Vor zehn Jahren, am 15. Mai 2011, ist der Red-Bull-Ring in Spielberg feierlich der Öffentlichkeit präsentiert worden. Es war ein Neuanfang nach einer bis dahin schon bewegten Geschichte des Rings, und es folgten seit der Eröffnung neuerliche Schlagzeilen: Die Formel 1 kehrte 2014 ins Aichfeld zurück, und die MotoGP schlug erstmals 2016 ihre Zelte auf. Im Corona-Jahr 2020 wurde die Formel-1-Weltmeisterschaft sogar in Spielberg mit einem Doppelpack gestartet. Auch heuer wird es sowohl in der MotoGP als auch in der Formel 1 ein Spielberg-Doppel geben.

Der Österreichring war im Original 5.911 Meter lang und als Hochgeschwindigkeits-Strecke konzipiert. Mit einem Schnitt von fast 250 km/h war er eine Zeit lang tatsächlich die schnellste Formel-1-Piste überhaupt und eine echte Mut-Strecke. Seit 1969 werden dort Rennen gefahren, von 1970 bis 1987 fuhr die Königsklasse im Aichfeld. Nach 18 Auflagen kam dann aber das erste Ende für die Formel 1 auf der längst viel zu gefährlich gewordenen Berg- und Tal-Bahn.

Es folgte ein siebenjähriges Intermezzo von 1997 bis 2003 auf dem auf 4,318 Kilometer verkürzten und nun A1-Ring genannten Kurs. 2003 verstummten die Motorengeräusche am Ring abermals, doch neue Pläne wurden schon geschmiedet. Die Millionen-Investitionen von Dietrich Mateschitz drehten das Ruder schließlich wieder. Seine ursprüngliche Vision war eine 700 Millionen Euro schwere "Motorsport & Aviation Academy" mit Unterstützung des Landes Steiermark. Doch mit der Einleitung der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für den Ring-Umbau im Oktober 2003 formierte sich der Widerstand unter den Anrainern - vor allem gegen die geplante Offroad-Strecke.

Im Juni 2004 wurde das Projekt in erster Instanz genehmigt, im Frühjahr 2004 hatten bereits die Abbrucharbeiten begonnen. Doch der Umweltsenat durchkreuzte im Dezember 2004 die Pläne. Mateschitz zog sich zurück. Mit großem landespolitischen Anschub wurde das Projekt - wieder mit Mateschitz - als "Projekt Spielberg Neu" reanimiert. Mit Industriepartnern sollte eine Prüf-, Test- und Incentivestrecke um 100 bis 150 Millionen Euro gebaut werden. Im September 2005 unterzeichneten Red Bull, KTM, Magna und VW eine Absichtserklärung. Bis rechtlich alles erledigt war, wollte das Land die Federführung übernehmen.

"Quotenbringer für das gesamte Aichfeld"

Mit Mai 2006 waren alle Grundstücke mittels Optionen gesichert, Ende 2007 sollte gebaut werden. Doch im Sommer 2007 gab plötzlich VW seinen Ausstieg bekannt. Von den anderen Partnern und Mateschitz selbst kamen Zweifel an der Realisierbarkeit. Der Umweltsenat bestätigte im Jänner 2008 den positiven UVP-Bescheid, der im September erlassen worden war. Davor war es zu einer überraschenden Einigung mit Initiativbürgern und der steirischen Umweltanwältin gekommen. Obwohl "Spielberg Neu" fertig genehmigt war, blieb die Umsetzung aber noch in Schwebe.

Der Paukenschlag erfolgte am 4. Februar 2008: Nach einem Gespräch zwischen Landesregierung und potenziellen Investoren wurde das Projekt abgeblasen. Knapp zwei Monate später verkündete Red Bull den Bau einer "abgespeckten" Variante, eine Art "Spielberg Neu light". Die Bauarbeiten begannen am 10. Oktober 2008, die Eröffnung erfolgte zweieinhalb Jahre später, am 15. Mai 2011: Der neue Red-Bull-Ring nahm den auf das ganze Jahr ausgelegten Betrieb mit diversen Strecken sowie Konzertveranstaltungen auf. 2014 schien der Ring dann wieder im Formel-1-Kalender auf. Eine regelrechte Aufbruchstimmung machte sich in der Region breit. Nach dem erfolgreichen Comeback der Königsklasse folgte 2016 ein weiterer dicker Fisch: Dem bis dahin schon umfangreichen Motorsport-Portfolio wurden auch die Rennen der Motorrad-WM (MotoGP) hinzugefügt.

Im Corona-Jahr 2020 glänzte der Red Bull Ring dann mit einem ausgeklügelten Sicherheitskonzept, das als Blaupause für die weiteren Rennen diente. Zehn Jahre nach der Eröffnung steht nun für das erste Juli-Wochenende die Formel 1 im Rennkalender, Mitte August folgt die MotoGP. Bereits vom 11. bis 13. Juni wird das ADAC-GT-Masters in Spielberg über die Bühne gehen.

Für Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko ist der Schauplatz aber weit mehr als eine Rennstrecke: "Der Red-Bull-Ring ist eine tolle Erfolgsgeschichte, ein Quotenbringer für das gesamte Aichfeld."(apa)