Die Freude und Euphorie über die geschaffte WM-Qualifikation hat bei Österreichs Handball-Nationalteam der Frauen auch am Tag nach dem entscheidenden 29:26-Sieg in Polen angehalten. "Ein unbeschreibliches Gefühl. Ich kann es noch immer nicht glauben", sagte Patricia Kovacs nach dem Sieg der klaren Außenseiterinnen. "Speziell die letzten zehn Spielminuten waren richtig spannend. Wir haben uns angesehen und wussten, diese zehn Minuten nimmt uns keiner, wir packen das, fahren zur WM."

Die Spielorte der erstmals mit 32 Teams ausgetragenen WM werden vom 2. bis 19. Dezember Barcelona, Castellon, Granollers, Lliria und Torrevieja sein. Die erst für September angesetzte Gruppen-Auslosung ist noch nicht datiert. Davor trifft sich das ÖHB-Team Anfang Juni zu einem Lehrgang mit leistungsdiagnostischen Tests. Anfang Oktober geht es in Dänemark und daheim gegen Rumänien in den Qualifikations-Auftakt zur EM 2022. Die unmittelbare WM-Vorbereitung ist für November mit Testspielen vorgesehen. Bei der EM 2024 wird Österreich dann als Co-Veranstalter wie auch Ungarn und die Schweiz fix dabei sein, Sportdirektor Patrick Fölser sieht die nun geschaffte WM-Teilnahme als Initialzündung für den Heim-Auftritt in gut dreieinhalb Jahren: "Das ist genau das, was wir uns vor unserer Heim-Euro erhofft haben. Die Spielerinnen können bei der WM unglaublich viele Erfahrungen sammeln."

Erste Teilnahme seit 2009

Die bisher für die 25. Frauen-WM qualifizierten Teams sind: Niederlande (Titelverteidiger), Spanien (Veranstalter), Norwegen, Frankreich, Kroatien, Dänemark (Plätze 1 bis 4 bei EM 2020), Ungarn, Montenegro, Deutschland, Österreich, Russland, Tschechien. Vier weitere Plätze wurden am Mittwochabend (nach Redaktionsschluss) zum Abschluss des Europa-Play-offs vergeben.

Am Dienstagabend waren es die Österreicherinnen, die ein solches Play-off-Ticket ergatterten: Erstmals seit 2009 konnte man sich wieder für eine Großveranstaltung qualifizieren. Nach dem 29:29 im Hinspiel gegen Polen machte die Truppe von Teamchef Herbert Müller im Rückspiel in Marki die Überraschung perfekt.

"Wir haben uns vorgenommen, Berge zu versetzen, und das haben wir getan", jubelte Müller nach dem Erfolg. "Es war unglaublich, wie sich die jungen Spielerinnen eingebracht haben. Ich bin so stolz." Er strich die Defensive als Schlüssel zum Erfolg heraus. "Die Abwehrleistung war in beiden Spielen grandios." Auch Sportdirektor Fölser war euphorisiert: "Wir brauchen nicht viel reden - nach zwölf Jahren wieder zu einer WM zu fahren, damit wird ein Traum wahr."

Abgebrüht im Finish

Vor allem im Finish legten die jungen Österreicherinnen gegen die wesentlich routinierteren Polinnen ein Bravourstück hin - und zogen beim Stand von 24:24 plötzlich auf und davon. Herausragend waren vor allem Spielmacherin Sonja Frey, die 10 Tore bei 13 Versuchen beisteuerte, und Torfrau Petra Blazek, die neun Paraden zeigte und als sicherer Rückhalt agierte.