Ganze 50 Sekunden saß Niki Lauda an jenem 1. August 1976 am Nürburgring in seinem brennenden Wrack, bevor er im letzten Moment gerettet werden konnte. Wie sich das für ihn angefühlt haben musste, kann Romain Grosjean (Fra) nun wohl ganz gut nachempfinden. Zwar saß der Haas-Pilot nach seinem spektakulären Crash am Sonntag in Bahrain "nur" 26 Sekunden in den Flammen seines Autos - dennoch haben sich die Bilder, wie er durch eine Feuerwand ins Freie springt, buchstäblich ins Gedächtnis von Fahrerkollegen, Rennteams und Fans gebrannt.

Grosjean selbst kam glimpflich - mit Verbrennungen an beiden Handrücken - davon und soll das Krankenhaus bereits am Dienstag wieder verlassen. Aber nicht nur bei ihm ist die Erleichterung groß, auch die Formel 1 darf aufatmen, weil die Sicherheitsmechanismen so schnell gegriffen haben. Das ist die Lehre aus dem Großen Preis von Bahrain, die Ursache des Unfalls kurz nach dem Start ist aber noch nicht geklärt. Als Erstretter waren Ian Roberts, medizinischer Rettungskoordinator des Automobil-Weltverbands (FIA), sowie der Rettungsfahrer Alan van der Merwe an dem Unglücksort gewesen. "Man konnte sehen, dass er sehr wacklig auf den Beinen war", erklärte Roberts, nachdem Grosjean selbständig aus dem brennenden Wrack geklettert war. Wie durch ein Wunder zog sich der 34-Jährige, der immerhin mit 220 Stundenkilometern in die Streckenbegrenzung gedonnert war, keine Knochenbrüche zu. Das Monocoque bohrte sich dabei in die Leitschiene, zudem drohte das Helmvisier des 34-Jährigen zu schmelzen. Dass es nicht zu einer Katastrophe à la Nürburgring kam, lag nicht nur am schnellen Eingreifen der Retter und Grosjeans feuerfestem Rennoverall, sondern vor allem am neuen, 2018 eingeführten Cockpit-Schutzsystem "Halo".


Erleichtert zeigten sich Grosjeans Kollegen, allen voran Ex-Weltmeister Sebastian Vettel und der Sieger von Bahrain, Lewis Hamilton. "Das Wichtigste ist, dass er aus dem Auto rausgekommen ist", betonte der deutsche Ferrari-Pilot Vettel. Es grenze an ein Wunder. "Es ist gut, dass die Wagen sicherer als früher sind. Die Leitplanke sollte aber nicht nachgeben, und das Auto sollte auf diese Art kein Feuer fangen." Hamilton sprach nach seinem elften Saisonsieg davon, dass der Unfall eine "kraftvolle Mahnung" war, wie gefährlich die Formel 1 sein könne.

Ricciardo tobt

Kritische Worte fand hingegen Renault-Fahrer Daniel Ricciardo, der am Sonntag seine "Abscheu und Enttäuschung" über die angeblich "andauernden Wiederholungen" der Feuerunfallszene gezeigt hatte. Die Formel 1 wies den Vorwurf zurück und stellte klar, dass die Bilder erst nach Zustimmung der FIA gezeigt worden waren. Grosjean selbst äußerte sich nicht dazu. Am kommenden Rennen am Sonntag in Sakhir wird er nicht teilnehmen. Jedenfalls wird wohl sein Comeback danach für Schlagzeilen sorgen. Das war bei Lauda schon nicht anders.(rel)