Internationale Sportgroßveranstaltungen zu Pandemiezeiten, das ist wie russisches Roulette. Niemand weiß, wen das Virus als Nächstes treffen wird, welcher Athlet oder welches Team wegen eines positiven PCR-Tests oder nur eines bloßen Verdachts vom Feld verbannt wird und welche Folgen das für die noch verbliebene Konkurrenz hat. Die ägyptische Version des Roulettes hat nun auch Österreichs Handball-Nationalteam bei der WM kennengelernt, und es war prompt, nachdem der erste Gruppengegner und Außenseiter USA durch die viel stärkere Schweiz ausgetauscht wurde, am Ziel Hauptrunde gescheitert. Mit einem Sieg gegen die Amerikaner und etwas Glück hätte das im Land am Nil etwas werden können, wohl kein achter Platz wie bei der EM, aber immer noch mehr als nichts. Wobei man ehrlicherweise dazusagen muss, dass die Schuld nicht alleine beim Coronavirus zu suchen ist. Österreichs Mannschaft war ohne das Stammtrio Nikola Bilyk, Janko Bozovic und Fabian Posch einfach zu schwach, um der Dampfwalze bestehend aus Schweizern, Franzosen und Norwegern, denen man am Montag im letzten Gruppenspiel 29:38 unterlegen ist, etwas entgegenzusetzen. Den Österreichern bleibt damit nur noch der Gang in den President’s Cup und den Kampf um die Plätze 25 bis 32, der ab Mittwoch ausgetragen wird.

Dabei bietet das Platzierungsturnier dem verjüngten und relativ unerfahrenen Team eine gute Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Auftaktgegner am Mittwoch (15.30 oder 18.30 Uhr/noch offen) in Gruppe II ist Marokko, danach folgen Duelle mit Chile (Freitag) und Südkorea (Sonntag) beziehungsweise eine Partie gegen das gleichplatzierte Team von Gruppe I am 27. Jänner. "Ich will diese vier Spiele Vollgas geben und gewinnen", stellte ÖHB-Teamchef Ales Pajovic klar. Lieber wäre der Slowene wohl in der Hauptrunde angetreten, da hätten Portugal, Island und Algerien gewartet - und auch die Chance auf weitere Punkte. Die aber sicherte sich die Schweiz, die nun statt Österreich ihr Handball-Märchen erlebt. "Wir haben das erste Match gegen die Schweiz versemmelt, das wäre unser Ticket für die Hauptrunde gewesen", resümierte Flügel-Routinier Robert Weber, der bereits ein - eher leidvolles - Lied von den President’s Cups 2011 und 2019 singen kann. Der Unterschied zu damals sollte aber nicht übersehen werden. Auch wenn Österreich seine Chance gegen die Schweiz hatte, so ist es eine ungleich unerfahrenere Truppe, die sich dieses Mal versucht - und die wohl auch motivationstechnisch ganz anders an die Platzierungspartien herangehen wird.

Erfahrungswerte im Fokus

Selbst Pajovic gestand, "ein bisschen enttäuscht" zu sein, freute sich nach der Partie gegen Vizeweltmeister Norwegen aber wie bereits gegen Frankreich nicht nur über ein phasenweise gelungenes Spiel, sondern vor allem über die Einstellung. "Das sind beides Teams, die um die Medaillen spielen werden. Aber die Burschen haben gekämpft, Charakter und Herz gezeigt", meinte der ehemalige Weltklassespieler. Auch er setzt - nicht zuletzt im Hinblick auf den Abschluss der EM-Qualifikation im Frühjahr gegen Estland und Bosnien - auf den Lerneffekt. "Viele sind zum ersten Mal dabei und lernen viel von diesen Spielen. Das ist wichtig für die Zukunft des österreichischen Handballs."

In dieselbe Kerbe schlug auch ÖHB- Sportdirektor Patrick Fölser. Kurzfristig setzt er auf die Rückkehr der aktuell verletzten Topakteure, mittelfristig auf gestiegene Erfahrung: durch Spiele wie im President’s Cup, aber auch mehr Top-Legionäre. "Das Allerwichtigste ist das Bekenntnis zum Spitzensport und der Wille und Charakter, dafür auch vieles unterzuordnen", betonte Fölser. "Diese Spieler müssen wir frühzeitig scouten und sie dann schon im jungen Alter Stück für Stück an die internationalen Anforderungen heranführen." Wie weit die heimische Auswahl diesen Anforderungen schon entspricht, wird nun die letzte Trostrunde in Kairo zeigen.(rel/apa)