Während die Handball-WM in Ägypten ab den Halbfinalspielen am Freitag in die entscheidende Phase geht, hat Österreich schon seinen Abschied begangen - und das mit einer Niederlage. Und dabei spiegelte das Ende spiegelte den Anfang dieser WM: Österreichs Herren verloren das Spiel gegen den mehrfachen Afrika-Meister Tunesien 33:37 (16:19) und beendeten eine etwas verkorkste Endrunde damit auf Platz 26. Gegen die klar stärkste Mannschaft des President's Cup lief Rot-Weiß-Rot stets einem Rückstand nach und war trotz mehrerer Chancen nicht in der Lage, der Partie noch eine Wende zu geben.

Die Halbfinal-Spiele am Freitag bestreiten Spanien und Dänemark, das sich in einem Siebenmeter-Krimi gegen Gastgeber Ägypten mit 39:38 (35:35 n.2.V.) durchsetzte, sowie Frankreich und Schweden.

Als "harten Brocken" hatte Österreichs Kapitän Gerald Zeiner vor der Partie die Tunesier identifiziert, er sollte recht behalten. Obwohl Teamchef Ales Pajovic seine Turnier-Einsergarnitur aufbot, lief die Partie überhaupt nicht nach Plan. Es sollte nicht beim schnellen 2:0 für die Tunesier bleiben, vielmehr zogen die Nordafrikaner in der Folge auf 5:2 (6.) beziehungsweise 8:6 (10.) davon. Dass Routinier Robert Weber bei diesem Stand einen Siebenmeter sowie eine Konterchance vergab, passte zum rot-weiß-roten Spiel.

Das krankte freilich weniger an offensiver Schwäche denn defensiver Hilflosigkeit gegen die schnellen Tunesier. Goalie Thomas Bauer hatte wenig Möglichkeiten zum Eingreifen, die meisten Würfe kamen aus Kurzdistanz. Die logische Folge: Von 9:7 zog Tunesien auf 13:7 davon (17.), auch nach 23 Minuten nahm sich der Stand aus österreichischer Sicht mit 11:17 eher traurig aus. Pajovic brachte aber einiges neues Personal, prompt gelang es, den Rückstand bis zur Pause auf drei Tore einzudämmen.

Das letzte Aufbäumen war zu wenig

Nach einem soliden Wiederbeginn ließ Österreich bei 23:25 (40.) die große Chance ungenützt, auf einen Treffer zu verkürzen, und geriet prompt wieder 24:29 in Rückstand (45.). Gut zehn Minuten später belohnte man sich dann doch mit dem 28:29, ließ wieder abreißen (28:32), ehe man noch einmal auf 31:32 herankam. Doch 13 Tage nach der Auftaktniederlage gegen Nachrücker Schweiz, gleichbedeutend mit dem Verpassen der Hauptrunde, sowie nach den President's-Cup-Siegen gegen Marokko, Chile und Südkorea war das Pulver damit verschossen. Tunesien brachte den Erfolg sicher über die Zeit.

"Wir wussten, dass es eine sehr, sehr gute Mannschaft ist, die ähnlich wie wir eine sehr schwere Vorrundengruppe hatte", meinte Weber. "Sie waren körperlich dominanter, vielleicht etwas frischer und schneller auf den Beinen. Da haben wir den einen oder anderen Zweikampf zu viel verloren. Sie haben verdient gewonnen."

Pajovic erkannte die Probleme vor allem im Defensivbereich. "Der Rückraum links und Mitte sind richtige Maschinen, dazu ein großer Kreisläufer. Wir haben in der Abwehr schon große Probleme gehabt, deswegen habe ich auf 5:1 umgestellt. Das war dann etwas besser, auch das Spiel 7 gegen 6 haben wir gut gemacht. Aber Respekt an meine Mannschaft, sie hat 60 Minuten gekämpft", sagte der Slowene. Er muss nun hoffen, dass sich der Lerneffekt aus dem President's Cup schon zum Abschluss der EM-Qualifikation im Frühjahr gegen Estland und Bosnien einstellt. (red/apa)