Es war ein hartes Stück Arbeit, aber letztlich hat Dominic Thiem den Tag beziehungsweise Abend im Büro erfolgreich hinter sich gebracht. Der Österreicher setzte sich nach 0:2-Satzrückstand noch mit 4:6, 4:6, 6:3, 6:4, 6:4 gegen Nick Kyrgios durch und steht im Achtelfinale der Australian Open. Im Vorjahr hatte Thiem das Finale erreicht. Auf dem angestrebten Weg dorthin bekommt er es nun - diesmal aufgrund des neuerlichen Lockdowns in Melbourne wieder ohne Zuschauer - mit Grigor Dimitrow zu tun.

Während der Bulgare gegen Pablo Carrena Busta, der beim Stand von 0:6, 0:1 aufgeben musste, Kräfte sparen konnte, musste Thiem gehörig kämpfen, um ins Achtelfinale vorzustoßen - sowohl physisch als auch mental. In den ersten beiden Sätzen war es für den Österreicher schwierig, den Rhythmus gegen einen stark aufspielenden Kyrgios vor dessen Heimpublikum zu finden. Auch Anfang des dritten Satzes musste Thiem Breakbälle abwehren. "Ich habe schon begonnen, mich gedanklich mit der Niederlage zu beschäftigen", sollte Thiem danach sagen. "Aber dann habe ich mich an das US-Open-Finale erinnert und daran, dass man nie aufgeben sollte." Damals lag Thiem gegen Sascha Zverev ebenfalls mit 0:2 Sätzen in Rückstand, ehe er noch seinen ersten Grand-Slam-Triumph erreichte.

Stadion glich einem Hexenkessel

Auch diesmal ist ihm die Aufholjagd in beeindruckender Art und Weise gelungen. Während Thiem immer besser ins Spiel kam, rissen bei Kyrgios, als Enfant terrible des Tennis verschrien, Faden und auch Nerven. Immer wieder haderte der 25-Jährige mit sich, dem Schiedsrichter und der Welt. Thiem indessen ließ sich von den Mätzchen, die allerdings nicht ins Unfaire gingen, ebenso wenig beirren wie von den frenetischen australischen Zusehern, die das Stadion in einen Hexenkessel verwandelten, nicht beirren und setzte sich aufgrund seiner größeren Klasse schließlich durch.

Dass die Ränge in den kommenden Tagen wieder leer bleiben, findet der 27-Jährige schade. "Ich spiele lieber vor Publikum, auch wenn es gegen mich ist", sagte der Österreicher.

Schwartzman ausgeschieden

Einfacher hatten es Serena Williams, Naomi Osaka und auch Alexander Zverev, die ebenfalls am Freitag ohne Satzverlust ins Achtelfinale eingezogen sind. Williams besiegte die Russin Anastasia Potapowa erst nach Startschwierigkeiten und Abwehr von zwei Satzbällen 7:6, 6:2. Osaka ließ der Tunesierin Ons Jabeur nur fünf Games, und der deutsche US-Open-Finalist Zverev zeigte sich gegen Frankreichs Adrian Mannarino beim 6:3, 6:3, 6:1 in starker Form.

Der 2020 im Endspiel von Flushing Meadows Thiem unterlegene Alexander Zverev zeigte sich gegen seinen Lieblingsgegner Adrian Mannarino, der zum Auftakt Dennis Novak in drei Sätzen bezwungen hatte, unantastbar. Der als Nummer sechs gesetzte Deutsche hält im Head-to-Head nun bei 6:0-Siegen gegen den Franzosen. "Ich war ein bisschen müde am Anfang, von daher habe ich versucht, von Anfang an sehr druckvoll zu spielen", sagte ein bestens gelaunter Zverev nach seiner beeindruckenden Vorstellung. "Ich wollte, dass ihr nicht so lange in der Hitze sitzen müsst", sagte er zu den Zuschauern. Der letzte verbliebene deutsche Tennisprofi in Melbourne trifft am Sonntag entweder auf den Spanier Pedro Martinez oder Dusan Lajovic.

Überraschend ausgeschieden ist der als Nummer 8 gesetzte Argentinier Diego Schwartzman. Der gute Tour-Freund von Thiem musste sich dem kaum bekannten russischen Qualifikanten Aslan Karazew klar mit 3:6 ,3:6, 3:6 beugen. Der 27-jährige Weltranglisten-114. hatte sich in Melbourne im zehnten Versuch überhaupt erst zum ersten Mal für den Hauptbewerb eines Major-Turniers qualifiziert, nun steht er in der Runde der letzten 16.

Für Serena Williams ist das business as usual. Der 39-jährigen US-Amerikanerin fehlen nun noch vier Schritte zum angestrebten 24. Grand-Slam-Titel - es wäre die Egalisierung des Allzeitrekords von Margaret Court. Williams hat erst nach Match-Ende erfahren, dass sie vorerst letztmals vor Fans gespielt hat. "Es ist gut, dass ich es nicht gewusst habe. Es ist hart, es werden für uns alle ein paar harte Tage. Hoffentlich kommen wir da gut durch", sagte Williams.