Vor dem 35. Formel-1-Rennen in Österreich am kommenden Sonntag (15 Uhr/ ServusTV, Sky) drängt sich vor allem eine Frage auf: Kann Red Bull Racing auch beim ersten von zwei Heimspielen auf der Spielwiese von Teambesitzer Dietrich Mateschitz in Spielberg so auftrumpfen wie in den jüngsten drei Rennen? Mercedes jedenfalls fürchtet die Power des Honda-Motors, und das zu Recht, wie die Trainingsergebnisse am Freitag demonstriert haben. Max Verstappen, der heuer erstmals als Favorit nach Österreich gekommen ist, war in der ersten Einheit mit einer Zeit von 1:05,412 Minuten der Schnellste. Der britische Mercedes-Star Lewis Hamilton lag 0,384 Sekunden (4.) zurück. "Es gibt für nichts eine Garantie", sagte Verstappen dennoch tiefstapelnd.

Immerhin hat Red Bull in der laufenden Saison drei Rennen in Folge zuletzt gewonnen - Verstappen siegte in Monaco und am vergangenen Sonntag in Le Castellet, dazwischen Teamkollege Sergio Perez in Baku. So eine Serie hatte der Rennstall des Mürztaler Milliardärs Mateschitz seit 2013 nicht hingelegt. Damals triumphierte Sebastian Vettel sogar in den letzten neun Rennen der Saison - eine fast irrwitzige Zahl, die nur Alberto Ascari in den 1950er-Jahren erreicht hatte. 2014 kam bekanntlich ein neues Reglement, das die Turbo-Hybrid-Antriebe einführte, womit die Dominanz des Mercedes-Werksteams begann.

2014 erfolgte das Comeback der Rennstrecke in Spielberg, die als Österreichring (bis 1987) und dann als A1-Ring (1997 bis 2003) bekannt war. Und die Überlegenheit von Mercedes zeigt sich auch daran, dass die Mannschaft um ihren österreichischen Teamchef Toto Wolff von bisher acht Ausgaben auf dem Red-Bull-Ring sechs gewonnen hat. Im Juli des Vorjahres siegte der Finne Valtteri Bottas, eine Woche danach der spätere Weltmeister Lewis Hamilton.

Geht es nach Verstappen, sollte sich das heuer ändern. "Wir müssen das Auto wie zuletzt wieder optimal einstellen, die Bedingungen richtig einschätzen und darauf reagieren", meinte der Niederländer. "Ich weiß auch nicht, wie das Wetter sein wird. Ich gehe davon aus, dass es eng wird." Eine Garantie gibt es auch für das Wetter - wie so oft in Spielberg - freilich keine. Von strahlendem Sonnenschein bis zu Regen im Qualifikationstraining und Rennen ist alles drin.

"Großen Sprung gemacht"

Für Mercedes-Boss Wolff ist Red Bull der leichte Favorit. Vor allem, weil Honda mit der erstmals zum Einsatz gekommenen Ausbaustufe des Motors ein großer Wurf gelungen sei. "Die haben einen großen Sprung gemacht. Größer, als wir das gemacht haben. Man sieht es auf den Geraden, da gibt es im Moment kein vorbei", sagte der Wiener. Für Spannung ist vor dem Grand Prix jedenfalls gesorgt. Schafft Verstappen - aktuell zwölf WM-Zähler vor Hamilton - einen weiteren Sieg, hätte er mit drei Spielberg-Siegen zu Rekordhalter Alain Prost aufgeschlossen.