Der Saisonauftakt der Formel 1 am Sonntag Bahrain am Persischen Golf (17 Uhr/ServusTV) steht wenig überraschend ganz im Zeichen von Corona. So sind trotz - oder wegen - rigoroser Hygienebestimmungen und Tests am Freitag zwei Mitarbeiter des Teams Aston Martin mittels Positivtest aus dem Verkehr gezogen worden. Was vor einem Jahr im australischen Melbourne noch für helle Aufregung gesorgt hatte, hat auf dem International Circuit von Bahrain vielerorts wohl nur ein Achselzucken ausgelöst. Wenn aber jemand Grund zu Nervosität haben könnte, so sind das die arrivierten Piloten - nicht, weil sie etwa zur Risikogruppe gehören, sondern weil sie es heuer mit einer extrem jungen wie hungrigen Konkurrenz zu tun bekommen. Fast die Hälfte der Fahrer ist unter 25 Jahre alt, darunter Max Verstappen, Lando Norris, George Russell oder Lance Stroll. Ihr Formel-1-Debüt in der Wüste feiern wiederum drei "junge Wilde", die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Großen zumindest etwas zu ärgern. Aber wer ist das illustre Trio?

Mick Schumacher (22): Bei seinem ersten Formel-1-Grand-Prix am Sonntag in Bahrain ist im Rennwagen von Mick Schumacher kein Platz für große Gefühle. Es werde sicher den ein oder anderen emotionalen Moment geben. "Aber bestimmt nicht in der Aufwärmrunde oder direkt vor dem Start", sagte Schumacher der Deutschen Presse-Agentur: "Da ist man schon so konzentriert, da kommen solche Gedanken nicht. Spätestens wenn man den Helm aufsetzt, dreht sich alles nur noch um das Rennen, das vor einem liegt."

Dabei wollte Schumacher schon als Kind nur Rennfahrer werden. Es gab nie einen Plan B für den am 22. März 1999 geborenen Sohn von Corinna und Michael Schumacher. Sein Spielgerät waren Go-Karts und Mini-Quads, sein Spielplatz waren die Kartstrecken in Deutschland und Europa. 2014 wurde er im Kart Zweiter in der Welt-, Europa- sowie der deutschen Junioren-Meisterschaft. 2015 wechselte Mick in den Formelsport und fuhr beim Team Van Amersfoort Racing in der deutschen Formel-4-Meisterschaft. 2016 beendete er, nun beim Prema Powerteam, sowohl die deutsche als auch die italienische F4-Meisterschaft als Zweiter der Gesamtwertung. Mit Prema Racing wurde Mick 2018 Meister in der Europäischen Formel-3-Meisterschaft und 2020 Meister der Formel-2-Meisterschaft. Der Sprung in die Formel 1 war somit nur ein logischer Schritt.

Nikita Masepin (22): Während Schumacher bisher mit freundlichem Auftreten und konzentrierten ersten Einsätzen im Haas-Boliden für Aufmerksamkeit gesorgt hat, stand Teamkollege Nikita Masepin hingegen zuletzt in der Kritik. Der Russe hatte auf seinem privaten Instagram-Account ein Video in einer Story veröffentlicht. Das Posting zeigte angebliche sexistische Szenen aus einem Auto, was in den sozialen Netzwerken für heftige Reaktionen sorgte. Das Video wurde später wieder gelöscht, Masepin entschuldigte sich öffentlich für den Vorfall. Formel-1-Rennstall Haas kündigte eine Aufarbeitung an und entschied, dass Masepin als Pilot behalten werde. Der 22-Jährige beichtete in einem Tweet: "Ich gestehe ein, dass ich viele Menschen und mich selbst enttäuscht habe. Ich verspreche, ich werde daraus lernen."

Ob er sein Handwerk als Rennfahrer gelernt hat, wird Masepin nun in Bahrain erstmals unter Beweis stellen. Allzu große Sprünge hatte er in seiner noch jungen Karriere noch nicht gemacht: 2018 startete er in der GP3-Serie, die er als Vizemeister beendete. 2019 und 2020 fuhr Masepin in der Formel-2-Meisterschaft und erreichte zuletzt den fünften Platz. Der Sprung in die Königsklasse ist für ihn daher allein schon ein großer Erfolg.

Yuki Tsonoda (20): Der Japaner, der neben Schumacher und Masepin einer von drei Neulingen in der Formel 1 ist, hat bei den jüngsten Formel-1-Tests in Bahrain eine Talentprobe abgelegt - und wurde sensationell Zweitschnellster, direkt hinter Max Verstappen. Der Dritte der Formel-2-Meisterschaft gilt als der bisher talentierteste Rennfahrer aus Nippon. Er hat im November in Imola erstmals ein Formel-1-Auto getestet und dann auch bei Test in Abu Dhabi 2020 imponiert. Da Tsunoda mit seinem Formel-2-Sieg in Bahrain Platz drei in der Meisterschaft und damit die Superlizenz sichern konnte, wurde der Junior ins Formel-1-Team von Alpha Tauri befördert. Mit einem berühmten Vater oder Online-Skandalen kann er nicht aufwarten, aber das ist auch nicht unsympathisch.(rel)