Als im Vorjahr der Formel-1-Saisonstart in Melbourne abgesagt und aufgrund der Corona-Pandemie um einige Monate nach hinten verschoben wurde, waren plötzlich alle Blicke auf den Red-Bull-Ring in Spielberg in den steirischen Alpen gerichtet. Heuer fällt die Ehre, die Königsklasse in Europa willkommen zu heißen, dem zweiten Kurs nach Monza (und neben Mugello) im motorsportverrückten Italien zu: Imola. Und es dürfte trotz vakanter Zuschauerränge - wie man sie auch am 9. Mai bei vierten WM-Rennen in Barcelona sehen wird - ein emotionales sowie spannendes Spektakel werden. Emotional, weil Manama in Bahrain, wo vor drei Wochen das erste Rennen des Jahres abgedreht wurde, eben nicht Imola ist. Und spannend, weil die Spuren, welche die Kopf an Kopf liegenden Piloten Lewis Hamilton (Mercedes) und Red-Bull-Pilot Max Verstappen da im Sand der arabischen Wüsteninsel Spuren hinterlassen haben, endlich auf so etwas wie eine Saison auf Augenhöhe hindeuten.

Zumindest ist das das Narrativ, dem Hamilton folgt, weswegen der Brite im Vorfeld des Großen Preises der Emilia Romagna die Favoritenrolle an den in Bahrain nur knapp an zweiter Stelle gelandeten Verstappen abgegeben hat. Zwar war der Herausforderer aus den Niederlanden am Golf schneller gewesen, allerdings rettete Hamilton den Sieg gerade noch ins Ziel. "Wir lieben die Herausforderung. Es ist für uns alle aufregend, dass wir vor so einer Herausforderung stehen", sagte der Brite in Imola. "Wir müssen weitermachen, was wir tun." Und mit Blick auf Verstappen fügte er hinzu: "Ich will mich einfach mit den besten Fahrern messen." Und hier habe Verstappen durchaus die "Chance, in der Zukunft Weltmeister" zu werden. Die Voraussetzungen dafür sieht Verstappen jedem Fall erfüllt. Zuvor hatte er noch über sein siegfähiges Auto gesagt: "Ich bin sehr froh darüber." Es mache alles leichter. "Diesmal haben wir alles in allem ein wettbewerbsfähiges Paket."

An seinem Paket hingegen noch feilen muss Sebastian Vettel. Seine Ansprüche nach dem Debakel-Auftakt in Bahrain will der Aston-Martin-Fahrer künftig dennoch nicht herunterfahren. "Nur hier zu bleiben, dass ich ein bisschen rumfahren kann, wäre Zeitverschwendung", sagte der Deutsche dem Fernsehsender RTL. "Dafür bin ich zu ehrgeizig. Dafür habe ich zu viel erreicht in der Vergangenheit. Dafür ist mein Anspruch zu hoch." Einfach wird das nicht: Vettel war nach einem komplett verpatzten Wochenende vor drei Wochen beim Debüt für Aston Martin in Bahrain nur 15. geworden - nur einen Rang vor Mick Schumacher.

"Mick wird richtig zuschlagen"

Dabei lieferte der Sohn von Formel-1-Legende Michael Schumacher in Bahrain im Haas, einem der schwächsten Autos 2021, ein grundsolides und routiniertes Rennen, leistete sich bis auf einen Dreher in der Anfangsphase keine Fehler und holte aus dem nur bedingt konkurrenzfähigen Auto alles raus, was möglich war. Großes Lob gab es daher auch von AlphaTauri-Teamchef Franz Tost, der seinem Schützling attestierte, die besten Anlagen zu besitzen, um in der Formel 1 erfolgreich zu sein. "Mick ist nicht der Typ Fahrer, der sich in ein Auto setzt und sofort alles riskiert. Er macht es Schritt für Schritt und schaut, dass er alles unter Kontrolle hat, um dann richtig zuzuschlagen", sagte der Tiroler dem Fachmagazin "Auto, Motor und Sport".

Im zweiten Training am Freitag lagen die beiden Mercedes in Front. Verstappen wurde durch ein Antriebsproblem gestoppt, das kostete ihn wertvolle Zeit für die Vorbereitung auf das Qualifying und das Rennen. Im ersten Training war er mit 58 Tausendsteln Rückstand auf Valtteri Bottas (Mercedes) Dritter geworden.(rel/apa)