Dominic Thiem wird am Montag erstmals seit 2. März 2020 nicht mehr in den Top Drei der Tennis-Herren aufscheinen. Der 25-jährige Russe Daniil Medwedew besiegte am Mittwoch im Viertelfinale der Australian Open in Melbourne Landsmann Andrej Rublew klar mit 7:5, 6:3, 6:2 und überholt den Niederösterreicher in der Weltrangliste. Medwedew trifft im Halbfinale entweder auf Rafael Nadal oder Stefanos Tsitsipas, deren Spiel gerade im Gang ist.

Medwedew setzte seinen furiosen Lauf fort und steht erstmals in Melbourne in der Vorschlussrunde. Nach dem 2:05-Stunden-Match gegen Freund und Landsmann Rublew hat er auch erstmals die Top Drei geknackt. Saisonübergreifend hat er nun bereits 19 Siegen en suite gefeiert, inklusive im vergangenen Herbst Paris-Bercy und den ATP Finals.

In der O2-Arena hatte er der Reihe nach Novak Djokovic, Rafael Nadal und im Endspiel Dominic Thiem, also die damaligen Top Drei besiegt. Sollte er den Titel holen, könnte er ab Montag sogar Zweiter werden. Seit den US Open hat Medwedew gegen Top-Ten-Spieler eine unglaubliche 11:0-Siegesbilanz.

"Wir hatten ein paar unglaubliche Rallyes, und es war hart, nach manchen Punkten zu atmen. Ich glaube, ich bin einer der wenigen Spieler, die Andrej so müde machen können, und darüber bin ich sehr glücklich", meinte Medwedew, der ebenso wie Rublew übrigens auch Krämpfe hatte. "Das war definitiv eines meiner besten Matches, nicht nur hier, sondern auch im Vergleich zum letzten Jahr."

Novak Djokovic und der russische Sensationsmann Aslan Karazew standen als Halbfinalisten schon davor fest. "Ich bin sehr glücklich für Aslan, er hat Geschichte geschrieben", erklärte Medwedew zum Lauf von Karazew.

Letzterer wird in der Weltrangliste einen Riesensprung von Platz 114 auf zumindest 42 machen. "Wenn wir ein russisches Finale hätten, wäre das ein Traum, aber wir haben noch toughe Matches und Gegner vor uns", ergänzte Medwedew.

Barty mit "gebrochenem Herzen"

In gegenteiliger Stimmung war Ashleigh Barty. Die topgesetzte Australierin ist am Mittwoch überraschend ausgeschieden. Sie unterlag der als Nummer 25 gereihten Tschechin Karolina Muchova mit 6:1, 3:6, 2:6. "Es bricht mir natürlich das Herz", sagte Barty, deren Traum vom ersten Heimsieg einer Australierin seit Chris O'Neil 1978 vorerst geplatzt ist. "Aber wird es die Tatsache zerstören, dass wir einen wirklich erfolgreichen Start in unsere Saison hatten? Natürlich nicht, die Sonne wird morgen auch aufgehen", erklärte die Australierin.

Ashleigh Barty (l.) musste sich der Tschechin Karolina Muchova geschlagen geben. - © afp / William West
Ashleigh Barty (l.) musste sich der Tschechin Karolina Muchova geschlagen geben. - © afp / William West

Muchova hatte im ersten Satz am bisher heißesten Tag des diesjährigen Events Probleme mit dem Kreislauf, nach einer medizinischen Auszeit samt Eisbehandlung kam sie nach verlorenem Satz und Break Rückstand aber ganz stark ins Match. Sie steht nun erstmals in einem Major-Halbfinale. In diesem trifft sie auf die US-Amerikanerin Jennifer Brady, die ihre Landsfrau Jessica Pegula mit 4:6, 6:2, 6:1 bezwang. Brady steht nach den US Open 2020 zum zweiten Mal in der Runde der letzten Vier. Für das andere Halbfinale hatten sich bereits Naomi Osaka und Serena Williams qualifiziert.

Lockdown beendet

Verabschieden musste sich auch Österreichs letzter Beitrag in Melbourne: Philipp Oswald unterlag an der Seite des Neuseeländers Marcus Daniell in seinem ersten Grand-Slam-Viertelfinale dem als Nummer fünf gesetzten Duo Rajeev Ram/Joe Salisbury mit 6:7, 2:6.

Gute Nachrichten für die Tennis-Fans kamen unabhängig von den Matches: Am Donnerstag werden im Melbourne Park nach fünf Tagen Lockdown wegen einigen Coronavirus-Fällen wieder Zuschauer zugelassen. Der Lockdown ende wie geplant um Mitternacht, teilte der Premierminister des Bundesstaates Victoria, Daniel Andrews, mit. In der australischen Metropole sei in den vergangenen Tagen kein neuer Corona-Fall aufgetreten, weshalb die strengen Maßnahmen wieder gelockert werden könnten, erklärte Andrews.
An den verbleibenden vier Turniertagen dürfen nun jeweils maximal 7.477 Zuschauer pro sogenannter Session am Tag und am Abend auf die Anlage, wie die Organisatoren mitteilten. Nach Angaben von Turnierdirektor Craig Tiley entspricht dies "rund der Hälfte der Kapazität". (apa)