Es ist eine nicht ganz alltägliche Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft, doch das muss ja nichts Negatives bedeuten. Zwei Spiele gegen einen Topgegner wie Deutschland binnen nicht einmal einer Woche hat man schließlich nicht alle Tage, schon gar nicht, wenn es dabei um etwas mehr als nur das Prestige geht, und schon gar nicht unmittelbar vor einer WM. Für Österreichs Handballer ist dieser ungewöhnliche Fall nun aber aufgrund des Corona-bedingt zusammengepferchten Terminplans eingetreten. Nach dem 27:36 gegen die DHB-Auswahl am Dreikönigstag bekommt man es nun am Sonntag (18.10 Uhr/ORF Sport+) gleich noch einmal mit den Deutschen zu tun, es geht um nicht weniger als eine - weiterhin - gute Ausgangslage in der EM-Qualifikation.

Zwei Tage später schon steigt die Mannschaft von Ales Pajovic in das Flugzeug nach Ägypten, um dort an der WM teilzunehmen. Das erste Spiel bestreitet die rot-weiß-rote Equipe in Gruppe E am Donnerstag gegen Außenseiter USA, danach stehen im Zwei-Tages-Rhythmus noch die Partien gegen Vize-Weltmeister Norwegen sowie den mehrfachen Welt- und Europameister Frankreich im Kampf um den Aufstieg in die Hauptrunde auf dem Programm - für den es einen dritten Rang benötigt.

Die Spiele gegen Deutschland dienen Pajovic, der die Mannschaft gleich bei seinem ersten Turnier, der Heim-EM vor einem Jahr, auf den starken achten Rang geführt hat und dessen Vertrag mit dem ÖHB erst diese Woche verlängert wurde, notgedrungen auch zum Testen, zumal er auch bei der WM auf Stammspieler, allen voran den etatmäßigen Kapitän Nikola Bilyk sowie Janko Bozovic, verzichten muss.

Überraschung Zivkovic

Im ersten Spiel gegen Deutschland setzte er einige unerfahrenere Spieler ein, die aber trotz der letztlich hohen Niederlage für gute Momente sorgten. Vor allem Boris Zivkovic, bisher immer nur zweite Wahl hinter Bozovic, spielte entfesselt auf. "Das hat mich ein bisschen überrascht, weil er bei mir bisher nicht viel gespielt hat und im Verein oft Verletzungsprobleme gehabt hat", sagte Pajovic.

Das größte Manko ortete der Slowene aber in der Verteidigung beziehungsweise in zu vielen technischen Fehlern. "So kannst du gegen Deutschland nicht gewinnen." Dementsprechend konzentrierte man sich im Training auf die Defensive, wo es gilt, bis zur WM einen konkurrenzfähigen Mittelblock zu finden - jenen Mannschaftsteil, in dem es zum Funktionieren besonders viel Feinabstimmung braucht. "Da suche ich noch ein bisschen", erklärte Pajovic.

Dass neben Bozovic oder Kreis-Routinier Fabian Posch mit Bilyk nach seinem Kreuzbandriss der herausragende Mann absent ist, war im "Hinspiel" jedenfalls nicht zu übersehen. "Natürlich fehlt er uns", meinte auch Pajovic, der in der aktuellen Situation dennoch vor allem "Chancen und Potenzial" orten will. "Aber das wird noch ein bisschen dauern."

Die Situation ist jedenfalls bei allem Optimismus herausfordernd genug, dass man sich im ÖHB derzeit nicht mit Nebenschauplätzen aufhalten will. Zu der Debatte, ob bei der WM Zuschauer zugelassen werden oder nicht, will man sich derzeit nicht äußern. Die ägyptischen Organisatoren planen derzeit mit einer 20-prozentigen Stadionauslastung, viele internationale Spieler haben sich in einem Brief an den Weltverband aber dagegen ausgesprochen. Auch das kommt freilich nicht alle Tage vor.(art/apa)