Österreichs von Dominic Thiem angeführtes Team trifft beim mit 4,5 Millionen US-Dollar dotierten ATP Cup in Melbourne in Gruppe C auf Italien und Frankreich. Dies ergab die Auslosung am Freitag. US-Open-Sieger Thiem bekommt es in den Topspielen mit Matteo Berrettini (ATP-10.) beziehungsweise Gael Monfils (11.) zu tun. Nur die Gruppensieger des von 1. bis 5. Februar in Melbourne angesetzten Mannschaftsbewerbs steigen in das Halbfinale auf.

Titelverteidiger Serbien mit Novak Djokovic trifft in Gruppe A auf Deutschland und Kanada. Die Veranstaltung ist auch die Generalprobe für die Australian Open ab 8. Februar, alle Top-Ten-Spieler außer der Schweizer Roger Federer nehmen daran teil. Pro Duell werden zwei Einzel und ein Doppel gespielt.

Österreich spielt neben Thiem mit dem zweiten Top-100-Mann Dennis Novak sowie im Doppel mit Philipp Oswald/Tristan-Samuel Weissborn. Bei der Premiere des neuen Teambewerbs vor einem Jahr war das rot-weiß-rote Herrenteam noch vor dem Viertelfinale ausgeschieden. "Wir wollen auf jeden Fall gut spielen. Ich denke auch, dass wir gute Chancen haben, weil wir ein starkes Team haben", meinte Thiem kürzlich. Grundsätzlich mag der 27-jährige Niederösterreicher den ATP Cup, und er hat auch etwas aus dem Vorjahr gutzumachen. "Letztes Jahr war es ein bisserl bitter, weil ich auch super vorbereitet war und dann zwei schwache Partien gespielt habe. Ich hoffe, dass ich es dieses Jahr besser mache."

2020 war der Bewerb noch mit 24 Teams und über drei Städte verteilt ausgetragen worden. Wegen der Coronavirus-Pandemie wurden die teilnehmenden Mannschaften halbiert, und es wird nur im Melbourne Park gespielt.

In Gruppe B sind die von Rafael Nadal angeführten Spanier gegen Griechenland und Australien Favoriten, in Gruppe D ist ATP-Finals-Champion Daniil Medwedew mit Russland gegen Argentinien und Japan in dieser Rolle. Parallel werden im Melbourne Park übrigens gleich zwei ATP-250-Turniere zur unmittelbaren Vorbereitung auf das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres ausgetragen.

Kritik an unterschiedlicher Vorbereitung

Thiem und die deutsche Tennis-Legende Boris Becker haben unterdessen in "Das Gelbe vom Ball - der Eurosport Tennis-Podcast" die unterschiedlichen Bedingungen für die Spieler bei den Australian Open kritisiert. Insgesamt 72 Profis und Mitglieder des Betreuerstabes befinden sich derzeit laut Angaben der Veranstalter für 14 Tage in Quarantäne. Sie dürfen ihre Hotelzimmer nicht verlassen. Grund dafür waren Corona-Fälle auf einigen Charterflügen nach Melbourne.

Nicht betroffene Tennisprofis wie Thiem dürfen dagegen für fünf Stunden am Tag zum Training ihre Hotels verlassen. "Hier in Australien ist es nochmal etwas strenger, was auch verständlich ist. Das Coronavirus ist bei denen fast ausgestorben, und sie wollen verhindern, dass es wieder eingeschleppt wird. Es ist sehr streng. Wir können rund zwei Stunden am Tag trainieren und rund vier Stunden raus. Die restliche Zeit verbringt man im Hotel", sagte Thiem.

Der Weltranglistendritte bemängelte aber auch die Chancengleichheit: "Ganz ehrlich, für die 70 Spieler und Spielerinnen, die in den Fliegern saßen, ist das natürlich ganz bitter. Die werden sicher einen schweren Wettbewerbsnachteil haben, das ist klar. Es sind zwar noch neun Tage bis zum Start der Australian Open, aber im Gegensatz zu den anderen, die normal trainieren können, ist das ein Riesen-Nachteil. Da braucht man nicht zu diskutieren", betonte der Niederösterreicher.

"Das ist für die unfassbar unglücklich gelaufen, das tut mir auch sehr leid für diejenigen. Aber es hat natürlich auch jeder gewusst, auf was er sich einlässt. Tennis Australia und das ganze Land haben alles versucht, das Turnier stattfinden zu lassen, und das ist auch eine sensationelle Leistung", meinte Thiem, der gegen eine mögliche Absage des ersten Grand-Slam-Turniers ist. "Für mich ist es immer noch zumutbar. Es klingt jetzt hart, aber es sind nur 70 Spieler in der Quarantäne, alle anderen in Melbourne können normal trainieren. Es wäre allen anderen gegenüber unfair, die die weite Reise gemacht haben, wenn das Turnier jetzt ausfallen würde."

Angesprochen auf seine Saisonziele sagte der 27-jährige US-Open-Sieger: "2020 war sportlich gesehen sensationell. Das Gefühl beim Grand-Slam-Sieg war das beste, was ich jemals in meiner Tenniskarriere erlebt habe. Das will ich nochmal schaffen. Paris ist wahrscheinlich das ganz große Ziel. Es ist seit meinem Juniorenfinale wahrscheinlich mein Lieblingsturnier, und ich habe die letzten Jahre dort immer sehr gut gespielt. Es ist zwar ein absolut übermächtiger Gegner (Rafael Nadal, Anm.) da, aber das ist das nächste ganz große Ziel. Neben den anderen großen Turnieren ist es das Event, das die höchste Priorität hat."

Chancenlos nach der Quarantäne

Becker ist überzeugt, dass man chancenlos ist, wenn man zwei Wochen Training verliert. "Wenn sie aus der Quarantäne rauskommen, waren sie nicht einmal an der frischen Luft, haben kein Tennis gespielt. Egal, wie viele Schritte sie im Zimmer gemacht haben, sie haben keinen Ball gespielt und haben dann eine Woche Zeit, sich bei den heißen Bedingungen auf Best-of-Five-Matches, zumindest bei den Männern, vorzubereiten. Diese Aufgabe geht eigentlich nicht", meinte der Gewinner von sechs Grand-Slam-Turnieren.

Die ganze Wintervorbereitung sei damit für die Katz, meinte Becker. Der 53-Jährige ergänzte: "Die Frage, ob das faire Bedingungen für alle sind, muss man sich schon stellen. Als Veranstalter muss man sich fragen: Ist das richtig, ist das zumutbar?" (apa/red)