Zurück auf dem angestammten Termin im Frühjahr, wenn auch eine Woche später, beginnen am Sonntag in Paris die French Open. In Roland Garros könnte man bei den Herren ein "same procedure as every year" erwarten: Denn Rafael Nadal ist und bleibt der Sandplatz-König, auch wenn er am 3. Juni schon 35 Jahre alt wird. Dominic Thiem, der 2018 und 2019 auch schon im Finale stand und gegen Pablo Andujar beginnt, ist nach den jüngsten Leistungen nur krasser Außenseiter.

Nadal indessen geht an der Seine auf seinen bereits 14. Titel los und hat mit dem Rom-Sieg gezeigt, was er immer noch kann. Etwas ungünstig für den Spanier ist die Setzung als Nummer drei. Da er aktuell dem zweitplatzierten und auf Sand eher schwachen Russen Daniil Medwedew um 163 Punkte hinterherhinkt, kommt es zum seltenen Fakt, dass die "Big Three" in einer Raster-Hälfte zu finden sind. Schon im Halbfinale könnte es zur Wiederholung des Vorjahres-Finales mit dem Weltranglistenführenden Novak Djokovic kommen.

Zudem ist auch der nach eineinhalb Jahren ein Major-Comeback gebende Roger Federer auf dieser Seite der Auslosung. Sollte sich Federer stärker schlagen, als es ihm auf Sand nun zugetraut wird, könnte er eventuell im Viertelfinale den Djokovic fordern. Doch Federer hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass er die French Open eher als Vorbereitung für sein großes Ziel Wimbledon sieht. Dort strebt der im August 40 werdende Schweizer seinen 21. Major-Titel an.

Nadal, der am Freitag sogar mit eigener Statue in Roland Garros geehrt wurde, möchte in Paris die alleinige Führung in der Major-Rekord-Jagd übernehmen und auf 21 Triumphe in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York erhöhen. Für die Konkurrenz in der unteren Tableau-Hälfte bedeutet diese Konstellation, dass nur einer der "Big Three" auf dem Weg zum möglichen Titel im Weg stehen würde - und dies erst im Endspiel. Einer dieser Protagonisten wäre eigentlich Thiem. Doch der US-Open-Sieger, der in Paris mit vier Semifinali beziehungsweise zwei Finali die beste Bilanz bei den vier Majors stehen hat, kämpfte zuletzt in diesem Jahr nach Motivations- auch mit Form-Problemen. Thiem hat 2021 neun Siege und sieben Niederlagen zu Buche stehen und spielt erstmals seit 2014, seinem ersten Hauptbewerbs-Jahr in Roland Garros, ohne zumindest einem Saisontitel. 2020 waren es die US Open. Seine zählbarsten Auftritte in diesem Jahr sind das für ihn enttäuschende Achtelfinale bei den Australian Open und das Halbfinale beim Comeback nach Auszeit in Madrid. Darum wird Thiem von vielen Experten im Gegensatz zu sonst gar nicht erst zu den engsten Favoriten neben Nadal und Djokovic gezählt. Diese trauen eher Stefanos Tsitispas, Alexander Zverev oder Andrej Rublew den Durchbruch zum ersten Major-Titel zu. Thiem nimmt dies zumindest den Druck von außen. In einem Loch sieht ihn sein Manager Herwig Straka jedenfalls nicht. "Ich sehe weder ein Loch, noch eine Spirale nach unten. Das Thema mit so einem großen Sieg, den er erreicht hat letztes Jahr, ist: Es kann nicht weiter nach oben gehen, außer du gewinnst jedes weitere Grand Slam - und das ist unrealistisch", erklärte Straka im APA-Gespräch.