Das Damen-Tennis ist bekannt dafür, dass sich die Machtverhältnisse schnell ändern, schneller als bei den Herren jedenfalls. Eines - beziehungsweise eine - hat sich nicht geändert. Serena Williams, mittlerweile 39 Jahre alt, zählt nach wie vor bei jedem Grad-Slam-Turnier zu den Favoritinnen. 23 Major-Turniere hat sie bisher gewonnen, um eines mehr als Steffi Graf, aber eben auch um eines weniger als Margaret Court. Ausgerechnet in deren australischer Heimat geht Williams nun auf den Rekord Courts los - nachdem sie seit mittlerweile vier Jahren keinen weiteren Grand-Slam-Sieg mehr geschafft hat.

Genau in Australien war es, dass die mittlerweile 39-Jährige zum bisher letzten Mal bei einem Major triumphiert hat. Wie sich später herausstellte, war Williams zu diesem Zeitpunkt bereits schwanger, es folgen die Geburt ihrer Tochter und eine Babypause, ehe sie wieder auf die große Bühne zurückkehrte. Auch wenn sie nach wie vor zumindest öffentlich keinen Gedanken an einen möglichen Rücktritt verschwendet, dürften ihr nicht mehr allzu viele Gelegenheiten bleiben, den nächsten Rekord zu brechen. In Australien ist sie vorerst jedenfalls auf Kurs, in der zweiten Runde setzte sie sich klar gegen die Serbin Nina Stojanovic in 69 Minuten mit 6:3, 6:0 durch. Sie trifft nun am Freitag auf die Russin Anastasia Potapowa. Auch die Japanerin Naomi Osaka, Australian-Open-Siegerin von 2019, ist weiter, sie schaltete Caroline Garcia mit 6:2, 6:3 aus.

Wie bei den Herren, bei denen Österreichs Nummer eins Dominic Thiem den Deutschen Dominik Koepfer klar in drei Sätzen mit 6:4, 6:0, 6:2 ausschaltete und sich nun auf seinen Drittrundengegner Nick Kyrgios freut, sind auch bei den Damen die Favoritinnen in der nächsten Runde. Williams zählt nach ihrer Titellosigkeit in den vergangenen Jahren sowie ihren Schulterbeschwerden in der jüngeren Vergangenheit nicht unbedingt zu ihnen, abschreiben sollte man die US-Amerikanerin aber nicht.

Sie selbst wollte dem Rekord im Vorfeld nicht allzu viele Gedanken schenken. Es sei "natürlich in meinem Kopf", sagte sie - aber auch: "Es ist eine andere Last jetzt, weil ich mich daran gewöhnt habe." Zudem haben die Schulterbeschwerden, die sie vor allem bei ihren sonst so knallharten Aufschlägen behindern, einiges an Last abfallen lassen. Williams muss nicht, sie kann den Rekord egalisieren - Ähnliches gilt aber auch für Rafael Nadal.

Hinter der Leistungsfähigkeit des Spaniers, der wie Roger Federer 20 Grand-Slam-Siege vorzuweisen hat, stand vor dem Turnier wegen seiner Rückenbeschwerden ebenso ein Fragezeichen, nun hat er diese aber ausgemerzt. Bei den Herren überstand er ebenso wie die anderen Favoriten seine Auftakthürde souverän. Das sollte auch für Thiem eine Warnung sein. Er kommt zwar nach einem durchwachsenen Saisonauftakt immer besser in Schwung, einfacher wird es aber nicht. In der dritten Runde bekommt er es mit dem Australier Kyrgios zu tun, der sich schon lange auf dem Weg zum großen Durchbruch eher selbst im Weg steht. Doch auch hier gilt: Die Verhältnisse können sich schnell ändern.(art)