Österreich ist eine Skination, eh klar, auch wenn die jüngsten Erfolge im Slalom oder zuletzt der Super-G-Sieg von Vincent Kriechmayr die Schwachstellen in der Grunddisziplin Riesentorlauf nur unzulänglich zudecken konnten. Doch was Österreich auch ist: eine Rodelnation. Bei Olympischen Spielen haben David Gleirscher und Co. sechs Mal Gold sowie je acht Mal Silber und Bronze gewonnen, im ewigen Medaillenspiegel bei Weltmeisterschaften liegt Österreich mit 23 Gold-, 31 Silber- und 38 Bronzemedaillen nur hinter den alles dominierenden Deutschen zurück.

Und dafür, dass die rot-weiß-rote Erfolgsserie bei der ab Freitag stattfindenden WM in Königssee fortgesetzt wird, gibt es nicht erst seit dem jüngsten Weltcup in Innsbruck-Igls genug Anlass zur Hoffnung. Zusätzlichen Schwung für jenen Eiskanal, in dem die deutschen Gastgeber traditionell vielleicht noch stärker einzuschätzen sind als sonst ohnehin schon, hat am Wochenende der Gesamtweltcupsieg für die Doppelsitzer Thomas Steu/Lorenz Koller gegeben, für die eine Medaille das klare Ziel ist.

Vor genau einem Jahr hatte die Sache noch ganz anders ausgesehen: Am 23. Jänner war für Steu/Koller das ebenso vorzeitige wie schmerzhafte Saison-Aus gekommen: In Sigulda zog sich Steu, für den der Winter ohnehin schon mit einer Ellenbogenoperation begonnen hatte, dann aber kontinuierlich erfreulicher geworden war, einen komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch zu. Nun krönte das Duo seine Comebacksaison mit dem ersten heimischen Gesamtweltcupsieg im Doppelsitzer seit Wolfgang und Andreas Linger 2011/12.

Doch das soll noch nicht alles gewesen sein, in Königssee ein weiteres Kapitel der märchenhaften Geschichte geschrieben werden - auch wenn die beiden vor der Saison selbst nicht daran gedacht hatten, dass es so schnell wieder aufwärtsgehen würde. Die Konkurrenten kommen teilweise aus dem eigenen Lager, vor allem aber aus Deutschland, das laut Cheftrainer und Sportdirektor Rene Friedl in allen Disziplinen die Favoriten stellt.

"Unser Ziel sind zumindest zwei Medaillen, sollten es mehr werden, umso besser."

Cheftrainer Rene Friedl

Doch auch dem eigenen, insgesamt 14-köpfigen Team, in dem die Junioren Juri Gatt/Riccardo Schöpf ihre WM-Premiere geben, traut Friedl einiges zu. "Wir haben sicherlich die Qualität, in allen Disziplinen um die Podestplätze mitzufahren", sagt er. Neben Deutschland sieht er aber auch andere Topnationen wie Russland, Lettland und Italien im Aufwind. "Von daher werden es mit Sicherheit sehr spannende Titelkämpfe. Unser Ziel sind zumindest zwei Medaillen, sollten es mehr werden, umso besser."

Im Einsitzer führt der Weg zu Gold über Lokalmatador Felix Loch, der wie Steu/Koller bereits als Gesamtweltcupsieger feststeht. Der 31-Jährige peilt auf seiner Heimbahn seinen bereits siebenten WM-Titel in diesem Bewerb an.

 

Im Einsitzer ist Gesamtweltcupsieger Felix Loch das Maß aller Dinge. - © apa / expa / jfk
Im Einsitzer ist Gesamtweltcupsieger Felix Loch das Maß aller Dinge. - © apa / expa / jfk

Zu seinen Herausforderern zählen auch alle vier Österreicher. Jonas Müller raste 2019 zu WM-Gold im Sprint und eroberte im Vorjahr bei den Titelkämpfen in Sotschi die Silbermedaille; Wolfgang Kindl, im Vorjahr WM-Dritter, hat mit zwei Goldenen (Igls 2017) und insgesamt fünf Medaillen die beste WM-Bilanz der ÖRV-Asse. David Gleirscher wiederum gewann im WM-Sprint 2020 Silber und überzeugte zuletzt beim Heim-Weltcup mit zwei vierten Plätzen. Nico Gleirscher schrammte dagegen im Königssee-Weltcup Anfang Jänner nur um 35 Tausendstelsekunden am Stockerl vorbei und belegte bei der Generalprobe als bester ÖRV-Einsitzer Rang vier.

Noch klarer ist die Favoritenrolle bei den Damen - doch auch hier wollen die von Madeleine Egle und Hannah Prock, die beide schon Weltcup-Stockerlplätze erreicht haben, angeführten Österreicherinnen nicht nur dabei, sondern mittendrin im Kampf um die Topränge sein. Für die ÖRV-Damen wäre Edelmetall freilich ein noch größeres Märchen - doch davon hat der heimische Rodelverband im Schatten der Skifahrer schon einige geschrieben.