Pharaonen sind an Niederlagen nicht gewöhnt. Doch Hassan Moustafa, einflussreicher Sportpolitiker, von seinen Kritikern wegen seines autokratischen Führungsstils nicht unbedingt in schmeichelnder Absicht nach den altägyptischen Herrschern benannt, musste seine erste schon einstecken, bevor die WM in seinem Heimatland überhaupt begonnen hatte. Die zweite Handball-WM in Ägypten hätte der krönende Höhepunkt der nun schon mehr als 20 Jahre währenden Amtszeit des Weltverbandspräsidenten werden sollen. Doch mit seinem Ansinnen, trotz der Corona-Pandemie Zuschauer im Ausmaß einer 20-prozentigen Hallenauslastung zuzulassen, scheiterte er letztlich am Widerstand der Spieler selbst.

Und nun das: Schon vor dem ersten Spiel zwischen den Gastgebern und Chile am Mittwoch in Kairo (18 Uhr) droht die WM im Chaos zu versinken. Unmittelbar betroffen ist davon auch das österreichische Nationalteam. Denn dessen eigentlich vorgesehener Auftaktgegner USA musste seine Teilnahme aufgrund von 17 Corona-Fällen in der Delegation - zehn Spieler und sieben Personen aus dem Betreuerstab wurden positiv getestet - am späten Dienstagabend zurückziehen.

Damit trifft die ÖHB-Mannschaft am Donnerstag (18 Uhr/ORF Sport eins) nicht auf das Team aus Übersee, sondern jenes aus der Schweiz. Wenngleich Nachrücker, sind die Eidgenossen stärker einzuschätzen als die US-Amerikaner. Davor hatte bereits Tschechien seine Teilnahme absagen müssen, zittern müssen auch die Kapverden, die im um acht Mannschaften aufgestockten Teilnehmerfeld ihr WM-Debüt geben würden.

Kampf um den Aufstieg keineswegs leichter geworden

Ursprünglich hatten die USA noch auf Fehler bei den Tests gehofft, schließlich sei eine andere Testreihe durchgehend negativ ausgefallen. Auch die Möglichkeit, eine Rumpftruppe zu entsenden, stand im Raum, ehe die Absage unumgänglich wurde. "Nach eingehenden Gesprächen sind wir und die IHF zu dem Schluss gekommen, dass die beste Vorgehensweise für die IHF Weltmeisterschaft der Männer 2021 und für die langfristigen Wachstumsaussichten des USA Handball-Team darin besteht, unsere Teilnahme an der diesjährigen Weltmeisterschaft zurückzuziehen", hieß es am späten Dienstagabend auf dem Twitter-Account des US-Verbands.

 Für die Österreicher wird der Kampf um den Aufstieg damit keinswegs leichter. Die weiteren Gegner in Gruppe E - Vizeweltmeister Norwegen und Mehrfachtitelträger Frankreich - scheinen vor allem nach den jüngsten deutlichen Niederlagen und aufgrund der Verletzungssorgen der Mannschaft von Teamchef Ales Pajovic außer Reichweite, die Schweizer stehen der Papierform nach über den USA.

Auch die Hoffnung, dass die Schweizer womöglich selbst von der Teilnahme überrumpelt und daher nicht bestens vorbereitet zur WM kommen, dürfte sich nicht erfüllen, wie ÖHB-Sportdirektor Patrick Fölser in einer Aussendung erklärt: "Mit der Nachrückung der Schweiz ist unsere Vorrundengruppe die einzige rein europäische und aus unserer Sicht wohl auch die schwerste. Die Schweiz kommt aus einem achttägigen Trainingslager gut vorbereitet zur WM. Wir werden jetzt versuchen, uns schnellstmöglich auf die neue Herausforderung einzustellen, um gegen die Eidgenossen gewappnet zu sein. Unser Ziel bleibt unverändert das Erreichen der Hauptrunde, auch wenn sich die Umstände drastisch verändert haben."

Die üblichen verdächtigen Favoriten

Dafür ist ein dritter Gruppenplatz nötig, mit einem Sieg gegen die Schweiz hätte man diesen wohl in der Tasche. An die Euphorie von der Heim-EM im Vorjahr, als Österreich mit dem achten Platz und starken Leistungen begeistert hatte, wird man aber wohl nicht anschließen können, angesichts der Umstände muss man wohl schon froh sein, dabei sein zu können.

Die Hallen bleiben leer. - © reuters / Shokry Hussien
Die Hallen bleiben leer. - © reuters / Shokry Hussien

Deutlich höher sind freilich die Ansprüche bei den Gruppengegnern Norwegen und Frankreich, die um die Medaillen kämpfen wollen. Zudem sind die üblichen Verdächtigen - Europameister Spanien, sein Vize Kroatien sowie, trotz des Ausscheidens in der EM-Vorrunde, Dänemark - zum Kreis der Favoriten zu zählen. Und auch Ägypten macht sich leise Hoffnungen auf einen Stockerlplatz - womit "der Pharao" dann doch noch die Krönung seiner Regentschaft hätte.