Die Eishockey-A-WM 2021, die am Freitag in Riga begonnen hat (nach Redaktionsschluss), wird wohl in die Sportgeschichte eingehen - so oder so. Dafür braucht es nicht einmal einen Überraschungssieger wie zum Beispiel die Slowakei im Jahr 2002 im schwedischen Göteborg. Dieses Turnier in Lettland ist allein schon aufgrund seines seltenen Zustandekommens einen Eintrag in die Eishockey-Annalen wert. Da wäre einmal die Tatsache, dass die Eishockey-Nation Weißrussland als Co-Veranstalter rausgeworfen wurde - und zwar aus politischen Beweggründen, weil sich ihr dem Pucksport nicht abgeneigte Präsident nach gefälschter Wahl dazu anschickte, tausende Demonstranten ins Gefängnis knüppeln zu lassen. Dass man eine WM wegen ein paar Demos gleich entzieht, das hätte man sich einst, zur Zeit der im Eishockey alles dominierenden, aber nicht weniger skrupellos mit Andersdenkenden umgehenden Sowjetunion nicht getraut - was ein Fortschritt ist und nun das kleine Lettland in den Mittelpunkt der (freilich nicht ungeteilten) Weltaufmerksamkeit rückt.

Denn tatsächlich ist ja diese Aufmerksamkeit, wenn sie nicht gerade von Hamas-Raketen gestört wird, von der nach wie vor anhaltenden Corona-Pandemie bestimmt, die immerhin im Vorjahr dazu geführt hat, dass die Weltmeisterschaft in der Schweiz abgesagt werden musste. Aber selbst ein Jahr später war und ist Corona im Eishockey ein Thema, ja es war lange Zeit nicht einmal klar, ob die WM in Riga wie geplant starten würde können. Und so wurde der Start auf Ende Mai verlegt, noch nie fand eine WM zu einem späteren Zeitpunkt statt.

Positive Tests, keine Favoriten

Aber auch so sind die Auswirkungen der Pandemie schwer abzuschätzen, sind die Unsicherheiten, die sich zwischen dem ersten Bully und dem Finale am 6. Juni schieben, groß. So meldete etwa Italien jüngst 15 positive Corona-Fälle, Trainer Greg Ireland von ICE-Vizemeister Südtirol hat daher zu Beginn zahlreiche Schlüsselspieler nicht zur Verfügung. Gleichzeitig hat auch Salzburg-Trainer Matt McIlvane, Coach-Assistent beim deutschen Team, einen positiven Test abgegeben - ist aber mittlerweile nachgereist. Wie auch immer: Eine zweite WM-Absage binnen zwei Jahren wollte und konnte sich der Weltverband nicht leisten. Dies hatte auch, nachdem die B-WM mit Österreich bereits im November abgesagt worden war, sportliche Gründe, weshalb es in Riga auch keine Absteiger gibt.

Favoriten sind unter diesen besonderen Umständen nicht leicht auszumachen. Es sind weniger NHL-Spieler wie üblich dabei, und die absoluten Topstars fehlen allesamt. Zudem dürfte es aufgrund der Corona-Maßnahmen mit Selbst- und Team-Isolation kaum Nachnominierungen aus der besten Liga der Welt geben. Das trifft besonders die nordamerikanischen Teams, die mit sehr jungen, relativ unerfahrenen Mannschaften angereist sind. Ob Kanada, zuletzt 2016 erfolgreich, und die USA die Siegesserie der Schweden (2017 und 2018) und Finnen (2019) beenden können, ist unter diesen Umständen fraglich. Russland und Tschechien, die das Turnier am Freitagnachmittag gleich mit dem direkten Duell eröffneten, gelten als heiße Tipps.

Gespielt wird in Riga in zwei Hallen, die nur 150 Meter auseinanderliegen, sämtliche Teams sind im gleichen Hotel untergebracht. Es herrschen also perfekte Bedingungen für die notwendige Bubble. Kontakte außerhalb der Blase sind für die Spieler und die Betreuer strikt verboten, die Mannschaften dürfen sich nur in der Unterkunft und in den Stadien aufhalten, der Weg dazwischen ist zwingend mit dem Bus zurückzulegen. Auch Kontakte mit Journalisten sind untersagt, einzig Flash-Interviews für TV und Radio sind möglich.(rel)