Unglücklich verlief wiederum das Auftaktspiel am Montag für Jürgen Melzer und seinen französischen Partner Edouard Roger-Vasselin. Nach einem starken ersten Satz setzte es für das Duo in London doch eine Auftaktniederlage, und es musste sich den Weltranglistenersten Mate Pavic/Bruno Soares (Kro/Bra-1) nach 83 Minuten mit 7:6, 1:6, 4:10 geschlagen geben. Die österreichisch-französische Paarung trifft nun am Mittwoch in der Round-Robin-Gruppe "Bob Bryan" auf die Verlierer der ersten Partie, John Peers/Michael Venus (Aus/Nsl-6). Beim zweifachen Doppel-Grand-Slam-Sieger Melzer, der im Jänner bei den Australian Open seine Karriere beendet, überwog trotz starker Leistung die Enttäuschung. Auch wenn der gewonnene Satz in der Endabrechnung für einen Platz im Halbfinale wesentlich sein kann. "Der Satz kann natürlich helfen. Jetzt gerade ist die Enttäuschung natürlich groß, weil wir haben wirklich einen sehr guten ersten Satz gespielt, und am Anfang des zweiten läuft es uns halt zu schnell weg", resümierte Melzer in der Zoom-Video-Pressekonferenz.

Letzte Finals für Melzer

"Auf einmal steht es 0:4, und du bist im Champions-Tiebreak. Da haben wir leider das frühe Minibreak nicht halten können, und die haben das dann auch verdient gewonnen", gestand Melzer. Wollen er und Roger-Vasselin noch irgendwie den Sprung ins Halbfinale schaffen, müssen sie die Spiele am Mittwoch gegen Peers/Venus und am Freitag gegen Marcel Granollers/Horacio Zeballos (Sp/Arg) gewinnen. Nur die ersten zwei jeder Gruppe steigen auf. "Die letzten zwei Partien musst du gewinnen, wenn du in das Halbfinale willst. Ich freue mich, ich weiß, dass das auf alle Fälle mein letztes Masters ist, und versuche, es zu genießen", erklärte Melzer. (red)