Er gilt als Drahtzieher eines der größten Doping-Netzwerke, die in der jüngeren Vergangenheit aufgedeckt worden sind. Nun wurde der Erfurter Arzt Mark S. am Landgericht München II  wegen Dopings erstinstanzlich zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten und einem Berufsverbot von drei Jahren verurteilt. In dem ersten großen Strafprozess in Deutschland seit Einführung des Anti-Doping-Gesetzes 2015 sprach das Landgericht München am Freitag auch die vier Helfer des Erfurter Arztes schuldig.

Damit blieb das Gericht knapp unter der Forderung des Staatsanwalts, der eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren sowie ein fünfjähriges Berufsverbot beantragt hatte. Mark S. wurde vorgeworfen, an Athleten aus diversen Nationen sowie Sportarten über Jahre hinweg Blutdoping vorgenommen zu haben.

Aufgeflogen waren die Machenschaften im Rahmen der "Operation Aderlass" rund um die nordische Ski-WM in Seefeld im Jahr 2019, die von einer Großrazzia - parallel zu jener in Erfurt - erschüttert worden war. Zahlreiche Sportler wurden seitdem sanktioniert, der Radprofi Stefan Denifl fasste erst vor wenigen Tagen ebenfalls eine (teilbedingte) Haftstrafe aus.

Wurm nur wegen Falschaussage verurteilt

Verhältnismäßig glimpflich kam der ehemalige österreichische Langläufer Harald Wurm davon, der ebenfalls am Freitag am Landgericht Innsbruck von den Vergehen nach dem Anti-Doping-Bundesgesetz und vom Vergehen des schweren Betrugs freigesprochen wurde. Verurteilt wurde der 36-jährige Tiroler aber wegen des Vergehens der falschen Beweisaussage. Wurm muss eine Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 15 Euro - also insgesamt 4.500 Euro - bezahlen. Die Hälfte davon wurde ihm bedingt nachgesehen.

Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig. Sowohl der Staatsanwalt, als auch der Verteidiger melden Berufung an. Wurm hatte sich zu Prozessbeginn nicht schuldig bekannt, und auch sein Verteidiger hatte nach dem Schlussplädoyer einen Freispruch beantragt. Dem ehemaligen Langläufer war vorgeworfen worden, zwischen 2015 und 2019 zu den Handlungen von Mark S. beigetragen zu haben, indem er veranlasst haben soll, dass ein Spezialkühlschrank zu ihm geliefert wurde. Die Richterin sah die subjektive Tatseite jedoch nicht erfüllt, weshalb Wurm freigesprochen wurde. Einige Aussagen Wurms, die er teilweise auch als Zeuge getätigt hatte, glaubte die Richterin jedoch nicht, weshalb sie beim Anklagepunkt der falschen Beweisaussage einen Schuldspruch fällte. (art/apa)