Ein großer Wurf war sie nicht unbedingt, die Handball-WM im Jänner. Platz 26 war nicht das, was sich Österreichs Team erwartet und erhofft hatte, allerdings sind die Erwartungen und Hoffnungen in der vergangenen Dekade auch deutlich gestiegen. Seit der Heim-Europameisterschaft 2010, die mit der Begeisterung, die das Team mit dem neunten Platz auslöste, mithalf, den Sport insgesamt auf eine breitere Basis und ein höheres Level der Professionalisierung zu stellen, haben Österreichs Herren an drei weiteren Endrunden bei Europameisterschaften sowie vier bei Weltmeisterschaften teilgenommen - eine Bilanz, die bei rot-weiß-roten Mannschaftssportarten ihresgleichen sucht. Und ab diesem Sonntag geht es schon um das nächste Turnierticket. Im Auswärtsspiel gegen Bosnien-Herzegowina (17 Uhr/ORF Sport+) will die Equipe von Teamchef Ales Pajovic den Grundstein für die EM-Teilnahme 2022 in der Slowakei und Ungarn legen. Aus den bisherigen Gruppenspielen stehen ein Sieg gegen Estland sowie zwei Niederlagen gegen Deutschland zu Buche.

Die Vorgabe von ÖHB-Sportdirektor Patrick Fölser ist daher klar: "Wir sind in einer EM-Qualifikation, da muss man Spiele gewinnen. Wir haben jetzt drei Endspiele vor der Brust, am besten sollten wir alle drei gewinnen. Es ist das große Ziel, auch bei der nächsten EM dabei zu sein."

Bei jener 2020 hatte das Team einen neuerlichen Höhenflug bis auf Rang acht hingelegt; bei der WM zeigte sich aber, dass Ausfälle wie jener von Kapitän Nikola Bilyk und Janko Bozovic nur schwer zu kompensieren sind, wenn es gegen stärkere Mannschaften geht. Nach drei Niederlagen in der Vorrunde gegen die Schweiz - von deren Antreten als Nachrücker man erst am Abend davor erfahren hatte - sowie die Topnationen Norwegen und Frankreich zeigte man im President’s Cup mit drei Erfolgen trotz der abschließenden Pleite gegen Tunesien immerhin Moral. Auf den dort gesammelten Erfahrungen will die junge Mannschaft, die diesmal zwar Verstärkung vonRückkehrer Bozovic bekommt, aber dafür weiterhin auf Bilyk, auf die Zwillinge Alex und Max Hermann sowie Daniel Dicker verzichten und wiederum einige Neulinge integrieren muss, nun auch in der EM-Qualifikation aufbauen. Bosnien sei eine starke und erfahrene Mannschaft, die auch einige ältere Spieler in ihren Reihen habe, sagt Sebastian Frimmel. "Wir sind vielleicht ein bisschen das Gegenteil davon, haben diese jugendliche Energie und sind hungrig." Man werde daher gegen die 6:0-Abwehr des Gegners versuchen, über Tempospiel und schnelle Gegenstöße zum Torerfolg zu kommen, sagt er. Und: "Ich bin sehr zuversichtlich für Sonntag."

Den Hunger geschürt hat freilich auch die Tatsache, dass man Bosnien schon einmal unverrichteter Dinge und mit leeren Händen verlassen musste. Das Spiel war eigentlich schon für November angesetzt gewesen, konnte dann aber aufgrund eines Corona-Falls beim Gegner sowie Auflagen der lokalen Behörden doch nicht durchgeführt werden. Erfahren davon haben die Österreicher, nachdem sie bereits angereist waren. "Das war komisch für uns", berichtet Kapitän Gerald Zeiner. "So war es nur ein Ausflug, jetzt wollen wir auch diese Rechnung begleichen."

Selbst hat man mit Corona kaum Probleme, die Vorbereitung in Schielleiten, wo man sich wie mittlerweile schon gewohnt in einer Blase abgeschottet hatte, verlief reibungslos. "Wir achten sehr auf die Maßnahmen und sind sehr vorsichtig", sagt Fölser. Schließlich sollen auf dem Weg zum nächsten angestrebten großen Wurf nicht auch noch Erkrankungen im Weg stehen.(art/apa)