Die Chance von Österreichs Handball-Männern auf die Hauptrunde bei der WM in Ägypten ist minimal, aber sie lebt - zumindest wenn man den Auswahl-Akteuren glaubt. Die gaben sich vor dem entscheidenden Spiel gegen Vize-Weltmeister Norwegen am Montag (20.30 Uhr/live ORF Sport+) angriffslustig. "Wenn es eine Chance gibt, dann müssen wir im Kopf bereit sein, sie anzunehmen", erklärte Kreisläufer Tobias Wagner vor dem Duell mit Superstar Sander Sagosen und Co.

Elf Tore erzielte Kiel-Akteur Sagosen am Samstag beim 31:25-Erfolg über die Schweiz, nicht zuletzt ihn muss die rot-weiß-rote Equipe in den Griff bekommen. Dazu kommt, dass die Skandinavier nicht nur aus ihrem Selbstverständnis heraus, sondern auch arithmetisch voll angreifen werden. Denn sie wollen die Punkte aus der Vorrunde auch in die nächste Turnierphase mitnehmen.

Klar ist jedenfalls, dass Österreich im Falle eines Sieges in jedem Fall aufsteigen würde, weil in der "kleinen" Tabelle mit den dann punktegleichen Teams von Norwegen, Österreich und der Schweiz das Torverhältnis im Vergleich mit der Schweiz besser wäre.

Hoffnung gibt den Österreichern, dass sie im Vergleich zur bitteren Auftaktniederlage gegen die Schweiz beim 28:35 gegen Frankreich am Samstag eine sichtbare, wenngleich gegen den haushohen Favoriten fruchtlose Steigerung zeigten. "Mit der Leistung bin ich sehr, sehr zufrieden. So müssen wir weiterkämpfen, dann können gute Sachen passieren", sagte Teamchef Ales Pajovic.

 

Weitere Steigerung muss her

Ähnlich kommentierte Wagner das zweite Spiel bei der Endrunde, die nach der Absage der USA und dem Nachrücken der wesentlich stärkeren Schweizer für Österreich von Beginn an unter keinem guten Stern stand. "Es ist nach einer Niederlage immer ein bisschen schwer. Aber in diesem Fall ist es in Ordnung zu sagen, dass wir mit der Leistungssteigerung zufrieden sind", befand Wagner.

Er selbst stellte mit sieben Treffern unter Beweis, dass im Vergleich zur Schweiz-Partie das Kreisspiel wieder funktionierte. Generell wurden die Angriffe geduldiger vorgetragen, auch wenn die Qualität der Würfe nicht immer stimmte und Frankreich-Goalie Vincent Gerard eine Quote von 46 Prozent bescherte. Es gelang Österreich nicht zuletzt, die hohe Fehleranzahl von 15 auf 7 zu verkleinern. Eine weitere Minimierung wäre unabdingbar für einen Erfolg gegen Norwegen, der freilich einer echten Sensation gleichkäme.

Zudem soll in anderen Bereichen eine Verbesserung her. "Wir müssen in der Abwehr ein, zwei mehr Stop-Fouls machen, und wir müssen auch dem Tormann mehr helfen, damit wir auf diese 40 Prozent (Fangquote, Anm.) kommen, die wir brauchen." Tatsächlich kamen die rot-weiß-roten Goalies kumuliert bisher nicht einmal auf 20 Prozent. Im Angriff forderte Wagner eine Verbreiterung: "Da müssen unsere beiden überragenden Außenspieler (Robert Weber und Sebastian Frimmel, Anm.) noch besser eingebunden werden."

Gute Neuigkeiten gab es im Hinblick auf Rückraummann Boris Zivkovic. Der Hard-Akteur war gegen Frankreich schon in der ersten Hälfte mit einer Knieblessur ausgeschieden, könnte am Montag aber wieder fit sein. "Er hat sich das Knie leicht verdreht und das Innenband überdehnt", berichtete ÖHB-Sportdirektor Patrick Fölser. "Er ist heute schon wieder normal spaziert. Es schaut so aus, als würde es gehen, ohne dass wir ein Risiko eingehen müssen."

 

Deutschland kampflos weiter

Einige Hauptrunden-Teilnehmer stehen indessen bereits fest, darunter auch Deutschland, dessen Aufstieg auf die - befürchtet - kuriose Art und Weise zustande kam. Denn das zweite Spiel der Deutschen gegen Kap Verde musste wegen mehrerer Corona-Fälle im Team der Afrikaner kurzfristig abgesagt werden. Die Partie wurde mit 10:0 für Deutschland gewertet.

Auch Ungarn, Deutschlands letzter Vorrundengegner in der Gruppe A, qualifizierte sich dank des zweiten Siegs im zweiten Spiel (44:18 gegen Uruguay) für die zweite Turnierphase.

Nach zwei Partien ebenfalls noch ungeschlagen sind in der Gruppe D Titelverteidiger Dänemark und Argentinien. Das Duo steht damit wie in der Gruppe B der letztjährige EM-Zweite Kroatien und Katar ebenfalls bereits in der Hauptrunde der besten 24 Mannschaften. (apa/red)