Sie heißen Reinhard Divis, Christoph Brandner, Michael Grabner, Michael Raffl und - natürlich - Thomas Vanek. Und sie alle haben in unterschiedlicher Ausprägung rot-weiß-rote Schlittschuhspuren in der stärksten und schillerndsten Eishockey-Liga der Welt, der nordamerikanischen NHL, hinterlassen. Von allen großen US- (respektive in diesem Fall US- und kanadischen) Sportligen ist die NHL damit jene, in der bisher die meisten Österreicher engagiert waren, wenngleich heimische Vertreter auch schon der NFL - man denke nur an (Wembley-) Toni Fritsch - und der NBA (Jakob Pöltl) mehr oder weniger erfolgreich gespielt haben respektive spielen.

Andere Spieler haben zuletzt zwar auch in diesen Ligen an die Tür angeklopft respektive wollen dies in Kürze tun - etwa Footballer Sandro Platzgummer, der es dann doch nicht in den NFL-Kader der New York Giants geschafft hat, oder Basketball-Collegetalent Luka Brajkovic, dessen großes Ziel die NBA ist; die größten Chancen auf Zuwachs des heimischen Kontingents sah man zuletzt aber wieder einmal im Eishockey.

Doch die Hoffnungen erfüllen sich vorerst nicht. Waren in der vergangenen Saison noch drei Österreicher regelmäßig auf dem Eis, wird nun zumindest beim Saisonstart Michael Raffl der Einzige sein, der die rot-weiß-rote Fahne hochhält. Mit den Philadelphia Flyers bestreitet er gleich am Mittwoch (23.30 Uhr MEZ) das Eröffnungsspiel, die "Battle of Pennsylvania" gegen die Pittsburgh Penguins.

Vanek hat seine überaus erfolgreiche Karriere mittlerweile beendet, Grabner ist nach seinem Engagement bei den Arizona Coyotes vereinslos, seine Zukunft wird sich in den kommenden Tagen entscheiden. Und Marco Rossi, der nach einer sensationellen Saison bei den Ottawa 67ers als Top-Ten-Pick von Minnesota Wild gedraftet wurde, wird wohl noch länger auf seinen ersten Einsatz warten. Schon unmittelbar nach dem virtuellen Draft hatte er zwar von einem "Traum" gesprochen - aber auch davon, dass der "Weg in die NHL noch weit" sei. Doch dass gleich so viele Steine im Weg in den NHL-Rink liegen würden, hatte wohl auch er sich nicht erwartet.

Der Sturm vor der erzwungenen Ruhe

Seit jenem 23. Oktober hat sich im Leben des jungen Vorarlbergers viel getan. Doch es scheint der Sturm vor der erzwungenen Ruhe gewesen zu sein: Sein Leih-Engagement bei seinem Jugendklub Zürich Lions, bei dem er Spielpraxis für die kommenden Herausforderungen im Erwachsenenbereich sammeln wollte, endete nach einem positiven Corona-Test nach nur einer Partie; die U20-WM, bei der er Österreich zum ersten Sieg in dieser Kategorie führen wollte, nach vier (klaren) Niederlagen in vier Spielen ohne Scorerpunkt.

Und unmittelbar nach Aussitzen der obligatorischen Quarantäne zog er sich im Teamcamp in St. Paul, wo er sich für einen Platz im Kader der Wild empfehlen wollte, eine nicht näher definierte Oberschenkelblessur zu, die ihn nun "auf unbestimmte Zeit" ausfallen lässt, wie sein Klub nur wenige Tage vor dem Saisonstart bekannt gab.

Marco Rossi gilt als heißeste Zukunftsaktie. - © apa/privat
Marco Rossi gilt als heißeste Zukunftsaktie. - © apa/privat

Auch von seinem Vater Michael, von dem Rossi die Begeisterung für den Sport übernommen hatte, war vorerst nicht mehr zu erfahren. "In Absprache mit der Organisation der Minnesota Wild können zum aktuellen Stand und der Art der Verletzung leider keine Angaben gemacht werden", erklärte er in einer Aussendung. "Wir bitten dies zu respektieren und werden schnellstmöglich ein weiteres Update zum Gesundheitszustand von Marco geben."

Doch aufgeschoben soll im Fall Rossis nicht gleichbedeutend mit aufgehoben sein, nach wie vor trauen ihm Experten zu, bald tatsächlich den Sprung in die NHL zu schaffen. Dass dies nicht selbstverständlich ist, zeigt ebenfalls ein Blick in die österreichische Eishockey-Geschichte: Martin Hohenberger war 1995 der erste heimische Spieler, der von einem NHL-Klub gedraftet worden war, bis tatsächlich in Tormann Divis aber auch der erste spielte, vergingen mehr als sechs Jahre. Sieben heimische Spieler, die beim Draft gewählt wurden, haben es nie zu einem Einsatz geschafft.

Doch trotz aller Probleme gehen die meisten Experten davon aus, dass Rossi dieses Schicksal erspart bleiben wird. Mit 39 Toren und 81 Assists in 56 Spielen der abgelaufenen Ontario Juniorenliga hat er in der vergangenen Saison Freund und Feind überzeugt, die Wild-Verantwortlichen sahen in dem jungen österreichischen Center bei dessen Verpflichtung gar den "Spielmacher der Zukunft".

Der Mann der Gegenwart aus heimischer Sicht heißt freilich Raffl. Beim Topteam aus Philadelphia ist er gesetzt, gegen Pittsburgh steht er vor seinem 499. NHL-Spiel, am Freitag dürfte das 500. folgen - eine Leistung, die angesichts des steinigen Wegs aufs Eis beziehungsweise der dortigen Ausrutschgefahr nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.