Titelverteidigerin Sofia Kenin aus den USA ist bei den Australian Open bereits in der zweiten Runde ausgeschieden. Die 22-Jährige verlor am Donnerstag in Melbourne gegen die Estin Kaia Kanepi deutlich mit 3:6, 2:6 und war dabei völlig ohne Chance.

Kanepi unterstrich dagegen ihre Rolle als Geheimfavoritin. Die 35-Jährige ist zwar nur die Nummer 65 der Welt, zeigt aber bereits seit einiger Zeit Topleistungen. Gegen Ende des vergangenen Jahres gewann sie zwei kleinere ITF-Turniere, bei einem der drei Vorbereitungsturniere auf die Australian Open verlor sie in der vergangenen Woche erst im Finale gegen die Belgierin Elise Mertens.

 

Kaia Kanepi erwies sich als zu stark für die Titelverteidigerin. - © reuters / Loren Elliott
Kaia Kanepi erwies sich als zu stark für die Titelverteidigerin. - © reuters / Loren Elliott

Thiem gegen Kyrgios

Bei den Herren sind große Überraschungen bisher ausgeblieben, Dominic Thiem will dafür sorgen, dass das auch so bleibt - wenn auch zum Leidwesen der australischen Fans. Thiem trifft nämlich in der dritten Runde auf Lokalmatador Nick Kyrgios - ein Duell, das auch abseits des Platzes Brisanz birgt.

Der immer für Eskapaden taugende Kyrgios hatte beim vorjährigen Heim-Major am 27. Jänner im Achtelfinale gegen Rafael Nadal verloren, ehe der Spanier dann im Viertelfinale Thiem unterlag. Vier Wochen später folgte für Kyrgios noch eine Auftaktniederlage - übrigens gegen Humbert, den er nun in der zweiten Runde in fünf Sätzen besiegt hat - in Acapulco, und dann kam die Pandemie. Kyrgios positionierte sich in der Krise klar, verzichtete nach der Tour-Wiederaufnahme auf Reisen und bot unter anderem Hilfsbedürftigen Lebensmittellieferungen an.

 

Thiem-Gegner Nick Kyrgios genießt die Unterstützung der Fans. Dabei war er früher auch in Australien nicht unumstritten. - © reuters / Asanka Brendon Ratnayake
Thiem-Gegner Nick Kyrgios genießt die Unterstützung der Fans. Dabei war er früher auch in Australien nicht unumstritten. - © reuters / Asanka Brendon Ratnayake

Rund um die umstrittene, von Novak Djokovic organisierte Adria Tour, an der auch Thiem erfolgreich teilnahm, wurden der Serbe und auch der Deutsche Alexander Zverev wegen Party-Besuchen von Kyrgios scharf kritisiert. Im Jänner gab es einen weiteren Schlagabtausch mit Djokovic, nachdem dieser Forderungen nach Quarantäne-Erleichterungen gestellt hatte. Kyrgios mokierte sich deshalb stark über den "Djoker", der konterte: "Er hat einen großen Namen und bewiesen, dass er jeden besiegen kann. Aber abseits des Courts habe ich nicht viel Respekt vor ihm."

Kyrgios baut aufs Publikum

Kyrgios konzentrierte sich fortan auf sein Comeback, kam bei einem der vorwöchigen Melbourne-Vorbereitungsturniere ins Achtelfinale und besiegte nun diese Woche den portugiesischen Qualifikanten Frederico Ferreira Silva in vier sowie Humbert in fünf Sätzen. Bestes Abschneiden von Kyrgios bei den Australian Open war der Einzug ins Viertelfinale 2015, bis ins Achtelfinale war es vor 2020 schon 2018 gekommen. Nun muss er freilich gegen den Vorjahres-Finalisten und US-Open-Sieger auf den Platz.

"Er ist wahrscheinlich einer der physisch Stärksten auf der Tour, er ist ein extrem guter Spieler", sagt Kyrgios über Thiem. "Ich habe seine Entwicklung verfolgt. Ich habe ihn bei den Junioren gesehen, da ist er etwas gestrauchelt. Aber es ist cool zu sehen, wie er an die Spitze gekommen ist. Er trainiert wie ein Tier, er ist beständig, und ich habe viel Respekt vor ihm. Sein Tennis ist nicht leicht zu spielen, es ist super-physisch."

Kyrgios selbst wird die Unterstützung der Fans wieder genießen. "Es hat sich wie in einem vollen Stadion angefühlt", sagte er nach seinem Match gegen Humbert. Er glaubt aber nicht, dass Thiem von der Publikumsunterstützung für den Gegner eingeschüchtert wird. "Er kann damit fertig werden, denn er ist einer der weltbesten Spieler. Er geht da mit Begeisterung hinein. Er ist ein Spieler, der große Match-Situationen liebt. Man kommt bei Grand Slams nicht in Finali und gewinnt eines, wenn man sich vor australischem Publikum fürchtet."

Der immer polarisierende Kyrgios erwartet daher, dass Thiem auch gegen ihn sein bestes Tennis spielen werde. "Ich erwarte mir aber trotzdem, dass ich eine gute Chance habe. Was passiert, passiert. Ich werde mit Instinkt spielen. Wenn es genug ist, ist es genug, wenn nicht, dann nicht." Der Sieger dieses Duells wird gegen den Bulgaren Grigor Dimitrow (Nr. 18) oder den Spanier Pablo Carreno Busta (15) um den Einzug ins Viertelfinale spielen. (red/apa)