Ein Schritt nach vorne, einer oder mehr zurück. So ergeht es nicht nur Gesamtösterreich in der Coronavirus-Pandemie, so ergeht es vor allem und vielleicht noch mehr auch Frauen im Sport. Während die Topligen mit strengen Hygienekonzepten derzeit zwar mit Einschränkungen, aber doch, ihren Betrieb aufrecht erhalten können, treffen die Maßnahmen vor allem den Amateursport besonders hart - und dort ganz besonders die vielen Mädchen- und Frauenteams.

Teamchefin Irene Fuhrmann wünscht sich "mehr weibliche Ansprechpersonen für Athletinnen". - © apa / Georg Hochmuth
Teamchefin Irene Fuhrmann wünscht sich "mehr weibliche Ansprechpersonen für Athletinnen". - © apa / Georg Hochmuth

Nachrichten à la: Die erste Schiedsrichterin pfeift ein Ländermatch des ÖFB-Teams (die Ukrainerin Katerina Monsul, die Österreich gegen Färöer leitete, muss und darf sich dabei genau derselben Kritik stellen wie ihre männlichen Kollegen), bald, nämlich am Montag, wird erstmals auch eine Frau ein Spiel im englischen Profi-Fußball pfeifen; in Irene Fuhrmann hat Österreich zum ersten Mal eine Teamchefin. Dass Fuhrmann, Nachfolgerin von Dominik Thalhammer in dieser Funktion, gleich auf Anhieb mit ihrer Equipe die Qualifikation für die EM 2022 geschafft hat, darf als Qualitätszertifikat gesehen werden. Doch auch sie weiß: "Es braucht mehr Role Models, mehr mutige Entscheidungsträger, um nachhaltig Frauen im Sport zu positionieren."

Einen weiteren kleinen Schritt hat das Sportministerium am Mittwoch mit der Präsentation eines vierjährigen "Gender-Trainee-Programms" getan, das jährlich mit zwei Millionen Euro alimentiert werden soll. Vorerst wurden aus 101 Bewerberinnen 15 Frauen ausgewählt, die als Sportmanagerinnen, Talente-Coaches und Trainerinnen im Nachwuchs-Leistungssport Fuß fassen sollen. Dass es Handlungsbedarf gibt, offenbart sich unter anderem darin, dass es in den 60 Sportfachverbänden nur sechs Präsidentinnen gibt. Für Fuhrmann geht es aber vor allem auch um den direkten Kontakt mit Mädchen und Frauen im Sport. "Das Trainerwesen in Österreich ist sehr männlich dominiert. Es muss unser Bestreben sein, gerade im Frauensport weiblichen Athletinnen auch weibliche Bezugspersonen oder Ansprechpartner zu bieten", sagt sie.

Ein Blick auf die Namenslisten der Trainer in der Planet-Pure-Frauenliga gibt ihr recht: Von den zehn Erstliga-Teams haben nur vier weibliche Cheftrainerinnen, bei vielen findet man Frauen hauptsächlich in der Rolle der Physiotherapeutinnen. Klassische Klischees werden damit auch im Frauenfußball nolens volens verstärkt. Und in den unteren Ligen verschärft sich dieses Bild umso mehr. Denn Amateurspiele, die einerseits die Basis für künftige Erfolge sein sollen, andererseits laut diversen Studien gerade für Mädchen besonders wichtig im Sinne der sozio-psychologischen Gesundheit sind, sind derzeit Pandemie-bedingt nicht möglich; Frauen zudem in Corona-Zeiten mit anderen Dingen als Sport belastet.

Der am Mittwoch veröffentlichte "Global Gender Gap Index" des World Economic Forums bescheinigt Österreich zwar eine Verbesserung in Sachen Gleichstellung - unter 156 evaluierten Ländern liegt man auf Rang 21 -, insgesamt habe sich die Lage aber verschärft. Waren 2019 noch 95 Jahre errechnet worden, die es dauern würde, ehe die Geschlechterkluft geschlossen werden könne, ist dieser Wert nun auf mehr als 135 Jahre gestiegen. Auch der Vatikan hat anlässlich des Weltfrauentages am 8. März eine Studie veröffentlicht, laut der Benachteiligung und Armut bei Frauen überproportional steigen würden. Die Gründe seien, dass 70 Prozent der Arbeitskräfte im besonders belasteten Sozial- und Gesundheitsbereich Frauen seien, 60 Prozent der Frauen arbeiten demnach in informellen Wirtschaftssektoren, die besonders unter den ökonomischen Folgen der Krise leiden würden. Zudem würden Frauen die Hauptlast bei der Familienbetreuung tragen.

Für Sport bleibt angesichts dessen wenig Raum. Das "Gender-Trainee-Programm" mag ein Puzzleteil zu einer Lösung sein. Es sei "ein gesellschaftlicher Auftrag, mehr Frauen in Entscheidungsprozesse zu bringen", sagt Sportminister Werner Kogler. "Das Vierjahresprogramm erzeugt hochwertige und praxisnahe Ausbildung. Wir dürfen davon ausgehen, dass das die Sportlandschaft in Österreich nachhaltig verändert." Doch angesichts der nach wie vor bestehenden Probleme scheint dies ein bisschen sehr optimistisch.