Ein hoffnungsfroher Lokalmatador, ein weniger hoffnungsfroher zweifacher Major-Sieger: Die Austrian Golf Open ab Donnerstag in Atzenbrugg haben diesmal andere Voraussetzungen als sonst - und das nicht nur wegen der Coronavirus-Pandemie. Der Steirer Matthias Schwab zählt auf dem ihm gut bekannten Kurs im Diamond Country Club zu den Mitfavoriten, der Deutsche Martin Kaymer sucht im Tullnerfeld wieder einmal den Anschluss an seine Glanzzeiten. Der zweifache Major-Gewinner ist seit sieben Jahren ohne Sieg.

Der 26-jährige Schwab bezeichnete bei einem Online-Pressetermin am Mittwoch seine gute Platzkenntnis - er hatte vor elf Jahren als Amateur dort debütiert - als Bonus. "Es fühlt sich fast wie ein Heimkommen an", sagt der Rohrmooser, der 2018 Zwölfter war. Bei den aktuell unwirtlichen und schwierigen Bedingungen spiele sich der Platz jedoch etwas anders. Darauf gelte es sich einzustellen. "Es gilt smart und intelligent zu spielen", erklärt Schwab.

Selbstvertrauen aus Kenia

Riskante Schläge wären am ersten Tag nicht der richtige Weg. Die könnten am Wochenende ausgepackt werden, wenn es bei dem mit einer Million Euro dotierten Turnier hoffentlich um einen Spitzenplatz geht. Er mache sich jedoch wegen des noch fehlenden ersten Sieges auf der European Tour keinen Druck, versichert der Absolvent einer US-Universität. "Ich bleibe bei meinem mit dem Team, dem Coach und Caddie geplanten Weg", erklärt Schwab.

Es wäre toll, daheim zu gewinnen, wenn es nicht klappe, sei das aber kein Beinbruch. "Wenn ich meine Aufgaben erledige, dann werden auch die Resultate kommen." Für sein siebentes Saisonturnier fühlt er sich auch dank guter Planung jedenfalls bereit. Zuletzt hatte er beim siebenten Rang in Kenia drei sehr gute Runden gespielt, mit einer 65 zum Abschluss. "Das gibt Selbstvertrauen", betont Schwab. "Ich spiele gut und fühle mich frisch." Der Österreicher ("der Schlüssel wird sein, sich warm zu halten") verzichtete am Dienstag auf eine Proberunde, Kaymer absolvierte auf dem für ihn neuen Platz hingegen bei Temperaturen um null Grad, Regen und Schnee 18 Löcher. Auch beim Turnierstart werden die Verhältnisse nicht viel besser sein. "Es wird mehr ein Kampf als ein schönes Golfspiel", sagt der 36-Jährige.

Dennoch fühle er sich auch vom Kopf her bereit, die Herausforderung anzunehmen. Als aktuell 99. der Weltrangliste - Schwab ist 111. - weiß Kaymer sein aktuelles Potenzial gut einzuschätzen. "Derzeit ist mein Spiel nicht bereit für die US-PGA-Tour", sagt der zwölffache Turniersieger und dreifache Ryder-Cup-Gewinner.

Auf der European Tour könne er aber immer noch gewinnen, ist Kaymer überzeugt. Darauf wolle er sich in den nächsten Monaten konzentrieren. Bei den ersten Austrian Open hatte 1990 Bernhard Langer triumphiert, am Sonntag könnte ein weiterer deutscher Topstar die Trophäe im Empfang nehmen. "Ich denke schon, dass ich echte Siegeschancen habe. Ich habe in den letzten Wochen gut trainiert und fühle mich ready", sagt Kaymer. "Ich werde kämpfen und Spaß haben."

Insgesamt neun Österreicher, unter ihnen Profis wie Lukas Nemecz und Martin Wiegele sowie ein vom Steirer Niklas Regner angeführtes Amateur-Quartett, schlagen am Donnerstag ohne Zuschauer zur ersten Runde ab (Sky ab 15.30 Uhr).(apa/red.)