Die erst im Vorjahr aus der Taufe gehobene International Central European Eishockey Lea-gue ICE mag noch nicht sehr alt sein, dafür hat sie schon in ihrer ersten Saison für gehörig Aufsehen gesorgt. Neu war neben dem Namen und dem Titelsponsor vor allem ein junger Klub aus der Slowakei, die Bratislava Capitals, der - verstärkt durch Geld und den kanadischen NHL-Spieler Elic Selleck - sich aufgemacht hatte, um die Österreich-basierte Liga, vormals Ebel, ein bisschen aufzumischen. Aber daraus wurde nichts. Die Capitals sind nun einmal nicht Slovan Bratislava, der vor seinem finanziellen Niedergang 2019 ja lange Zeit die slowakische Meisterschaft dominiert und sogar in der osteuropäischen KHL gespielt hatte.

Während also der Newcomer deutlich hinter den Erwartungen blieb, haben sich nun nach einem spannenden Grunddurchgang und den Play-offs zwei Teams für das am Sonntag (17.30 Uhr) beginnende Best-of-Seven-Liga-Finale qualifiziert, die besser nicht hierherpassen könnten. 53 Mal sind der HCB Südtirol und Österreichs frisch gekürter Meister KAC bisher aufeinandergetroffen und hatten stets sehenswertes Eishockey zu bieten, wenn auch die Kärntner die Statistik leicht mit 30 zu 23 Siegen anführen. Allein diesmal, unter den neuen Umständen, haben die Bozner im ersten Spiel Heimvorteil, Spiel zwei steigt am Dienstag (19.30 Uhr/beide Puls24 und Sky) in Klagenfurt.

Die Vorfreude auf die Premiere ist bei beiden Teams spürbar. "Die ganze Mannschaft freut sich schon. Wir haben uns sehr hitzige Duelle in Grunddurchgang und Platzierungsrunde geliefert", sagte KAC-Verteidiger Martin Schumnig vor dem Start der Best-of-Seven-Serie, die spätestens am 25. April entschieden sein wird. Er und seine Spielerkollegen müssen sich jedenfalls auf sehr harte Partien einstellen, auch wenn Bozens Raubein Mike Halmo in den ersten drei Spielen noch gesperrt ist. Südtirol mag die Nummer eins vor dem Play-off gewesen sein, allein die Saisonbilanz spricht für den KAC, der vier der sechs Begegnungen für sich entschieden hat. "Bozen ist eine sehr gute Mannschaft, sie haben ein gutes Powerplay und sehr gute Einzelspieler. Aber wir wissen, wie wir sie schlagen können", erklärte Schumnig, der auch bei den bisherigen zwei Play-off-Duellen mit Bozen (1:4/2017 und 4:2/2018, jeweils im Viertelfinale) mit dabei war.

Das Duell der beiden Rekordmeister ist auch ein Aufeinandertreffen zweier sehr unterschiedlicher Wege. So setzt der 19-fache nationale Champion Bozen auf 17 Starspieler aus Nordamerika (Kanadier, Amerikaner, Italo-Kanadier) und würde bei einem Erfolg bereits zum dritten Mal nach 2014 und 2018 triumphieren. Nur Salzburg hat in diesen sechs vollen Saisonen ebenfalls zweimal die Liga gewonnen. Der KAC hingegen, der sich nach dem Aus der Vienna Capitals im Halbfinale vorzeitig zum 32. Mal zum Meister kürte, forciert den rot-weiß-roten Weg. Cheftrainer Petri Matikainen hat nämlich nur sechs Legionäre und damit die wenigsten aller Klubs zur Verfügung.

Vienna Capitals als Vorbild

Dass die Wiener die Chance auf den Meistertitel jäh verpassten, stößt Fans wie Funktionären jetzt noch sauer auf. Neun Sekunden fehlten den Capitals am Mittwoch im Heimspiel gegen Südtirol, um ein Entscheidungsspiel um den Einzug in die erste ICE-Finalserie zu erzwingen. Freilich war die Enttäuschung nach der bitteren 2:3-Niederlage nach Verlängerung sehr groß, andererseits dürfen die Caps mit Stolz auf eine Saison zurückblicken, in der sie etwa mit Blick auf den Einsatz von Eigenbauspielern zum Vorbild in der Liga avancieren konnten. Darüber hinaus hatten Vereins-Boss Hans Schmid und General-Manager Franz Kalla dem Verein in der Corona-Saison eine rot-weiß-rote Philosophie verpasst, die einige Freude bereitete und in der Zukunft noch Früchte tragen könnte. Die Wiener reduzierten nicht nur die Zahl der Legionäre (und spielten teilweise mit nur drei Transferkartenspielern), sondern setzten auch 21 Österreicher, darunter 18 Wiener beziehungsweise 13 Eigenbau-Spieler ein. Zudem bildeten Routinier Bernhard Starkbaum sowie Wraneschitz das einzige österreichische Torhüter-Tandem.

Rückblickend hätten sich die Südtiroler also in der "Generalprobe" keinen besseren Gegner für die kommenden Partien gegen den KAC wünschen können. Zu jenen, die sich ein "ähnliches Spiel wie gegen Vienna" erwarten, zählt etwa Anthony Bardaro. "Sie sind schnell, aggressiv, talentiert. Wir konzentrieren uns aber auf uns. Wir wollen so spielen wie die ganze Saison", sagte der Stürmer. Für Aufsehen ist also bis zuletzt gesorgt.(rel/apa)