Es wurde schon so oft gesagt und geschrieben, dass es einerseits schon fad zu werden droht - dass es andererseits auf das eine Mal mehr oder weniger auch nicht drauf ankommt: Die Wachablöse im Herren-Tennis lässt weiter auf sich warten. Während es bei den Damen in Barbora Krejcikova ein neues Siegergesicht gab, konnte bei den Herren erneut die alte Garde dem Ansturm der "jungen Wilden" standhalten.

Die Protagonisten diesmal im French-Open-Finale: Novak Djokovic auf der einen, der Grieche Stefanos Tsitsipas auf der anderen Seite. Der 22-Jährige bot dem um zwölf Jahre älteren Weltranglistenersten zwar einen harten Kampf und zeigte, dass ihm die Zukunft - wann auch immer diese beginnt - gehören könnte, die Gegenwart heißt aber weiter Djokovic. 6:7, 2:6, 6:3, 6:2, 6:4 lautete das Endergebnis für den Serben, der im Halbfinale auch schon den 13-fachen Paris-Gewinner Rafael Nadal ausgeschaltet hatte.

Während World-Tour-Final-Sieger Tisitsipas, dem der erstmalige Sprung auf den Grand-Slam-Olymp nur knapp versagt blieb, von den hellenischen Medien als "Sieger der Herzen" und neuer Nationalheld gefeiert wurde - gemeinsam mit Damen-Halbfinalistin Maria Sakkari soll er für einen Tennis-Boom im Lande sorgen -, sind sich die serbischen Gazzetten weitgehend sicher, den besten Tennisspieler der Geschichte in ihrem Land zu wissen. "Djokovic schreibt Geschichte. (. . . ) Unser Star ist der erste Tennisspieler der Geschichte, der die 14 wichtigsten Titel jeweils mindestens zwei Mal errungen hat. (. . .) Niemand ist wie Novak Djokovic!", hieß es etwa in der Zeitung "Politiko". "Der perfekteste Tennisspieler der Geschichte: Djokovic gewinnt alle vier Grand-Slam-Turniere der Saison. Gewinnt er auch noch in Wimbledon und die US Open (und Gold in Tokio), kann er seinen Gegnern den Schläger überreichen und sagen: ‚Kommt schon, spielt ein bisschen!‘", schreibt das Sportportal mozzartsport.com.

Ein bisschen zurückhaltender äußert sich der "Kurir", demnach Djokovic zwar "unzerstörbar", aber halt nur "auf dem Weg" sei, "der beste Spieler in der Geschichte des Tennis zu werden".

Formal fehlt ihm schließlich noch ein einziger Major-Triumph, um, abseits seiner sonstigen Erfolge, auch die wichtigste Rekordmarke zu egalisieren: Nadal und Federer haben jeweils 20 Grand-Slam-Titel, der Serbe hält nach seinem Erfolg von Sonntag bei deren 19.

"Siege sind nicht alles"

Davon sprechen wollte Djokovic, der auch in Wimbledon zu den Topfavoriten zählt, an diesem Abend nicht. "Das ist ein Traum", sagte er nach dem Sieg bei jenem Grand-Slam-Turnier, bei dem er sich bisher - auch durch die Übermacht Nadals - am schwersten getan hatte. Mit Blick auf seine Box fügte er hinzu: "Die größte Motivation sind meine Frau und meine Kinder. Es war wieder eine elektrisierende Atmosphäre. Ich habe jetzt in weniger als 48 Stunden neun Stunden Tennis gespielt."

Für Tsitsipas hatte er tröstende Worte übrig, die den Griechen nach seinem ersten Grand-Slam-Finale nicht fröhlicher stimmen konnten. "Novak hat uns in den letzten Jahren gezeigt, was ein großer Champion ist. Hoffentlich kann ich einmal die Hälfte von dem erreichen", sagte der Grieche, für den die Niederlage an diesem Tag aber nicht einmal das Schlimmste war.

Wie er in der Nacht auf Montag auf Instagram mitteilte, war seine Großmutter an diesem Tag verstorben. "Fünf Minuten vor dem Betreten des Platzes hat meine geliebte Großmutter ihren Kampf um das Leben verloren. Im Leben geht es nicht ums Gewinnen oder Verlieren. Es geht darum, jeden einzelnen Moment zu genießen, egal ob allein oder mit anderen", schrieb Tsitsipas. "Trophäen in die Luft zu stemmen und Siege zu feiern ist etwas, aber nicht alles."