Wie man es macht, macht man es verkehrt. Es ist dies eine Erkenntnis, die neben vielen Politikern zuletzt auch große Sportverbände wie die Uefa oder der Welt-Motorsportverband FIA gewonnen haben. Während die einen in die dritte Welle lockerten, ließen die anderen Champions-League-Spiele aus Städten mit vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen in regelrechte Pandemie-Hotspots, die halt nur nicht als solche deklariert sind, verlegen. In der Formel 1 zeitigte dieses Phänomen nun die Blüte, dass das erste Rennen der Saison am Sonntag (17 Uhr/ServusTV und Sky) nun nicht wie üblich im australischen Melbourne, sondern in Bahrain gefahren wird - also in jenem Golfemirat, das im Gegensatz zum Bundesstaat Victoria, der seit November kaum Neuinfektionen verzeichnet, derzeit mit 750 Erkrankungsfällen pro Tag buchstäblich nicht als Insel der Virenlosen gilt.

Aber so funktioniert einmal Politik. Während also die australische Regierung die Austragung des Rennens für keine gute Idee hielt (und daher dieser Grand Prix auf November verschoben wurde), stießen die Formel-1-Macher beim König von Bahrain auf offene Ohren und Türen. Es ist schließlich nicht so, dass die FIA seit der Verschiebung und dann Absage des Grand Prix von Australien vor genau einem Jahr nichts dazugelernt hätte. Das geltende Quarantäne-, Hygiene- und Testregime funktioniert sogar so gut, dass man sich zutraute, die zweite "Corona-WM" auf insgesamt 23 Rennen aufzublasen und erstmals das Königreich Saudi-Arabien (mit einem Nachtkurs in Dschidda im Dezember) ins Programm aufzunehmen.

Dabei verspricht diese Saison nicht nur mit Blick auf Corona, sondern vor allem sportlich mehr Spannung als zuletzt. Das haben zumindest die jüngsten Testfahrten vor 14 Tagen gezeigt - wobei hier der Vorteil nun klar bei Red Bull zu liegen scheint, was wiederum Max Verstappen im von vielen erhofften Zweikampf mit Titelverteidiger Lewis Hamilton einen Sieg zum Auftakt anstreben lässt. Offen ist freilich, in welchem Ausmaß Mercedes bei diesen Testfahrten getrickst hat. Für Red Bull spricht jedenfalls das oft besungene Momentum, lag der Wagen doch schon am Ende der Vorsaison sehr gut auf der Straße. Der Umstand, dass es bis jetzt keine gravierenden Neuerungen in der Konstruktion gab, gibt ebenso Hoffnung wie die schnellen Runden sowie die stabilen Longruns bei den drei Testtagen in Bahrain. Zudem bringt der neue Honda-Motor laut Red-Bull-Mastermind Helmut Marko noch einmal eine deutliche Verbesserung unter der Haube. "Ich mag die Strecke in Bahrain, und ich bin gespannt auf unsere Performance. Es ist Zeit zu sehen, wer was hat", sagte der hochgradig motivierte Verstappen am Donnerstag. Wirklich relevant bei den Testfahrten "waren für mich die zurückgelegten Kilometer und zu sehen, dass unsere Set-up-Veränderungen Wirkung gezeigt haben". Der Niederländer gewann das letzte Rennen der Saison 2020 in Abu Dhabi, jenes davor auf dem kürzeren Außenkurs in Bahrain hatte sich Sergio Perez mit Racing Point geschnappt. Der Mexikaner ist aber nun Verstappens Teamkollege bei Red Bull.

Vettel startet bei Aston Martin, Schumacher debütiert im Haas

Während sich Verstappen zum Testsieger deklarieren durfte, gab sich Platzhirsch Mercedes unrund. "Der W12 war nicht so stabil und berechenbar und lag nicht so gut wie die Autos einiger unserer Konkurrenten", erklärte Teamchef Toto Wolff. "Red Bull sah sowohl auf längeren als auch auf kürzeren Versuchen stark aus, aber bei Testfahrten gilt natürlich immer, dass man die wahre Performance nicht genau kennt." Bei Red Bull betont man, Mercedes sei der Favorit. Verstappen: "Wie könnten sie das nicht sein, wenn sie sieben Weltmeisterschaften in Folge gewonnen haben?" Die Auftaktrennen der vergangenen beiden Jahre in Australien und Österreich hatte jeweils Hamiltons Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas gewonnen, umso mehr fokussiert der Finne auf den Hattrick.

Das bisher letzte Mal, dass Mercedes drei Rennen nicht gewann, war im Jahr 2019. Damals entpuppte sich Ferrari als lästiger Konkurrent und holte im September durch Charles Leclerc und Sebastian Vettel Siege in Belgien, Italien und Singapur. Der 33-jährige Vettel versucht mittlerweile, sich bei Aston Martin neu zu erfinden. Er ist neben Hamilton (36), Kimi Räikkönen (41) und Rückkehrer Fernando Alonso (39), der nun bei Renault anheuerte, einer von vier Weltmeistern im Feld. Zurück in der Formel 1 sind übrigens auch die Initialen MS - diesmal gehören sie aber nicht zu Michael Schumacher, sondern zu dessen Sohn Mick. Der 22-Jährige gibt bei Haas sein mit Spannung erwartetes Debüt in der Königsklasse. In Bahrain gewann Vater Schumacher vor 17 Jahren die Premiere, zudem ist sein Einstieg in die Formel 1 heuer genau 30 Jahre her. "Sicherlich wird es einen emotionalen Moment geben", erklärte Mick Schumacher. Auch wenn dieser durch Corona - und womöglich Sand - getrübt sein sollte. (rel/apa)