Es gibt ja Leute, die meinen, 2020 sei ein Jahr ganz zum Vergessen. Corona-bedingt sicher, sportlich betrachtet war es für Dominic Thiem aber vielleicht sogar eines der besten seiner Karriere. Zum zweiten Mal in Folge hat er heuer die Tennis-Saison mit dem Finale bei den ATP-Finals beendet. Und obwohl er dieses hochklassige Endspiel in London verloren hat, so kann er dennoch stolz auf dieses für die gesamte Welt so besondere und, wie Thiem sagte, auch "toughe Jahr" zurückblicken. Ein Jahr, das allein schon wegen des Sieges bei den US Open "immer einen speziellen Platz" in seinem Herzen haben werde.

Dass dem 27-Jährigen auch dieses Jahr der zweite große Titel in London versagt blieb, ist ein Wermutstropfen, der aber angesichts des Lobes und der Anerkennung, die Thiem seit Tagen erntet, wohl erträglich ist. So schwärmte auch sein Bezwinger Daniil Medwedew von Thiems Tennis. "Wenn Dominic so spielt, ist er einer der besten Spieler der Geschichte", sagte der Russe nach dem knappen 4:6, 7:6, 6:4-Erfolg am Sonntag. "Dass ich ihn in dieser Form geschlagen habe, das war wohl der beste Sieg meines Lebens." Tatsächlich hat sich der 24-jährige Russe mit den Siegen in Paris-Bercy und London ebenfalls in eine starke Ausgangsposition für 2021 gebracht.

Rang eins der Welt im Visier

Thiem wiederum hat neben dem Major-Triumph in Flushing Meadows auch die Endspiele bei den Australian Open sowie in der O2-Arena erreicht. Zudem bleibt ihm wegen der Corona-Sonderregel auch das Finale der French Open von 2019 in Roland Garros in der Wertung stehen. Ein Angriff auf Platz eins scheint nun der nächste logische Schritt für den Lichtenwörther zu sein.

Thiem selbst leugnet das auch gar nicht. "Ich habe mir noch keine Ziele für nächstes Jahr gesetzt, aber natürlich möchte ich im Ranking weiter nach oben klettern. Aber alles ist eng: Rafa und Nole sind immer noch da oben, Roger kommt nächstes Jahr zurück", erklärte er mit Blick auf die großen Drei Nadal, Djokovic und Federer. Mit Medwedew, Alexander Zverev, Stefanos Tsitsipas und seit diesem Jahr auch Andrej Rublew gebe es sechs, sieben Spieler, die in den nächsten Jahren um die Top-Spots kämpfen werden.

Wie es weitergeht, das steht für die gesamte Tennis-Szene noch in den Sternen. So könnte die strenge Corona-Politik in Australien zu einigen Verschiebungen führen, auch die Australian Open könnten nicht wie geplant am 18. Jänner starten. Da aber die Austragung der Februar-Turniere in Südamerika sehr unsicher ist, gäbe es da zeitlichen Spielraum. Thiem wird den Start der Vorbereitung daran anpassen. "Stand jetzt dürfen wir frühestens am 1. Jänner nach Australien einreisen. Ich glaube auch, dass es sich noch nach hinten verschieben kann", so Thiem.

Rückblickend war London mit dem Erreichen des Doppel-Finales durch Jürgen Melzer jedenfalls eine der erfolgreichsten Veranstaltungen überhaupt. 2018 in Roland Garros waren es übrigens Thiem und Oliver Marach im Doppel gewesen, die ebenfalls in zwei Endspielen gestanden waren. Es gibt also nicht nur Jahre "zum Vergessen". Österreichs Herren-Tennis ist aktuell wohl der beste Beweis dafür.(rel/apa)