Fünf Rennen der laufenden Formel-1-Saison sind schon absolviert, und bisher haben sich die Prognosen bestätigt. Die Meisterschaft ist ein beinharter Kampf zwischen Titelverteidiger Lewis Hamilton und Herausforderer Max Verstappen. Beim Sieg des Niederländers für Red Bull in Monaco legte Mercedes laut Teamchef Toto Wolff "katastrophales Versagen" an den Tag. Hinsichtlich der WM sei das aber nur eine Momentaufnahme, betonte wiederum Verstappen: "Wir dürfen uns davon nicht davontragen lassen."

Durch den siebenten Platz beim Großen Preis von Monaco musste Siebenfach-Weltmeister Hamilton die Führung in der Fahrerwertung an Verstappen abgeben und hat nun vier Punkte Rückstand. In der Konstrukteurswertung liegt Red Bull einen Zähler vor dem Werksrennstall. "Jetzt ist das Spiel wieder umgedreht", sagte Wolff und lächelte mild. Beim nächsten Grand Prix, am 6. Juni in Aserbaidschan, sei wieder die Mercedes-Mannschaft "die, die es zu schlagen gilt", meinte auch Verstappen mit nobler Bescheidenheit.

"Wir führen jetzt die Wertung an, und natürlich hoffe ich, dass wir am Ende auch da sein werden. Das ist das Wichtigste, also dürfen wir uns nicht jetzt in Träumereien verlieren", ergänzte der 23-Jährige, der im Fürstentum noch nie auf dem Stockerl gestanden war. Dieses Mal profitierte er als Qualifikations-Zweiter vom technischen Gebrechen am Ferrari von Lokalmatador und Pole-Position-Inhaber Charles Leclerc, der wegen einer gebrochenen Antriebswelle erst gar nicht starten konnte.

Von Hamilton hingegen hatte Verstappen gar nichts zu befürchten, der Engländer war als Qualifying-Siebenter im Mittelfeld gefangen. Und dessen Teamkollege Valtteri Bottas (Fin) musste seine Chancen nach einem fast irrwitzigen Malheur begraben: Als er nach der 29. Runde in die Boxengasse fuhr, brachte die Mercedes-Crew das rechte Vorderrad offenbar wegen einer überstrapazierten Radmutter einfach nicht runter. Bottas musste aussteigen. "Man kann niemandem die Schuld dafür geben, wir müssen einfach als Team besser werden", konstatierte der wahrlich vom Pech verfolgte Finne.

Bolide falsch abgestimmt?

So steckte am Montag das Rad noch immer fest. Durch einen nicht optimalen Winkel war die Mutter praktisch abgefräst, der Schlagschrauber konnte nicht mehr greifen. Laut einem Mercedes-Sprecher soll das Auto am Dienstag in der Fabrik in England ankommen. "Wir müssen das Design anschauen und wir müssen das Material der Radmutter anschauen", erklärte Wolff. Von menschlichem Versagen wollte er nicht sprechen. Immerhin sei der Mechaniker "einer der fittesten und einer der schnellsten". Hamilton beendete die Fahrt auf dem verwinkelten Straßenkurs nach einem gescheiterten Undercut auf dem siebenten Platz, von dem er gestartet war. So schlecht hatte er zuletzt im vergangenen Jahr im September in Monza abgeschnitten. Der Titelverteidiger sicherte sich jedoch den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde. "Unser Team wird durch Niederlagen und Fehler immer stärker", gab sich Hamilton danach aber gefasst. Schon am Abend vor dem Rennen hatte er mit klaren Worten bemängelt, dass der Wagen in die falsche Richtung abgestimmt worden sei. "Mit Blick auf die Performance war dies alles in allem ein schwaches Wochenende, aber dieses Team hat schon oft bewiesen, dass wir daraus gestärkt hervorgehen können."

Von einem tollen Tag sprach Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Verstappen sei "fehlerfrei vom Start bis ins Ziel" gefahren, urteilte er. Der Niederländer, der vor Ferraris Carlos Sainz und Lando Norris im McLaren gewann, realisierte den fünften Monaco-Sieg für den Rennstall.