Es sollte ein Mammut-Sportjahr 2021 werden: Olympische Spiele auf 2021 verschoben, Fußball-Europameisterschaft auf 2021 verschoben, dazu diverse Titelkämpfe in den unterschiedlichsten Sportarten, die es im Vorjahr wegen der Coronavirus-Pandemie doch nicht in den internationalen Sportkalender geschafft haben. Doch dass dem Absage-Hammer aus 2020 nun der große Sport-Tanz folgt, wird angesichts einer weiterhin außer Kontrolle befindlichen Pandemie, erneut steigender Infektionszahlen in vielen Ländern, Virusmutationen sowie der Aussicht, dass auch flächendeckende Impfungen trotz aller Bemühungen wohl noch auf sich warten lassen werden, immer unwahrscheinlicher. Neben den Olympischen Spielen in Tokio wackelt nun auch die Fußball-EM.

Dass sie wie damals, in lange vergessenen Prä-Pandemiezeiten von Michel Platini erdacht, in zwölf Ländern stattfinden kann, kann sich angesichts der Reisetätigkeiten kaum jemand mehr vorstellen. Laut Berichten denkt die Uefa derzeit in puncto Schauplätze über vier verschiedene Szenarien nach: eine EM in einem Land, eine EM in zehn verschiedenen Ländern und Städten, eine in fünf Städten in fünf Ländern sowie eine in zwei bis drei Ländern, verteilt über mehrere Städte. In deutschen Medien wurde auch Wien als möglicher Austragungsort genannt, was aber angesichts der Überalterung des Happel-Stadions zwar unwahrscheinlich, im Fall von Geisterspielen aber nicht gänzlich unmöglich scheint. Der ÖFB wusste in einer Stellungnahme gegenüber der Zeitung "Kurier" allerdings nichts davon. Man habe "keine Kenntnis" von derartigen Überlegungen, hieß es. Von der Möglichkeit einer Absage des Turniers wiederum will die Uefa nichts wissen, am 5. März will sie ihrerseits den Fahrplan bekanntgeben.

Die Gegner werden mehr

Jedenfalls erscheint es aus heutiger Sicht wahrscheinlicher, dass die Fußball-EM in welcher Form auch immer über die Bühne geht, als man dies für das zweite Sportgroßereignis, die Olympischen Spiele, sagen könnte. Geisterspiele im Fußball sind - nolens volens - längst Usus geworden; eine Abschottung der Mannschaften dürfte einfacher ausfallen, als wenn 11.000 mehr oder minder für sich selbst kämpfende Athleten aus aller Welt zusammenkommen und im Athletendorf ein- und ausgehen, allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz. Von einem völkerverbindenden Fest kann ohnehin keine Rede mehr sein. Am Freitag sorgte ein Bericht der englischen Zeitung "The Times" weltweit für Aufsehen, der sich auf eine nicht genannte Quelle aus der japanischen Regierung stützt, wonach man intern zu dem Schluss gekommen sei, die Spiele abzusagen. Das Dementi kam freilich umgehend, sowohl von Regierungsseite als auch vom Internationalen Olympischen Komitee - samt Protestandrohung gegen die Zeitung.

Schließlich ist es viel Geld, das auf dem Spiel steht. Auch deswegen vermeiden es die nationalen Komitees, Druck auf das IOC hinsichtlich einer Absage auszuüben. Denn ein Großteil der Einnahmen fließt an sie und in weiterer Folge die nationalen Verbände und damit den Sport selbst, den ein Ausfall somit ebenso hart treffen würde wie Japan selbst.

Dennoch haben zuletzt auch hochrangige Experten für eine Absage der Spiele plädiert. Schließlich sei die Gefahr durch die Mutationen noch größer als im vorigen Jahr, als man schließlich zu dem Schluss kam, dass eine Verschiebung die einzige Option sei. Nun könnte es sogar eine gänzliche Absage werden. Zumindest aber dürfte auch dieses Mammutsportjahr einer Schrumpfkur unterzogen werden.