Wirklich untätig war sie nie, das entspräche auch nicht dem Naturell der quirligen Kärntnerin. Schon als Kind schrieb sie ihre Aufgaben im Stehen, weil sie einfach nicht ruhig sitzen konnte, wie sie einst der "Wiener Zeitung" im Interview erzählte. Heute ist Anna Gasser eine der weltbesten Freestyle-Snowboarderinnen, Olympiasiegerin, Weltmeisterin und vierfache Gewinnerin der X-Games.

Salti, Drehungen und Schrauben konnten sie nie aus der Bahn werfen, und doch hat sich auch für sie das Leben mit den Corona-bedingten Einschränkungen mit einem Schlag komplett verändert. Chats und Telefonate ersetzten den direkten Kontakt mit Freunden und das Hetzen von Termin zu Termin, das Kochen - dem Vernehmen nach soll auch ihr Mousse au Chocolat schon eine Fangemeinde haben - das Reisen. Immerhin: Training war für sie als Spitzensportlerin großteils möglich, auf Instagram hielt sie ihre Fans und Follower darüber und über ihre neuesten Projekte auf dem Laufenden.

Nun aber ist Gasser froh, dass es mit dem Weltcup wieder losgeht, noch dazu am Kreischberg, nicht unweit von der Heimat der 29-Jährigen. Fans sind diesmal bei der Veranstaltung, die für Gasser mit der Big-Air-Qualifikation am Donnerstag losgeht und mit dem Finale am Samstag postiv enden soll, zwar aufgrund der Corona-Maßnahmen keine zugelassen, dennoch ist die Vorfreude groß - wenn sich auch ein bisschen Nervosität darunter mischt. "Ich bin doch ein wenig angespannt, weil ich nicht absehen kann, wo ich derzeit im Vergleich mit der Konkurrenz stehe", sagt sie. Immerhin sei das Training erfolgreich verlaufen. "Ich habe intensiv an meinen Tricks gearbeitet."

Pionierin einer Sportart

Denn die Konkurrenz schläft nicht, das hat Gasser auch in der vergangenen Saison zu spüren bekommen; junge Athletinnen haben aufgeholt, zudem stürzte sie vergangene Saison mehrmals.

Dennoch gilt die Österreicherin nach wie vor als eine der Grandes Dames des Sports, dem sie nach einer kurzen Karriere als Kunstturnerin bei einem Aufenthalt in den USA vollständig verfallen ist und danach in Österreich zu ungeahnter Popularität verholfen hat. 2017 wurde sie als erste Snowboarderin überhaupt hierzulande als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet, nach ihrem Olympiasieg 2018 konnte sie diesen Erfolg sogar wiederholen.

Doch weil Stillstand sowieso und für einen Bewegungsfreak wie sie erst recht Rückschritt bedeutet, setzte sie dem im Mai 2019 noch eins drauf und sorgte als erste Frau, die einen "Cab Double Cork 1260", dreieinhalb Umdrehungen um die Achse und zweimal über Kopf, sicher landen konnte, für Furore.

Welche Tricks Gasser sowie die übrige heimische Elite für den Kreischberg auf Lager haben, wird nicht verraten, im Vordergrund wird wohl zunächst das Herantasten an den Wettkampfmodus stehen - dass dieses teilweise kopfüber erfolgen wird, macht es aber nicht minder spektakulär.