Es war kein kleiner Dämpfer, eher eine ordentliche "Gnackwatsch’n", die Österreichs Handball-Herren am Sonntag in der EM-Qualifikation gegen Deutschland hinnehmen mussten. 20:34 lautete der Gesamtstand im letzten Spiel vor der WM in Ägypten, 5:19 der Pausenstand. Das war nicht nur zu wenig, um Selbstvertrauen für die WM zu tanken, die am Donnerstag für das ÖHB-Team von Ales Pajovic mit dem Spiel gegen den vermeintlich schwächsten Gegner USA beginnt, das war schlicht "eine Katastrophe", wie der Teamchef meint.

Pajovic befindet sich damit wohl vor der schwierigsten Mission seiner noch jungen Amtszeit. Im März 2019 hatte er die Mannschaft übernommen, sie danach zum überragenden achten Platz bei der Heim-EM im vergangenen Jahr und infolgedessen zu einem Platz im Teilnehmerfeld bei der WM in Ägypten geführt. Doch von der Leichtigkeit, die die Mannschaft noch Anfang 2020 ausgezeichnet hat, ist nicht viel übrig geblieben.

Stattdessen reist man nun mit schwerem Gepäck zu den Welttitelkämpfen, die ohnehin Corona-bedingt und wegen des Zwists einiger Teams mit Weltverband und Organisatoren um die Zulassung von Zuschauern unter erschwerten Bedingungen stattfinden. Zuletzt hatten sich namhafte Spieler gegen eine solche ausgesprochen, nachdem die ägyptischen Organisatoren bekannt gegeben hatten, die Hallen zu 20 Prozent auslasten zu wollen.

Im ÖHB wollte man zu dieser Causa keine öffentliche Stellungnahme abgeben, schwierig genug ist die Ausgangslage. Etliche Spieler - allen voran die bei der EM überragenden Nikola Bilyk und Janko Bozovic - fehlen verletzt, dazu kamen nun die beiden herben Niederlagen gegen Deutschland. Denn abgesehen von den USA, die in der Wahrnehmung irgendwo zwischen "unbekannte Größe" und "Außenseiter" changieren, sind die Gegner in Gruppe E wahre Kapazunder des Handballsports: Es warten Vizeweltmeister Norwegen sowie der mehrfache Titelträger Frankreich.

Egal, wie stark der Gegner sei, sagt Pajovic in Anspielung auf das Deutschland-Match, "fünf Tore in der ersten Hälfte, das ist zu wenig". Hatte im "Hinspiel" in Graz am vergangenen Mittwoch wenigstens noch der Angriff einigermaßen funktioniert, blieb auch dieser am Sonntag einiges schuldig. Die leicht veränderte Formation fand von Beginn an nicht in den Rhythmus, überhastete Abschlüsse führten zu einem guten Dutzend Fehlwürfen, dem Spiel fehlte die Breite und wohl auch einer wie der verletzte Kapitän Bilyk. Auch eine Rückraumgefahr wie Bozovic wurde schmerzlich vermisst, immerhin ließ der 20-jährige Lukas Hutecek mit sieben Toren erahnen, wie wichtig er in Zukunft für die ÖHB-Auswahl sein kann.

Voller Fokus auf die USA

Dass ohne Bilyk und Bozovic ein adaptierter Stil notwendig ist, war klar. "Wir müssen es jetzt ein bisschen spielerischer lösen", betont Gerald Zeiner, Bilyks Vertreter in der Kapitänsrolle. Auch wenn er schon vor Tagen forderte, "Spaß und Spirit von der EM mitzunehmen", scheint schon jetzt klar, dass es in Ägypten so intensive Glücksmomente wie bei der EM nicht geben wird. Der Fokus gilt nun dennoch - oder wohl erst recht - dem Spiel gegen die USA. "Mit einem Sieg kommen wir weiter", meint Pajovic. Schließlich lösen die Top Drei das Hauptrunden-Ticket. Und dann könnte der Rucksack schon erheblich leichter werden.(art)