Tampa Bay Buccaneers gegen Kansas City Chiefs, Tom Brady gegen Patrick Mahomes - die Chance für Brady, weiter Geschichte zu schreiben und zum ersten Mal ein Heim-Team zum begehrtesten aller Titel im American-Football-Sport zu führen. Alle Augen sind in dieser Woche nach Tampa, Florida, gerichtet, auch jene der österreichischen Football-Fans, wenngleich diese schon seit langem keinen heimischen Athleten in der NFL zu sehen bekommen haben.

Anders als im Basketball und Eishockey, wo Jakob Pöltl beziehungsweise Michael Raffl sich längst in der NBA beziehungsweise der NHL etabliert haben, wartet Österreich - das im legendären Dallas-Cowboys-Kicker Toni Fritsch sogar einen Super-Bowl-Champion in der Sporthistorie stehen hat - nun schon lange auf einen NFL-Spieler. Doch wie in den anderen Sportarten, in denen die Talente Luka Brajkovic und Marco Rossi - der Vorarlberger wurde von Minnesota Wild als Top-Ten-Pick gedraftet, wartet aber nach einigen Rückschlägen wie einer Verletzung sowie nun einer Covid-Erkrankung bisher vergeblich auf seine NHL-Premiere - in den Startlöchern scharren, könnte sich dies auch im Football bald ändern.

Sandro Platzgummer hat immerhin schon im Trainingskader der New York Giants NFL-Luft geschnuppert, Bernhard Seikovits und Leonel Misangumukini befinden sich derzeit im "International Player Pathway Program" der US-Profiliga.

Die größten Hoffnungen auf eine NFL-Karriere macht sich derzeit aber Thomas Schaffer, der zuletzt eine starke Collegesaison in Stanford gespielt hat. Dass es ruhig ein bisserl mehr sein darf, versucht er gar nicht zu verbergen. "Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass ich es in ein Camp schaffen werde", sagt Schaffer im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Der 24-Jährige weiß um seine Qualitäten. "Meine Größe und meine Athletik sind eine eher seltene Kombination. Wenn man mich richtig einsetzt, glaube ich schon, dass ich eine starke Waffe sein kann."

Schaffer spielt in der Defensive Line, wo es gilt, das gegnerische Laufspiel zu stoppen und Jagd auf den Quarterback zu machen. Der ehemalige Junioren-Nationalspieler war bereits 2013 in die USA übersiedelt, nach vier Jahren Highschool in Illinois ging es nach Stanford. Dort hat Schaffer mittlerweile zwei Bachelor-Abschlüsse, ein Master in Kommunikation soll noch in diesem Frühjahr folgen.

"Ich habe noch mehr in der Tasche. Alles, was ich erreicht habe, kann ich noch steigern."

Thomas Schaffer

Im Mittelpunkt aber steht Football. "Es geht darum, mich in die beste Form meines Lebens zu bringen." Dafür arbeitet er rund vier bis fünf Stunden täglich in der Kraftkammer - sechs Tage die Woche. Das Training mit Privat-Coaches finanziert ein Agent, dem dafür drei Prozent eines späteren NFL-Gehaltes zugesichert sind. "Das ist schon ein professionelles Leben", meint der 136-Kilo-Koloss.

Und dieses professionelle Leben soll sich bezahlt machen: Am 18. März steht der "Pro Day" auf dem Programm, auf dem sich die Topspieler in Stanford den interessierten Teams präsentieren können. Der Draft ist für 29. April bis 1. Mai in Cleveland angesetzt, Schaffer könnte als erster Österreicher überhaupt ausgewählt werden. Wenn nicht, hat er immer noch die Chance, ohne Vorkaufsrecht eines Teams in einem Trainingscamp zu landen. Möglicherweise kann er sich seinen NFL-Klub dann sogar aussuchen. "Es ist definitiv Interesse von einigen Teams da", berichtet Schaffer. Alle seine Coaches seien von ihm überzeugt. Und er selbst sieht noch Entwicklungspotenzial. "Ich habe noch mehr in der Tasche, als ich schon herausgeholt habe. Alles, was ich in Stanford erreicht habe, kann ich mit professionellem Training noch steigern."

Dabei führte er die Top-Universität aus Kalifornien etwa bereits in der wichtigen Statistik-Kategorie des Zufallbringens des gegnerischen Quarterbacks ("Sacks") an.

"Ich muss es schaffen, weil ich sonst Österreich enttäusche."

Thomas Schaffer über seine NFL-Ambitionen

Schaffer ist ein Pionier. Ein NFL-Spiel, das erste eines Österreichers, der nicht auf der Spezialposition des Kickers beheimatet ist, wäre ein weiterer Meilenstein. "Es ist ein bisschen Druck. Ich muss es schaffen, weil ich sonst Österreich enttäusche. Aber es ist auch ein gutes Gefühl." Der einstige Nachwuchsspieler der Rangers Mödling will zeigen, dass die Herkunft für eine NFL-Karriere keine Rolle spielt. "Es wäre super, wenn die Europäer künftig noch mehr ernst genommen werden."

Schließlich müssen es nicht nur Tom Brady oder Patrick Mahomes sein, die Geschichte und die Geschichten im Football schreiben.(art/apa)